Fischer: In Haching ist die Champions League egal

Es kann ein ehemaliger Nationalspieler sein. Oder ein Talent. Oder ein Trainer. Oder ein Urgestein. Die 3. Liga hat in ihrer fünften Saison eine Menge Charakterköpfe zu bieten, Figuren und Protagonisten, die ihren Vereinen und der Liga Profil verleihen. Sie sind die "Gesichter der 3. Liga". DFB.de stellt sie jeden Freitag in seiner neuen Serie vor. Heute: Unterhachings Stürmer Manuel Fischer.

Den 12. Dezember 2007 wird Manuel Fischer nicht mehr vergessen, nie mehr. Es war ein Mittwoch, knapp zwei Wochen noch bis Weihnachten, das Wetter war in Ordnung, recht mild für die Jahreszeit. Aber das alles waren nur Randerscheinungen. Für Fischer hat dieses Datum aus einem ganz anderen Grund eine solch immense Bedeutung. Der Stürmer war zu jenem Zeitpunkt 18 Jahre alt und stand beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Und an diesem Tag hat er sein erstes Pflichtspiel für die Profis absolviert - nicht gegen irgendeinen Gegner, nicht in irgendeinem Wettbewerb, nicht in irgendeinem Stadion. Gegen den FC Barcelona, in der Champions League, im Estadio Nou Camp.

"Es kann wohl keinen schöneren Ort geben, um sein Debüt im Profibereich zu feiern", sagt Fischer rückblickend. "Das war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl und ist nach wie vor eine schöne Erinnerung, auch wenn wir damals das Spiel verloren haben." 1:3 war letztlich der Endstand. Der Angreifer war in der 72. Minute für Ciprian Marica in die Begegnung gekommen: "Vorher die Hymne, schon das hat bei mir Gänsehaut ausgelöst, gerade weil es ja meine Premiere war", sagt er. "Als ich dann eingewechselt wurde, wollte ich natürlich der Mannschaft helfen und auch Spaß haben."

Tor beim Bundesligadebüt

Vergangenheit. Am Samstag (ab 14 Uhr) spielt Manuel Fischer mit der SpVgg Unterhaching gegen Rot-Weiß Erfurt, bei einem Heimsieg könnte die Tabellenführung herausspringen, wenn die anderen Klubs mitspielen. 3. Liga statt Champions League: Was ist da passiert?

Schließlich legte das Talent auch in der Bundesliga einen tollen Start hin, ein Tor im ersten Spiel, die Vorschusslorbeeren waren riesig. Zwei Jahre zuvor war er bereits mit Gerd Müller verglichen worden. Aber kann ein damals 16-Jähriger damit überhaupt umgehen?

"Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber zu jenem Zeitpunkt nie wirklich Gedanken gemacht, sondern einfach nur versucht, in jedem Spiel mein Bestes zu geben", sagt Fischer heute. "Mich haben solche Vergleiche nicht interessiert, stattdessen war für mich viel wichtiger, meine eigenen Ziele zu erreichen."

Mehrere Verletzungen verhindern den Durchbruch

Aber dabei geriet er trotz toller Ansätze schnell in die Sackgasse. Eine Verletzung folgte der nächsten. Der Durchbruch in Stuttgart gelang nicht. Der steile Aufstieg war nicht nur gestoppt, es ging rasant abwärts. "Ein Innenbandanriss im Knie hat mich zurückgeworfen", so Fischer. "Außerdem war ich sicherlich auch etwas zu ungeduldig, und die letzte Rückdeckung der Verantwortlichen hat gefehlt."

Oder war der Druck einfach zu groß? "Nein, das war nicht der Fall", sagt er mit Nachdruck. "Ich habe damals bei meinen Einsätzen in der Bundesliga gezeigt, dass ich mit Druck umgehen kann und da war, als ich gebraucht wurde. Im Fußball muss man sich immer mit Drucksituationen auseinandersetzen, das gehört einfach dazu."

Reise durch halb Deutschland

Es begann eine Reise durch halb Deutschland. Erst Koblenz, dann zurück nach Stuttgart, in die zweite Mannschaft. Von dort zu Wacker Burghausen, weiter zum 1. FC Heidenheim, zweite Mannschaft, sechste Liga, der Tiefpunkt und Neuanfang zugleich. Und prompt musste er Überschriften über sich lesen wie "Von der Champions League in die sechste Liga".

Solche Schlagzeilen findet Fischer noch heute ungerecht: "Viele kennen die Zusammenhänge einfach nicht. Leider hatte ich einige schwere Verletzungen, und da ist dann auch Zeit und Geduld nötig, um sich wieder heranzuarbeiten. Für mich war es daher nach der Reha sehr wichtig, wieder Spielpraxis zu sammeln und körperlich auf ein gutes Niveau zu kommen."

"Sorgen um meine Karriere hatte ich nicht"

Das ist ihm gelungen, und er hat einiges gelernt in dieser schweren Zeit. "Ich habe feststellen müssen, dass man sich für Erfolge aus der Vergangenheit nichts kaufen kann. All das ist nicht wichtig, denn man muss sich jeden Tag neu beweisen und hart für den Erfolg arbeiten", erklärt der heute 23-Jährige.

Aber er hat immer an sich geglaubt, auch in den dunkelsten Stunden: "Natürlich macht man sich in solch einer Phase seine Gedanken. Sorgen um meine Karriere hatte ich jedoch nicht. Nach meiner Meniskusverletzung war im letzten Herbst aber dann der beste Zeitpunkt, um direkt auch mein Kreuzband zu erneuern. Das hatte ich mir bereits im Alter von 14 Jahren gerissen und dann bis zuletzt ohne weiter gespielt. Mir war jedoch absolut bewusst, dass der Weg zurück nicht einfach wird. Ich habe mich aber von Rückschlägen nicht umwerfen lassen und bin am Ende dafür belohnt worden. Ich fühle mich jetzt wieder angekommen und auf dem richtigen Weg."

Guter Start in Unterhaching - in jeder Hinsicht

Es folgte noch ein Jahr in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, und nun ist Fischer bei der SpVgg Unterhaching gelandet, 3. Liga, dritter Platz. "Wir haben einen richtig guten Start hingelegt und gezeigt, dass wir trotz unserer jungen Mannschaft guten und erfolgreichen Fußball spielen können", sagt der gebürtige Aalener. "Unsere Truppe hat Qualität, dazu können wir das Konzept unserer Trainer Claus Schromm und Manuel Baum bislang sehr gut umsetzen. Natürlich dürfen wir jetzt nicht nachlassen, sondern müssen genau so konzentriert und engagiert weiterarbeiten."

Am Samstag (ab 14 Uhr) geht es im eigenen Stadion gegen Rot-Weiß Erfurt, Tabellenvorletzter. Unterschätzen werden die Unterhachinger den Gegner aber nicht. "Unser vorrangiges Ziel in dieser Saison ist es, so schnell wie möglich 45 Punkte zu holen und damit die Klasse zu halten", betont Fischer. "Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, der mit viel harter Arbeit verbunden ist. Alles was über die angegebene Punkteanzahl hinausgeht, ist eine Zugabe."

In Unterhaching gibt es eine Perspektive

Seinen Wechsel nach Unterhaching hat er bislang zu keinem Zeitpunkt bereut. Das Konzept überzeugt, hier fühlt es sich wohl, hier gibt es eine Perspektive, hier wird er unterstützt, hier kann er wieder seinen Teil zum Gesamterfolg beitragen. Und mit seiner individuellen Klasse kann er an guten Tagen den Unterschied ausmachen. "Die Liga ist insgesamt sehr ausgeglichen, man muss in jedem Spiel an die Grenzen gehen, um etwas Zählbares mitzunehmen", sagt der ehemalige U 17-Nationalspieler. "Zudem werden viele Partien erst in der Schlussviertelstunde entschieden, wenn es eine Mannschaft schafft, noch einmal eine Schippe draufzulegen."

Und was erhofft sich Manuel Fischer von der Zukunft? Er ist bescheiden geworden. Wer so viele Höhen und Tiefen erlebt hat, kann auch den Moment mal genießen. Besonders dann, wenn es wieder aufwärts geht: "Das Wichtigste ist, dass ich gesund und von weiteren schweren Verletzungen verschont bleibe. Ansonsten möchte ich natürlich mit konstant guten Leistungen weiter auf mich aufmerksam machen. Der Fußball ist sehr schnelllebig, und daher beschäftige ich mich nicht damit, ob zum Beispiel eine Rückkehr in die Bundesliga realistisch ist. Meine ganze Konzentration gilt der SpVgg Unterhaching, alles andere lasse ich einfach auf mich zukommen."

In der Münchner Vorstadt ist Manuel Fischer ein Teil des Ganzen, hier ist er nicht der ehemalige Champions-League-Spieler, der abgestürzte Hoffnungsträger. Hier ist er einfach nur ein Stürmer, der in dieser Saison bislang dreimal getroffen hat. Hier ist Manuel Fischer einfach nur Manuel Fischer.

Das meinen DFB-User

Schöner Artikel und eine interessante und harte Laufbahn. Respekt, dass Sie sich wieder nach oben arbeiten. Alles Gute! (Leyla Fuchs)

[sw]

[bild1]

Es kann ein ehemaliger Nationalspieler sein. Oder ein Talent. Oder ein Trainer. Oder ein Urgestein. Die 3. Liga hat in ihrer fünften Saison eine Menge Charakterköpfe zu bieten, Figuren und Protagonisten, die ihren Vereinen und der Liga Profil verleihen. Sie sind die "Gesichter der 3. Liga". DFB.de stellt sie jeden Freitag in seiner neuen Serie vor. Heute: Unterhachings Stürmer Manuel Fischer.

Den 12. Dezember 2007 wird Manuel Fischer nicht mehr vergessen, nie mehr. Es war ein Mittwoch, knapp zwei Wochen noch bis Weihnachten, das Wetter war in Ordnung, recht mild für die Jahreszeit. Aber das alles waren nur Randerscheinungen. Für Fischer hat dieses Datum aus einem ganz anderen Grund eine solch immense Bedeutung. Der Stürmer war zu jenem Zeitpunkt 18 Jahre alt und stand beim VfB Stuttgart unter Vertrag. Und an diesem Tag hat er sein erstes Pflichtspiel für die Profis absolviert - nicht gegen irgendeinen Gegner, nicht in irgendeinem Wettbewerb, nicht in irgendeinem Stadion. Gegen den FC Barcelona, in der Champions League, im Estadio Nou Camp.

"Es kann wohl keinen schöneren Ort geben, um sein Debüt im Profibereich zu feiern", sagt Fischer rückblickend. "Das war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl und ist nach wie vor eine schöne Erinnerung, auch wenn wir damals das Spiel verloren haben." 1:3 war letztlich der Endstand. Der Angreifer war in der 72. Minute für Ciprian Marica in die Begegnung gekommen: "Vorher die Hymne, schon das hat bei mir Gänsehaut ausgelöst, gerade weil es ja meine Premiere war", sagt er. "Als ich dann eingewechselt wurde, wollte ich natürlich der Mannschaft helfen und auch Spaß haben."

Tor beim Bundesligadebüt

Vergangenheit. Am Samstag (ab 14 Uhr) spielt Manuel Fischer mit der SpVgg Unterhaching gegen Rot-Weiß Erfurt, bei einem Heimsieg könnte die Tabellenführung herausspringen, wenn die anderen Klubs mitspielen. 3. Liga statt Champions League: Was ist da passiert?

Schließlich legte das Talent auch in der Bundesliga einen tollen Start hin, ein Tor im ersten Spiel, die Vorschusslorbeeren waren riesig. Zwei Jahre zuvor war er bereits mit Gerd Müller verglichen worden. Aber kann ein damals 16-Jähriger damit überhaupt umgehen?

"Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber zu jenem Zeitpunkt nie wirklich Gedanken gemacht, sondern einfach nur versucht, in jedem Spiel mein Bestes zu geben", sagt Fischer heute. "Mich haben solche Vergleiche nicht interessiert, stattdessen war für mich viel wichtiger, meine eigenen Ziele zu erreichen."

Mehrere Verletzungen verhindern den Durchbruch

Aber dabei geriet er trotz toller Ansätze schnell in die Sackgasse. Eine Verletzung folgte der nächsten. Der Durchbruch in Stuttgart gelang nicht. Der steile Aufstieg war nicht nur gestoppt, es ging rasant abwärts. "Ein Innenbandanriss im Knie hat mich zurückgeworfen", so Fischer. "Außerdem war ich sicherlich auch etwas zu ungeduldig, und die letzte Rückdeckung der Verantwortlichen hat gefehlt."

Oder war der Druck einfach zu groß? "Nein, das war nicht der Fall", sagt er mit Nachdruck. "Ich habe damals bei meinen Einsätzen in der Bundesliga gezeigt, dass ich mit Druck umgehen kann und da war, als ich gebraucht wurde. Im Fußball muss man sich immer mit Drucksituationen auseinandersetzen, das gehört einfach dazu."

Reise durch halb Deutschland

Es begann eine Reise durch halb Deutschland. Erst Koblenz, dann zurück nach Stuttgart, in die zweite Mannschaft. Von dort zu Wacker Burghausen, weiter zum 1. FC Heidenheim, zweite Mannschaft, sechste Liga, der Tiefpunkt und Neuanfang zugleich. Und prompt musste er Überschriften über sich lesen wie "Von der Champions League in die sechste Liga".

Solche Schlagzeilen findet Fischer noch heute ungerecht: "Viele kennen die Zusammenhänge einfach nicht. Leider hatte ich einige schwere Verletzungen, und da ist dann auch Zeit und Geduld nötig, um sich wieder heranzuarbeiten. Für mich war es daher nach der Reha sehr wichtig, wieder Spielpraxis zu sammeln und körperlich auf ein gutes Niveau zu kommen."

"Sorgen um meine Karriere hatte ich nicht"

Das ist ihm gelungen, und er hat einiges gelernt in dieser schweren Zeit. "Ich habe feststellen müssen, dass man sich für Erfolge aus der Vergangenheit nichts kaufen kann. All das ist nicht wichtig, denn man muss sich jeden Tag neu beweisen und hart für den Erfolg arbeiten", erklärt der heute 23-Jährige.

Aber er hat immer an sich geglaubt, auch in den dunkelsten Stunden: "Natürlich macht man sich in solch einer Phase seine Gedanken. Sorgen um meine Karriere hatte ich jedoch nicht. Nach meiner Meniskusverletzung war im letzten Herbst aber dann der beste Zeitpunkt, um direkt auch mein Kreuzband zu erneuern. Das hatte ich mir bereits im Alter von 14 Jahren gerissen und dann bis zuletzt ohne weiter gespielt. Mir war jedoch absolut bewusst, dass der Weg zurück nicht einfach wird. Ich habe mich aber von Rückschlägen nicht umwerfen lassen und bin am Ende dafür belohnt worden. Ich fühle mich jetzt wieder angekommen und auf dem richtigen Weg."

Guter Start in Unterhaching - in jeder Hinsicht

Es folgte noch ein Jahr in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, und nun ist Fischer bei der SpVgg Unterhaching gelandet, 3. Liga, dritter Platz. "Wir haben einen richtig guten Start hingelegt und gezeigt, dass wir trotz unserer jungen Mannschaft guten und erfolgreichen Fußball spielen können", sagt der gebürtige Aalener. "Unsere Truppe hat Qualität, dazu können wir das Konzept unserer Trainer Claus Schromm und Manuel Baum bislang sehr gut umsetzen. Natürlich dürfen wir jetzt nicht nachlassen, sondern müssen genau so konzentriert und engagiert weiterarbeiten."

Am Samstag (ab 14 Uhr) geht es im eigenen Stadion gegen Rot-Weiß Erfurt, Tabellenvorletzter. Unterschätzen werden die Unterhachinger den Gegner aber nicht. "Unser vorrangiges Ziel in dieser Saison ist es, so schnell wie möglich 45 Punkte zu holen und damit die Klasse zu halten", betont Fischer. "Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg, der mit viel harter Arbeit verbunden ist. Alles was über die angegebene Punkteanzahl hinausgeht, ist eine Zugabe."

[bild2]

In Unterhaching gibt es eine Perspektive

Seinen Wechsel nach Unterhaching hat er bislang zu keinem Zeitpunkt bereut. Das Konzept überzeugt, hier fühlt es sich wohl, hier gibt es eine Perspektive, hier wird er unterstützt, hier kann er wieder seinen Teil zum Gesamterfolg beitragen. Und mit seiner individuellen Klasse kann er an guten Tagen den Unterschied ausmachen. "Die Liga ist insgesamt sehr ausgeglichen, man muss in jedem Spiel an die Grenzen gehen, um etwas Zählbares mitzunehmen", sagt der ehemalige U 17-Nationalspieler. "Zudem werden viele Partien erst in der Schlussviertelstunde entschieden, wenn es eine Mannschaft schafft, noch einmal eine Schippe draufzulegen."

Und was erhofft sich Manuel Fischer von der Zukunft? Er ist bescheiden geworden. Wer so viele Höhen und Tiefen erlebt hat, kann auch den Moment mal genießen. Besonders dann, wenn es wieder aufwärts geht: "Das Wichtigste ist, dass ich gesund und von weiteren schweren Verletzungen verschont bleibe. Ansonsten möchte ich natürlich mit konstant guten Leistungen weiter auf mich aufmerksam machen. Der Fußball ist sehr schnelllebig, und daher beschäftige ich mich nicht damit, ob zum Beispiel eine Rückkehr in die Bundesliga realistisch ist. Meine ganze Konzentration gilt der SpVgg Unterhaching, alles andere lasse ich einfach auf mich zukommen."

In der Münchner Vorstadt ist Manuel Fischer ein Teil des Ganzen, hier ist er nicht der ehemalige Champions-League-Spieler, der abgestürzte Hoffnungsträger. Hier ist er einfach nur ein Stürmer, der in dieser Saison bislang dreimal getroffen hat. Hier ist Manuel Fischer einfach nur Manuel Fischer.

Das meinen DFB-User

Schöner Artikel und eine interessante und harte Laufbahn. Respekt, dass Sie sich wieder nach oben arbeiten. Alles Gute! (Leyla Fuchs)