3. Liga

VfB-Newcomer Noah Darvich: "Said El Mala hat gut vorgelegt"

25.05.2026
"Newcomer des Jahres" Noah Darvich: "Ich traue mir definitiv viel zu" Foto: picture alliance/DFB

Als Kapitän der deutschen U 17-Nationalmannschaft war er schon Welt- und Europameister. Jetzt wurde Noah Darvich, Leistungsträger beim VfB Stuttgart II, zum Newcomer der Saison in der 3. Liga gewählt. Im DFB.de-Interview spricht der 19 Jahre alte Junioren-Nationalspieler mit Mitarbeiter Ralf Debat über die dritthöchste deutsche Spielklasse, die persönliche Auszeichnung und Vorgänger Said El Mala.

DFB.de: Hallo Noah! Welche Bedeutung hat es für Dich, als Newcomer der Saison in der 3. Liga geehrt zu werden?

Noah Darvich: Das ist eine schöne Auszeichnung, mit der die gezeigten Leistungen einer gesamten Saison anerkannt werden. Ein persönlicher Award ist aber nur möglich, wenn auch die gesamte Mannschaft funktioniert. Deshalb möchte ich mich an dieser Stelle bei meinen Mitspielern und Trainern bedanken.

DFB.de: Die Vorauswahl treffen die Trainer und Kapitäne der anderen Drittligisten. Anschließend folgt das Fanvoting. Hat die Ehrung daher einen noch größeren Stellenwert?

Darvich: Absolut. Die Spieler und Trainer der anderen Klubs können gut einschätzen, wieviel Arbeit dahintersteckt. Deshalb hat mich schon die Nominierung sehr gefreut. Dann auch von den Fans gewählt zu werden, ist eine tolle Sache.

DFB.de: Gesucht wurde bei der Wahl der auffälligste junge Spieler im U 21-Alter, der aktuell in der 3. Liga am Ball ist. Erkennst Du Dich darin wieder?

Darvich: Zehn Tore und sechs Vorlagen sind sicherlich keine schlechte Quote. Aber wie gesagt: Ohne meine Teamkollegen wäre das nicht möglich gewesen.

DFB.de: Es war Deine erste Saison in der 3. Liga. Wie würdest Du die Spielklasse und ihre Anforderungen beschreiben?

Darvich: Es ist eine besonders intensive Liga, in der sehr körperbetont gespielt wird. Man trifft auf viele Traditionsvereine mit großen Stadien und zahlreichen Fans. Es hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht.

DFB.de: Was hat Dich überrascht?

Darvich: Ich würde jetzt nicht sagen, dass mich etwas extrem überrascht hat. Aber Spiele wie auf dem Aachener Tivoli oder in Rostock waren schon echte Highlights.

DFB.de: In welchen Bereichen hast Du bei dir persönlich die größten Entwicklungsschritte bemerkt?

Darvich: Was meine Ausbeute an Scorerpunkten angeht, kann ich ganz zufrieden sein. Speziell in der Rückrunde habe ich mich auch noch einmal gesteigert.

DFB.de: In welchen Bereichen musst Du Dich noch steigern?

Darvich: Grundsätzlich gibt es in sämtlichen Bereichen immer die Möglichkeit, weiter an sich zu arbeiten und sich zu verbessern. Ich habe beispielsweise noch einige Chancen liegen gelassen. Da kann ich mit Sicherheit noch effektiver werden.

DFB.de: Der VfB Stuttgart II schaffte erneut souverän den Klassenverbleib. Wie zufrieden bist Du mit dem Saisonverlauf des Teams?

Darvich: Dass es bei einer so jungen Mannschaft auch immer wieder Höhen und Tiefen gibt, ist normal. Umso beachtlicher ist es, dass wir - vom ersten Spieltag einmal abgesehen - nie unter dem Strich standen und uns in den zurückliegenden Monaten immer ein komfortables Polster auf die Gefahrenzone aufbauen konnten.

DFB.de: Dein Vorgänger als Newcomer der Saison war Said El Mala, der anschließend in der Bundesliga beim 1. FC Köln durchstartete und zwischenzeitlich sogar schon zum Kader der A-Nationalmannschaft gehörte. Wie hast Du seinen Weg verfolgt?

Darvich: Wir kennen uns schon seit einigen Jahren, da wir gemeinsam für die DFB-Teams gespielt haben. Daher freut es mich sehr, wie er sich entwickelt hat. Er hat auf jeden Fall gut vorgelegt, denke ich. (lacht)

DFB.de: Schon zuvor waren zahlreiche spätere Nationalspieler den Weg über die 3. Liga gegangen, beispielsweise auch Thomas Müller, Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Nick Woltemade oder nicht zuletzt auch Deniz Undav, Dein aktueller Teamkollege bei den VfB-Profis. Traust Du Dir das auch zu?

Darvich: Ich traue mir definitiv viel zu. Ich weiß aber auch, dass noch ein weiter Weg und viel Arbeit vor mir liegt.

DFB.de: Du gehörst beim VfB zum Profikader, trainierst also so gut wie gar nicht bei der zweiten Mannschaft. Warum funktioniert das Zusammenspiel dennoch so gut?

Darvich: Wir haben in der U 21 beim VfB viele gute Spieler im Team, die nicht lange benötigen, um sich aneinander zu gewöhnen. Von Spiel zu Spiel hat es besser geklappt, weil die Jungs schnell wussten, wie sie mich am besten einsetzen können.

DFB.de: Mit der deutschen U 17-Nationalmannschaft wurdest Du als Kapitän Welt- und Europameister. Sorgen diese Titel für eine besondere Erwartungshaltung?

Darvich: Nicht unbedingt. Vor etwas mehr als einem Jahr stand ich aber beispielsweise im Halbfinale der Champions League bei Inter Mailand im Kader des FC Barcelona. Dadurch wird die Aufmerksamkeit automatisch größer. Das belastet mich aber nicht. Die größte Erwartung habe ich schließlich ohnehin an mich selbst.

DFB.de: Noch nicht viele Spieler des Weltmeisterteams haben sich in der Bundesliga etabliert. Hast Du eine Erklärung dafür?

Darvich: Das ist nicht leicht zu beantworten. Finn Jeltsch spielt bei uns regelmäßig, Assan Ouédraogo hat in Leipzig den Durchbruch geschafft. Max Moerstedt wird in Hoffenheim häufig eingewechselt. Insgesamt ist es aber schon richtig, dass viele Jungs einen Umweg über tiefere Ligen gehen müssen. Persönlich würde ich mir schon wünschen, dass junge Spieler im Deutschland mehr Einsatzzeiten auf höchstem Niveau bekommen. Ich habe es selbst in Spanien erlebt, dass deutlich schneller auf Talente gesetzt wird.

DFB.de: Dein Vater Boris ist seit vielen Jahren als Nachwuchstrainer tätig. Ist er Dein größter Förderer oder Kritiker?

Darvich: Sowohl als auch. Wir sind nahezu täglich im Austausch, er gibt mir oft wertvolle Hinweise. Ich habe ihm auf jeden Fall nicht nur als Mensch, sondern auch als Fußballer sehr viel zu verdanken.

Kategorien: 3. Liga

Autor: mspw