3. Liga

Frymuth: "3. Liga macht auch für die Zukunft Appetit"

27.01.2026
Peter Frymuth: "Die 3. Liga steht längst auf sehr gesunden, soliden Beinen" Foto: Thomas Böcker/DFB

Peter Frymuth ist als DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung zuständig für die 3. Liga. Dem DFB-Präsidium gehört der 69-Jährige aus Düsseldorf seit 2013 an. Im DFB.de-Interview blickt Frymuth auf ein Jahr der Rekorde, nachhaltige Verbesserungen, die gestärkte wirtschaftliche Stabilität der 3. Liga und deren geschärfte Rolle in der Entwicklung von Talenten im deutschen Fußball.

DFB.de: Herr Frymuth, die 3. Liga hat in der Saison 2024/2025 international Maßstäbe gesetzt. Fast 4,4 Millionen Fans in den Stadien, mehr als 11.500 Zuschauer*innen im Schnitt - damit konnte kein anderes Land mithalten. Selbst unter allen zweiten Ligen hatten nur die 2. Bundesliga, England, Spanien einen höheren Besucherzuspruch als die 3. Liga. Müssen Sie sich kneifen, wenn Sie auf die Entwicklung der vergangenen Jahre schauen?

Peter Frymuth: Manchmal schon. (lacht) Bemerkenswert ist vor allem, dass wir seit Ende der Corona-Pandemie durchgehend steigende Zahlen haben - auch bei den Umsätzen und Erlösen der Klubs. Daran sieht man, dass die Entwicklung nachhaltig ist. Die 3. Liga kommt atmosphärisch sehr gut rüber, im Stadion, aber auch im Fernsehen. Man bekommt als Fan tolle Eindrücke. Am Ende macht es die Mischung der Klubs, wir haben viele hochinteressante Duelle. Hinzu kommt die ständige Spannung, weil die Liga sportlich so unberechenbar ist - wenn auch manchmal zum Leid der Vereine, weil das die Planbarkeit nicht erleichtert. Aber all diese Aspekte machen den grundsätzlichen Erfolg der 3. Liga aus.

DFB.de: Gibt es noch andere Parameter, die aus Ihrer Sicht eine entscheidende Rolle spielen?

Frymuth: Ganz wichtig ist die wirtschaftliche Stabilität. Hier haben wir in gemeinsamer Arbeit mit den Vereinen in den vergangenen Jahren die größten Schritte nach vorne gemacht. Das ist ein entscheidendes Pfund, diese Stabilität muss weiter ein zentraler Punkt sein.

DFB.de: Wie zuversichtlich sind Sie, dass es so bleibt?

Frymuth: Die wirtschaftliche Einsicht - man kann es auch Vernunft nennen, hat in den Klubs stetig zugenommen. Natürlich kann es vereinzelt mal ruckeln, weil bei einem Verein eine besondere, nicht planbare Situation eintritt. Davor sind wir nie ganz gefeit. Aber je besser die Grundlage ist, umso eher kann ein Klub so etwas im Laufe einer Saison verkraften. Insgesamt ist es auf jeden Fall viel ruhiger geworden, die 3. Liga steht längst auf sehr gesunden, soliden Beinen. Dazu trägt auch die etablierte Struktur der Liga maßgeblich bei. Das war im Übrigen eine der wichtigsten und einhelligsten Erkenntnisse der Task Force "Wirtschaftliche Stabilität 3. Liga", in der neben Klub- und Verbandsvertretern auch Partner und externe Experten vertreten waren: Die 3. Liga ist als eingleisige Profiliga mit 20 Mannschaften gut aufgestellt und sollte in dieser Struktur weiter Bestand haben, damit sie stabil und erfolgreich bleiben kann.

DFB.de: Sie wissen aus eigener Erfahrung bei Fortuna Düsseldorf, wie es ist, Vereinsvorstand zu sein. Wie sehr hilft Ihnen diese Perspektive in Ihrer jetzigen Rolle?

Frymuth: Ich kann eine Menge Argumente von Vereinen nachvollziehen, beispielsweise wenn es um die Kostensituation geht oder wie dynamisch sich ein Budget entwickeln kann. Ich habe auch Verständnis für die Wünsche und auch einige Forderungen an den DFB. Aber nicht für alle. (schmunzelt) Klar ist für mich, dass es weiterhin nur gemeinsam geht. So ist es das gemeinsame Ziel, die Vermarktungserlöse weiterzuentwickeln und auch den Nachwuchsfördertopf. Da sehe ich uns auf einem guten Weg, vor allem beim Nachwuchsfördertopf.

DFB.de: Die Drittligisten haben erstmals mehr als 300 Millionen Euro in einer Saison erlöst - obwohl in der vergangenen Saison drei zweite Mannschaften vertreten waren und daher nur 17 Klubs in diese Berechnung eingeflossen sind. Was sagt das für Sie aus?

Frymuth: Das unterstreicht die angesprochene Entwicklung. Der positive Trend hat sich verstetigt, die Klubs leisten hier hervorragende Arbeit. Eine Umsatzsteigerung allein bedeutet aber nicht automatisch wirtschaftliche Stabilität. Dazu gehört auch, dass man mit den erhöhten Umsätzen zielführend und verantwortungsvoll umgeht. Das ist in den vergangenen Jahren deutlich besser gelungen. Darum steht die 3. Liga sehr gut da. Die intensive Zusammenarbeit zwischen DFB und Klubs hat da Früchte getragen. Was ich besonders schätze, ist die offene Diskussionskultur untereinander. Gelegentlich geht es auch kontrovers zu, aber am Ende führt es in der Regel zu zielführenden Ergebnissen.

DFB.de: Positiv ist die Entwicklung auch beim Eigenkapital. In der Saison 2022/2023 hatten acht Klubs ein positives Eigenkapital, 2023/2024 waren es zehn Klubs, jetzt sind es 12 von 17.

Frymuth: Ein ganz wichtiger Punkt. Da spielen die oft ungeliebten Rahmenbedingungen im Zulassungsverfahren eine tragende Rolle. Die dortigen Anpassungen aus den vergangenen Jahren haben sich zweifellos ausgezahlt. Bemerkenswert ist ja, dass die Veränderungen und zum Teil Verschärfungen nicht einfach von oben aufgezwungen wurden, sondern gemeinsam mit den Klubs erarbeitet wurden. Die Arbeit in der damaligen Task Force "Wirtschaftliche Stabilität 3. Liga" hat die Grundlage gelegt, zusammen einen konsequenteren Weg einzuschlagen. Das ist für uns aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Wir arbeiten mit dem Ausschuss 3. Liga weiter daran, die Kriterien im Zulassungsverfahren sinnvoll zu verfeinern.

DFB.de: Im Laufe des Jahres 2026 steht die nächste Medienrechte-Ausschreibung an. Der aktuelle TV-Vertrag läuft nach der Saison 2026/2027 aus. Wie sehen Sie die 3. Liga für die nächste Periode aufgestellt?

Frymuth: Nach den positiven Ergebnissen der letzten Ausschreibung, die eine spürbare Steigerung gebracht hatte, hat sich die 3. Liga weiter positiv entwickelt. Das sieht man an der Qualität der Übertragungen und den besonderen Einblicken, die im Zusammenspiel zwischen Klubs und TV-Partnern immer wieder geboten werden. Beispiele aus der Vorsaison sind hier die Einsätze mit der RefCam oder dass mit Olaf Janßen erstmals ein Trainer im deutschen Profifußball während eines Ligaspiels verkabelt wurde. Aus meiner Sicht macht die 3. Liga auch für die Zukunft Appetit.

DFB.de: Zur Attraktivität einer Liga tragen auch immer wieder frische Gesichter bei. Nach Nick Woltemade hat die 3. Liga mit Said El Mala bereits den nächsten Senkrechtstarter geformt und hervorgebracht. Welchen Wert hat die 3. Liga in der Talentförderung

Frymuth: Die genannten Beispiele machen deutlich, dass die Rahmenbedingungen für Spieler in der 3. Liga sehr, sehr gut geeignet sind, um sich zu entwickeln und einen ersten Reifeprozess zu durchlaufen. Junge Spieler können hier einen nächsten, großen Schritt gehen - von der U 19 in ein Umfeld, eine Atmosphäre, einen Wettbewerb, in dem sie eine ganz andere Intensität erleben und neue Erfahrungen machen. El Mala und Woltemade sind da nur die prominentesten Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, aber bei weitem nicht die einzigen. Es gibt eine Vielzahl von Talenten, die den Sprung von der 3. Liga nach oben geschafft haben - ob in die 2. Bundesliga, Bundesliga oder auch Nationalmannschaft. Nick Woltemade hat auch mehrfach öffentlich unterstrichen, wie wertvoll die Zeit bei der SV Elversberg in der 3. Liga für ihn war. Auch in diesem Bereich hat sich die 3. Liga fest etabliert und nimmt eine wichtige Rolle im Profifußball ein.

DFB.de: Auch weil Talente dort vor allem Widerstandsfähigkeit lernen?

Frymuth: Entscheidend ist erstmal, dass die jungen Spieler Spielpraxis bekommen. Das steht in der Entwicklung an erster Stelle - unter Rahmenbedingungen, die den Spieler auch weiterbringen. Dafür ist die 3. Liga sehr gut geeignet, auch weil nicht alles Hochglanz ist und einem vielleicht nicht schon vieles abgenommen wird. Hinzu kommt, dass sich ein Drittligaspieler von Woche zu Woche zum Teil sehr unterschiedlichen Herausforderungen stellen muss. An dem einen Wochenende läuft er in einer Arena mit 25.000 Zuschauern auf, im nächsten Spiel dann in einem kleinen Stadion vor 3000, wo der Rasen darüber hinaus vielleicht nicht Champions-League-Niveau hat. Also ja, Widerstandsfähigkeit ist sicher ein wichtiger Schlüssel, zumal die Liga sportlich sehr ausgeglichen ist.

DFB.de: Die Einsatzzeiten der Spieler unter 23 Jahren haben sich in den vergangenen Jahren stetig nach oben entwickelt. Aus Ihrer Sicht ein Muss für die 3. Liga?

Frymuth: Jeder Verein hat die Möglichkeit, auch andere Wege zu wählen. Er ist nicht gezwungen, auf junge Spieler zu setzen. Wir möchten die Klubs aber zusätzlich motivieren, unter anderem über den Nachwuchsfördertopf. Ich stelle darüber hinaus fest, dass viele Vereine selbst zur Erkenntnis gekommen sind, Spieler bestmöglich zu entwickeln. Das ist auch ein Etat-Thema, daraus können später Transfererlöse erzielt werden. Dass sich die Einsatzzeiten der jungen Spieler kontinuierlich erhöht haben, ist auf jeden Fall sehr positiv zu sehen.

DFB.de: Gibt es Ansätze, dies noch weiter zu verbessern?

Frymuth: Der DFB will den Nachwuchsfördertopf weiter aufstocken und damit den Motivationsanreiz erhöhen. Darüber hinaus wollen wir Richtung Bundesliga und 2. Bundesliga verstärkt dafür werben, dass die Talentförderung in der 3. Liga stärker unterstützt wird. Wenn Spieler in der 3. Liga den nächsten Schritt machen und nach oben gehen, sollte das bestmöglich belohnt werden.

DFB.de: Wie sehen Sie den weiteren Weg der 3. Liga in der nahen Zukunft? Eher Stabilisierung oder weiteres Wachstum?

Frymuth: Es gibt Zeitpunkte, da ist Stabilisierung auf einem hohen Niveau manchmal schwieriger als man denkt. Ich glaube, wir sind aktuell in einer Situation, in der man genau schauen muss, an welchen Stellen noch signifikante Steigerungen zu erreichen sind. Bei den Zuschauerzahlen ist man immer auch von der Zusammensetzung der Liga abhängig, da war die Saison 2024/2025 schon besonders. Darum wäre in diesem Bereich nach den Aufstiegen von Schwergewichten wie Dynamo Dresden und Arminia Bielefeld eine Stabilisierung ein Erfolg. Da sind wir auf einem guten Weg. Die Gesamtzuschauerzahl in der laufenden Saison ist erwartungsgemäß etwas niedriger als in 2024/2025, dennoch ist es der zweithöchste Wert der Ligageschichte. Der Schnitt ist weiter fünfstellig. Das kann sich sehen lassen. Wichtig ist, dass die Grundrichtung stimmt. Bei den Vermarktungserlösen habe ich schon die Hoffnung, dass wir uns weiter positiv entwickeln. Ähnliches gilt für die Nachwuchsförderung.

DFB.de: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen für die Zukunft?

Frymuth: Am wichtigsten ist, gemeinsam mit den Vereinen beständig dran zu bleiben, um  die Bedeutung der Liga und ihre Wahrnehmung Stück für Stück weiter zu verbessern. Das können große, offensichtliche Themen wie die Medienrechte sein, aber auch punktuelle Verfeinerungen interner Abläufe und Rahmenbedingungen. Ich würde mich freuen, wenn es nächstes Jahr mindestens 14 Klubs mit positivem Eigenkapital sind - und wir einen guten Vertrag für die neue Medienrechte-Periode abschließen.

DFB.de: Welche Schlagzeile würden Sie gerne im Sommer 2026 über die 3. Liga lesen?

Frymuth: 3. Liga weiter in der Erfolgsspur. Das würde mir reichen.

Kategorien: 3. Liga

Autor: dfb