3. Liga

VfL-Meistertrainer Schultz: "Ich bin kein Freund von Herumgeeiere"

18.05.2026
"Im ersten Moment war es schon ein Rückschritt - aber ein bewusster": Timo Schultz in der 3. Liga Foto: picture alliance/DFB

Gleich im ersten Jahr Meister in der 3. Liga: Timo Schultz führte den VfL Osnabrück auf Anhieb zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Für diese Leistung wurde der 48 Jahre alte Ex-Profi nach einer Vorauswahl durch die Trainer und Kapitäne aller Klubs in einem Fan-Voting zum Trainer der Saison in der 3. Liga gewählt. Im DFB.de-Interview spricht Schultz über die Auszeichnung und Erfolgssaison. 

DFB.de: Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Meisterschaft und zum Aufstieg, Herr Schultz! Welche besonderen Qualitäten haben Ihr Team in die 2. Bundesliga geführt? 

Timo Schultz: Schon zu Anfang der Saison haben wir es geschafft, eine gute defensive Stabilität auf den Platz zu bekommen. Insgesamt 19 Spiele ohne Gegentor sind eine Hausnummer. Wir konnten beim Kader ein gutes Grundgerüst übernehmen. Die Jungs bringen große individuelle Qualität mit, auch bei Aspekten wie dem taktischen Verhalten und der Disziplin. Bei uns war außerdem über die gesamte Saison ein stetiger Entwicklungsprozess erkennbar. Nachdem wir uns zu Beginn noch schwergetan hatten, viele Chancen herauszuspielen und Tore zu erzielen, sind wir nach und nach auch eines der offensivstärksten Teams der Liga geworden. 

DFB.de: Sie sind erst seit dem zurückliegenden Sommer beim VfL. Zuvor waren Sie bereits beim FC St. Pauli in der 2. Bundesliga, beim 1. FC Köln in der Bundesliga und beim Schweizer Erstligisten FC Basel tätig. Was hatte Sie vom Schritt in die 3. Liga überzeugt? 

Schultz: Ganz klar: Im ersten Moment war es schon ein Rückschritt - aber ein bewusster. Ich wollte konsequent sein und lieber in einem Setting arbeiten, in dem ich mich von Anfang an voll einbringen kann. Ich habe mich nicht in der Rolle gesehen, bei einem Verein möglicherweise als Feuerwehrmann einzuspringen. 

DFB.de: Hat der mögliche Aufstieg schon zu Beginn des Engagements eine Rolle in Ihrem Kopf gespielt? 

Schultz: Mir war bewusst, dass ich mit dem VfL Osnabrück zu einem ambitionierten Verein komme. Der Klub hatte mit dem erst kurz vor Schluss geschafften Klassenverbleib eine schwierige Phase hinter sich. Dennoch war mir klar, dass mit dem Umfeld definitiv mehr möglich ist. Den Aufstieg hatten wir für den Zeitraum von zwei Jahren angepeilt. Dass es schon früher geklappt hat, ist umso schöner. 

DFB.de: Anfang Februar hatten Sie öffentlich die 2. Bundesliga als Ziel ausgegeben. Von den folgenden zwölf Begegnungen bis zum feststehenden Aufstieg wurden nur zwei nicht gewonnen. Mal ehrlich: Hätten Sie Ihrem Team einen solchen Lauf zugetraut? 

Schultz: Es wäre vermessen, die Frage mit einem klaren Ja zu beantworten. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es dem Umfeld guttut, wenn wir uns klar positionieren. Ich bin ohnehin kein Freund von Herumgeeiere. Intern war uns schon zur Winterpause bewusst, dass wir es schaffen können. Wir waren in einer guten Phase und der Überzeugung, die notwendige Power entwickeln zu können. 

DFB.de: Für das Abschneiden des Teams wurden Sie zum Trainer der Saison in der 3. Liga gewählt. Was bedeutet Ihnen das? 

Schultz: Das ist eine sehr schöne Auszeichnung, die für mich aber vor allem das Ergebnis von guter und erfolgreicher Teamarbeit ist. In Sportarten wie zum Beispiel Tennis lässt sich ein Sieg bei einem Grand Slam-Turnier mehr einer einzelnen Person zuschreiben. In der Arbeit als Trainer sind der Kader und auch das übrige Trainerteam von großer Bedeutung. Wir haben eine Situation schaffen können, in der alle Jungs jeden Tag gerne zum Training gekommen sind und fokussiert gearbeitet haben. Auch die Zusammenarbeit mit der sportlichen Führung um Joe Enochs und Daniel Latkowski sowie Geschäftsführer Michael Welling ist von großem Vertrauen geprägt. 

DFB.de: Für welchen Kollegen hatten Sie gestimmt und warum? 

Schultz: Meine Wahl fiel auf Tobias Strobl. Es hat immer Spaß gemacht, Spiele des SC Verl zu verfolgen. Beim Team ist eine klare Handschrift zu erkennen, die Spieler haben sich weiterentwickelt und auch das Coaching von Tobias während der Partien gefällt mir gut. 

DFB.de: Wer war Ihr Spieler der Saison? 

Schultz: Da hatte ich mich für Lars Gindorf entschieden. Es war beeindruckend zu sehen, wie er performt hat und in der Lage ist, dem Spiel von Alemannia Aachen seinen Stempel aufzudrücken. Unter seinen zahlreichen Treffern waren auch sehr schöne Tore dabei. Genauso gut hätte meine Stimme aber auch an Tolcay Cigerci gehen können. Letztlich konnte man da eigentlich nicht falsch liegen. Wenn es möglich gewesen wäre, auch für Spieler des eigenen Teams abzustimmen, hätte ich mich für Jannik Müller entschieden. Als Innenverteidiger steht er nicht ganz so im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Sein Stellenwert innerhalb des Teams ist aber enorm. 

DFB.de: Welche Bedeutung hat es für Sie, die Saison auch noch als Meister der 3. Liga beendet zu haben? 

Schultz: Das ist Bestätigung für all das, was wir gemacht haben. Vor einem Jahr konnten wir am 3. Mai den Nichtabstieg perfekt machen. Diesmal war es der vorzeitige Titelgewinn. Die drei Partien bis zum Saisonende als Meister bestreiten zu dürfen, war etwas Besonderes. Vor der Saison konnte man das definitiv nicht erwarten. Dass wir allein in der Rückrunde 14 Partien gewinnen konnten, ist außergewöhnlich. 

DFB.de: Worauf freuen Sie sich in der 2. Bundesliga am meisten? 

Schultz: Ich freue mich tatsächlich auch auf die Sommerpause. (lacht) In der 2. Bundesliga warten noch einmal geilere Stadien und noch anspruchsvollere Gegner auf uns. Dennoch sehe ich uns in der Lage, für Überraschungen sorgen zu können. Auch nach dem Aufstieg wollen wir mutig auftreten. 

DFB.de: Wie gut sind der Verein und das Team bereits auf die Herausforderung vorbereitet? 

Schultz: Nach dem Aufstieg gilt es, in jedem Bereich Schritte nach vorne zu machen, um nicht nur eine Saison in der 2. Bundesliga zu verbringen. Beim Kader werden wir auf den Kern der Aufstiegsmannschaft setzen. Bislang haben wir neun Jungs verabschiedet. Ich bin mir sicher, dass wir die Spieler, die noch Vertrag haben und die wir halten wollen, auch bleiben werden. Aber natürlich wollen wir auch Qualität dazubekommen. Wir haben bereits gesuchte Spielerprofile festgelegt und auch erste Gespräche geführt. 

Kategorien: 3. Liga

Autor: mspw