Talentförderung
Kai Krüger: "Im Übergangsbereich ist Spielzeit die entscheidende Währung"

Die neue Saison 2026/2027 bringt den U-Nationalmannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Weltmeisterschaften, neue Wettbewerbe und personelle Weichenstellungen. Kai Krüger, beim DFB der Leiter der Junior*innen-Nationalmannschaften, spricht im DFB.de-Interview über all das und erklärt, wie der DFB den langfristigen Weg der Spieler*innen im Blick haben und gleichzeitig Erfolge auf dieser Reise ermöglichen will.
DFB.de: Kurz vor dem Saisonstart hat der DFB die Fritz-Walter-Medaillen für die Spielzeit 2025/26 vergeben. Was zeichnet die zwölf Geehrten aus, was verbindet sie?
Kai Krüger: Das erste verbindende Element ist natürlich, dass sie sportlich herausragende individuelle Qualitäten haben. Aber darum geht es bei der Fritz-Walter-Medaille nicht ausschließlich. Es geht auch darum, dass sie für Werte stehen, dass sie Werte verkörpern und Vorbilder sind, in ihrem Jahrgang, aber auch für die Kinder, die Fußball spielen. Das sind Werte wie Teamgeist, Fairness, Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.
DFB.de: Wer entscheidet, an wen die Medaillen vergeben werden?
Krüger: Entscheidend für die Nominierung und die Ehrung sind unsere Trainer und Trainerinnen des jeweiligen Jahrgangs. Sie schlagen die Talente vor und nominieren sie. Am Ende sprechen wir gemeinsam mit Hannes Wolf, mit mir, aber auch mit Andreas Rettig über die Spielerinnen und Spieler. Unsere Trainer und Trainerinnen haben nicht nur das Vorschlagsrecht, sie treffen in der Regel auch die finale Entscheidung.
DFB.de: Einige der Geehrten waren Teil der erfolgreichen U-Teams, die in der vergangenen Saison Turniere gespielt haben. Die U 17-Juniorinnen sind Europameister geworden, die beiden U 19-Teams waren jeweils im Finale vertreten. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für dieses starke Abschneiden?
Krüger: Zuallererst die Qualität auf dem Platz. Wir hatten tolle Jungs und Mädels in unseren Reihen. Was sie zudem ausgezeichnet hat, war ein brutales Miteinander. Es waren nicht nur tolle Spielerinnen und Spieler, sondern auch die besten Mannschaften, die in den Finalspielen standen. Darin zeigt sich auch die gute Arbeit unserer Teams hinter dem Team. Gemeinsam mit unseren Trainerinnen und Trainern haben sie diese Mannschaften über einen längeren Zeitraum entwickelt und begleitet, immer mit dem Fokus auf die Einzelnen. Wenn das dann alles zusammenkommt, ist viel möglich.
DFB.de: Diese drei Teams sind in der neuen Saison eine Jahrgangsstufe weiter oben erneut am Start. Es stehen Turniere an, es stehen auch neue Wettbewerbe an in der Saison 2026/2027. Mit welchem Ziel reisen die U 17-Juniorinnen zur Weltmeisterschaft nach Marokko?
Krüger: Da freuen wir uns unheimlich, dass wir an diesem herausragenden Turnier teilnehmen können. Das ist für die Mädels sehr, sehr wertvoll, eine unheimlich wichtige Erfahrung in ihrer Karriere. Wir hoffen, dass es keine einmalige Erfahrung sein wird, aber es ist ihre erste Erfahrung bei einer Weltmeisterschaft. Das ist eine unheimliche Chance für die Weiterentwicklung jeder Einzelnen. Klar ist aber auch: Wenn wir zu einem Turnier fahren, dann wollen wir maximal erfolgreich sein. Wir werden alles reinwerfen, das ist sicher. Uns geht es nicht darum, irgendwelche Ergebnisziele zu definieren, sondern um die Entwicklungsziele jeder einzelnen Spielerinnen.
DFB.de: Das gilt auch für die Jungs. Die U 20 hat sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Wann wird das Turnier stattfinden? Bislang hält sich die FIFA bedeckt.
Krüger: Es tut mir echt leid, dass ich keine Insiderinformationen preisgeben kann. Wir wissen bisher nur, dass das Turnier in Aserbaidschan und Usbekistan stattfinden wird. Wann, wissen wir Stand heute nicht. Es gibt ja Optionen, die in der Vergangenheit noch nicht der Fall gewesen sind: im Mai oder Juni 2027. Es kann auch sein, dass es im September und Oktober stattfinden wird. Dann wäre der Vorteil der langen FIFA-Abstellperiode gegeben, die wir dieses Jahr zum ersten Mal haben, dass wir diese nutzen könnten. Am Ende wird uns die FIFA informieren, wann wir da sein sollen. Und wir werden da sein und wir werden bereit sein.
DFB.de: In der neuen U 21-Liga sind die ersten Partien absolviert. Wie blicken Sie darauf?
Krüger: Total positiv. Der Wettbewerb ist über die die Expertgruppe der Bundesliga entstanden. Andreas Rettig war für den DFB in dieser Runde vertreten und federführend in die Erarbeitung involviert. Dabei konnte er auf unsere inhaltliche Expertise im Hintergrund zählen. Von daher ist es ein Gemeinschaftswerk des deutschen Fußballs, was wir in dieser Liga sehen. Wir stehen ihr absolut positiv gegenüber, weil das erste vorrangige Ziel ist, zusätzliche Spielminuten im Übergangsbereich zu schaffen. Wir schaffen nicht nur Minuten im Übergangsbereich, die die Talente sammeln können, sondern schaffen diese Möglichkeit auf einem extrem hohen Niveau. Das ist eine wertvolle Ergänzung für unsere Spieler im Übergangsbereich. Die Jungs, die schon in der Bundesliga oder in der 2. Liga aktiv sind und auf Minuten kommen, werden dort nicht eingesetzt werden. Aber die Jungs, die vielleicht im Spieltagskader stehen und deswegen nicht in einer Zweitvertretung Minuten sammeln können, werden dort die Chance bekommen. Spielzeit im Übergangsbereich ist die entscheidende Währung. Dort gibt es die Möglichkeit, diese zu sammeln.
DFB.de: Mehr Spielminuten sollen in Deutschland ausgebildete Spieler auch durch Training nach den Prinzipien der Trainingsphilosophie Deutschland erhalten. Wie blicken Sie auf das Voranschreiten dieser Entwicklung?
Krüger: Vor drei Jahren hätte man sich kaum vorstellen können, wie diese Konzeption, wie die Trainingsphilosophie Deutschland, durch die Decke geht. Es ist unheimlich schön zu sehen, wie eine gemeinsame Identität im deutschen Fußball entstanden ist und dass wir alle über gleiche Dinge im Training sprechen, dass wir über gleiche Schwerpunkte sprechen. Dass es wichtig ist, individuelle Qualität in den Vordergrund zu stellen und diese Entwicklung über den gesamten Lebensweg zu gewährleisten. Denn Qualität ist die Basis für den Weg in die Spitze! Diese Themen in dieser Kontinuität, in dieser Intensität, zu verfolgen ist extrem wichtig.
DFB.de: Ein weiteres großes Thema ist die Arbeit mit Spielern, die doppelte Staatsbürgerschaften besitzen. Mit Louey Ben Farhat wurde ein Spieler für die U 21 nominiert, der bislang nicht für deutsche U-Teams aufgelaufen ist. Wie arbeitet der DFB an diesem Thema?
Krüger: Lou ist nur ein positives Beispiel von vielen. Medial heißt es manchmal, dass wir diesen und jenen Spieler verloren haben - dabei gewinnen wir auch unheimlich viele für uns. Lou hat seine Entwicklung von Beginn an im deutschen System des Nachwuchsfußballs genommen. Deswegen sind wir unheimlich stolz darauf, dass er am Ende jetzt auch für unsere U 21 spielt. Generell ist es ein unheimlich komplexes Thema. Wir wollen die Jungs wie auch die Mädels frühzeitig erkennen, die ihren Weg gehen können. Wir wissen aber auch, dass Talententwicklung kein linearer Aufstieg ist, sondern dass sie sich mit Aufs und Abs entwickelt. Im zweiten Schritt geht es darum, die Jungs und Mädels zu gewinnen, eine Bindung zu ihnen aufzubauen und sie zu emotionalisieren. Es ist eine unserer Kernaufgaben, ihnen aufzuzeigen, dass sie sich bei uns bestmöglich in ihrer individuellen Qualität entwickeln können. Uns ist wichtig, dass wir Spieler*innen nicht überreden müssen, für Deutschland zu spielen.
DFB.de: Weitere Personalthemen gibt es in den Trainerteams. Wo unterscheiden sie sich in der Zusammenstellung gegenüber der vergangenen Saison?
Krüger: Ich bin sehr, sehr froh, dass die Kontinuität, die wir in unseren Teams haben, auch über diesen Sommer angehalten hat. Wir sind davon überzeugt, dass Kontinuität die Basis für Entwicklung ist. Deswegen investieren wir sehr viel, um die richtigen Trainer*innen ins System zu holen. Wenn wir sie bei uns haben, sollen sie auch Perspektive haben und Freude daran, lange bei uns zu bleiben. Das bedeutet nicht, dass es unterwegs immer mal zu Veränderungen kommen kann, so auch in diesem Sommer. Im Team von Christian Wörns wird Markus Reiter nach dem Sommer nicht mehr für die Nationalmannschaften tätig sein können. Das liegt vor allem darin begründet, dass er bei uns auch in der Pro Lizenz-Ausbildung arbeitet. Das ist seine Kernaufgabe. Nach zwei Jahren müssen wir uns eingestehen, dass es eine unheimliche Herausforderung war, beiden Aufgaben gerecht zu werden.
DFB.de: Gibt es weitere Wechsel?
Krüger: Lena Lotzen wird noch die WM der U 17 als Co-Trainerin begleiten und dann einen persönlich sehr spannenden Schritt machen. Sie übernimmt die sportliche Leitung bei Werder Bremen im Frauen- und Mädchenfußball. Eine tolle Möglichkeit für sie. Für uns ist es natürlich sehr schade, dass wir sie verlieren. Aber sie wird im System bleiben und ganz viele Ideen aus unseren Reihen mitnehmen, ihre Ideen und die Ideen, die im Verein schon existieren, zusammenbringen und mit Sicherheit künftig eine wichtige Rolle bei Werder Bremen spielen. Wir sind stolz, Lena auf diesem Weg begleitet zu haben!
Kategorien: Talentförderung, U 15-Juniorinnen, U 16-Juniorinnen, U 17-Juniorinnen, U 19-Frauen, U 20-Frauen, U 23-Frauen, U 15-Junioren, U 16-Junioren, U 17-Junioren, U 18-Junioren, U 19-Junioren, U 20-Männer, U 21-Männer
Autor: jf
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Zweiter Schottland-Test: U 17 unterliegt knapp
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Nach Remis: U 17 vor zweitem Test in Schottland
Die U 17-Juniorinnen stehen heute (ab 12.30 Uhr) vor ihrem zweiten Duell mit Schottland. Nach dem 1:1 im ersten Spiel am Donnerstag gilt es nun "aus den Erkenntnissen zu lernen und die Herausforderung erneut anzunehmen", so Trainerin Kathrin Peter.