Männer-Nationalmannschaft
Nagelsmann: "Das ist noch keine WM-Nominierung"
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Die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli 2026) geht langsam in die heiße Phase. Bundestrainer Julian Nagelsmann spricht vor Beginn der ersten Länderspielphase des Jahres mit den Duellen in Basel gegen Gastgeber Schweiz am 27. März (ab 20.45 Uhr, live bei RTL) und in Stuttgart gegen Ghana am 30. März (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) über seinen aktuellen Kader und den Weg zur WM. DFB.de hat mitgeschrieben.
Julian Nagelsmann über...
... die Kaderzusammenstellung: Wir vertrauen den Spielern, das ist das Entscheidende. Wir haben viel diskutiert, wie wir die Länderspiele im März angehen wollen. Wir haben einen großen Pool von Spielern als Stamm dabei, der sich weiter festigen und aneinander gewöhnen soll. Wir wollen aber auch ein paar Spieler sehen, die wir mitnehmen, mit realistischen Chancen zur WM mitzufahren. Der Kader hat sicherlich viele Parallelen zu dem, den wir dann Ende Mai nominieren. Es sind jetzt Spieler dabei, die wir noch nicht detailliert kennen und die sich noch mal zeigen können. Das führt auch dazu, dass der eine oder andere zuhause bleibt, bei dem wir wissen, was er der Gruppe gibt. Es ist eine gute Mischung aus dem großen Kern, der die WM spielen wird, und frischen neuen Kräften.
... seine WM-Vorfreude: Dinge, die auf der Welt passieren, kann man nicht ausblenden, und privat habe ich eine Meinung dazu. Ich habe gewisse Werte und Normen. Ich bin aber für den Sport verantwortlich und habe dort eine Vorfreude aufs Turnier und darauf, die Mannschaft vorzubereiten. Es ist meine erste WM. Ich kann aber die Skepsis nachvollziehen, wenn Dinge bedroht sind, die von unserem Ideal abweichen. Ich fokussiere mich als Bundestrainer auf den Sport und versuche, Positives durch den Fußball zu vermitteln.
... personelle Experimente: Wenn alle gesund sind, ist der Grundkader relativ gefestigt. Experimente werden wir nicht mehr machen, wir haben klar gefestigte Abläufe in der Defensive und Offensive. Wir haben jedes Spiel identisch gespielt, jetzt wird es einen Mix geben, um eine gewisse Variabilität zu haben. Es geht darum, dass wir die nötige Variabilität haben, wenn der Gegner sich auf den ersten Plan einstellt. Es ist normal, dass wir drei, vier Spieler dabei haben, damit sie sich zeigen können. Wir können nicht immer alle mitnehmen und allen die Chance geben, aber für niemanden ist der Zug abgefahren.
... Spielertypen, die er sucht: Es ist ratsam - wenn man die Option hat -, dass man versucht, einen gewissen Block zusammenzustellen. Die Bayern verkörpern gerade eine großartige Mentalität und sind gierig, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Wir greifen da natürlich gerne auf den Block zurück, weil uns das für die Nationalmannschaft auch etwas bringt.
... seine Schwerpunkte in der nächsten Maßnahme: Wenn man spielt, soll man auch gewinnen wollen. Inhaltliche Themen sind aber übergeordnet. Die Zeit, die wir haben, wollen wir maximal nutzen, um gewisse Dinge zu festigen und gewappnet zu sein für verschiedene Momente, die auf dem Feld in einem Turnier passieren können. Auch wollen wir die neuen Spieler gut integrieren und ihnen eine Plattform bieten, sich positiv zu zeigen.
... nicht nominierte Spieler: Generell habe ich mit allen Spielern telefoniert und ihnen gesagt, dass die Tür nicht zu ist. Wir achten auch nicht mehr auf jede Tagesform oder Formdelle, sondern haben unser Vertrauen in die Spieler. Bei einem Turnier bekommen in der Regel 14, 15 Spieler 95 Prozent der Spielzeit, die restlichen Rollen müssen dann maximal mit Leben gefüllt sein. Das hat nie etwas mit Charaktereigenschaften zu tun, jeder ist geschaffen für gewisse Positionen. Wir müssen natürlich entscheiden: Passt der Spieler in die Rolle, die wir für ihn vorsehen? Angelo Stiller ist beispielsweise ein herausragender Fußballer, aber ich sehe Aleksandar Pavlovic im Moment einen Tick vorne, und Angelo nicht in der ersten Elf. Wir haben uns entschieden, die Kaderplätze dahinter anders zu besetzen, aber das ist keine Entscheidung gegen Angelo, sondern für einen anderen Spieler.
... Jamal Musiala: Jamal hat eine kleine Reaktion im Gelenk gezeigt, das ist soweit normal nach einer so langen Verletzung. Es ist natürlich ärgerlich, weil er auf einem guten Weg ist. Wir hätten ihn gerne dabei gehabt. Wir und der Verein haben dasselbe Interesse: dass der Spieler wieder fit und gesund wird, um bei der WM für uns in Frage zu kommen. Ich habe mich jetzt dagegen entschieden, ihn mitzunehmen, weil es ihm, uns und den Bayern nichts bringt.
... Lennart Karl: Er soll seine jugendliche Unbekümmertheit auf den Platz bringen. Er soll frei von der Seele weg und ohne jegliche Vorbelastung Fußball spielen. Er hat den WM-Traum und soll das zeigen, was er bei den Bayern auch zeigt - viel Gefahr Richtung Tor auszustrahlen.
... Kevin Schade: Von Konterspielern wie Karim Adeyemi, Maximilian Beier oder Kevin Schade werden maximal ein oder zwei zur WM mitfahren. Wir wollen Kevin Schade eine Chance geben, auf dasselbe Niveau bei den "Soft Facts" zu kommen wie die anderen beiden, die viele der Spieler aus der Nationalmannschaft und Vereine kennen. Kevin spielt alleine in Brentford. Alle drei haben dieselben Chancen.
... Antonio Rüdiger: Ich haben einen sehr engen Draht zu ihm, der geprägt ist von großer Ehrlichkeit. Wir sagen uns unsere Meinungen in allen Fällen. Er committet sich unheimlich und schützt die Familie Nationalmannschaft sehr. Sein Typ verkörpert maximalen Siegeswillen. Er polarisiert stark, deswegen wird er dahingehend auch sehr beobachtet.
... Nathaniel Brown: Er bringt super viel mit, hat eine tolle Dynamik, ist sehr kreativ mit einer guten Ruhe am Ball. In Frankfurt ist er sehr konstant in seinen Leistungen. Er hat gute Konkurrenten bei uns mit David Raum und Maximilian Mittelstädt, aber ich traue ihm auch zu, dass er spielt. Ich halte sehr große Stücke auf ihn, seine Entwicklung ist noch nicht zuende. Vielleicht kommt seine Zeit jetzt schon, aber sie wird auf jeden Fall kommen, da bin ich mir sicher.
... Pascal Groß und Anton Stach: Wir haben uns überlegt, Sechser mit anderem Profil auszuprobieren. Beide verkörpern ein anderes Profil mit ihrer körperlichen Robustheit. Anton Stach war immer in der Verlosung, aber hatte noch nie die Chance, sich bei uns zu zeigen. Wir wollen sehen, wie er es bei uns macht. Er hat sich extrem gefreut, das war eine tolle Reaktion und zeigt, wie viel ihm das bedeutet. Pascal Groß hat der Wechsel gut getan. Er macht andere Spieler besser, ist super fleißig und hat die große Gabe, Menschen zu verbinden. Er ist immer der verlängerte Arm des Trainers, ob er spielt oder nicht. Er kann mit anderen Spielern - egal, wie sie ticken. Er ist sehr selbstlos, stellt nichts mehr in den Fokus als den mannschaftlichen Erfolg. Es ist kein Freifahrtschein, aber er ist genau einer der Kaderspieler, die nicht zu den ersten Elf gehören, sich aber von morgens bis abends mit dem Fußball identifizieren.
... Jonas Urbig: Finn Dahmen und Noah Atubolu machen es in ihren Klubs gut, das ist also keine Entscheidung gegen die beiden. Wir haben uns für Jonas entschieden, weil er 25 Spiele gemacht hat und für sein junges Alter eine gute psychische Stabilität bewiesen hat. Er ist ein sehr guter Fußballer, hat eine gute Verbindung zu vielen Spielern aus den U-Teams und vom FC Bayern. Sie schätzen ihn alle sehr, weil er Bock hat auf Training. Er hat eine große Perspektive im deutschen Fußball, und wir wollen einfach sehen, wie er sich bei uns integriert.
... Leon Goretzka: Ich möchte betonen, dass Leon keinen Freifahrtschein hat. Ich habe gesagt, er hat gute Chancen zu spielen, nicht mehr. Er hat ein gewisses Alter und sehr viel Erfahrung, da kann man die Menge der Spielzeit nicht vergleichen. Es gab bei der EM Kommunikationsprobleme, die wir ausgeräumt haben. Wir haben nicht so viele Spieler im Kader, die bei jeder Flanke in den Strafraum gehen. Wenn wir Tore brauchen und Wucht, ist Leon verlässlich und in der offensiven Rolle torgefährlich. Er hat eine gute Präsenz in der Box. Er soll das Vertrauen haben, aber er muss mehr Minuten sammeln - und das weiß er auch.
... Deniz Undav: Er hat eine super Quote, so einen Stürmer kann man ihn nicht zuhause lassen. Deniz hat im Dezember ein Feedback von mir bekommen, was er tun muss, um wieder mehr in den Fokus zu rücken. Er wusste was zu tun ist, hat das gut umgesetzt und ist deswegen wieder dabei.
... Jamie Leweling: Er macht es sehr gut, sowohl hier als auch in Stuttgart. Er hatte eine kleine Delle, spielt jetzt aber fast alles. Er hat einen super Drang zum Tor und sucht oft den Abschluss. Er will immer Druck ausüben, hat eine gute Schnelligkeit und gute Chancen, Minuten bei der WM zu sammeln.
... Nick Woltemade: Es hilft ihm schon, wenn er hier ist. Ich halte von Nick sehr viel, er ist ein super angenehmer Typ mit ganz tollem Charakter. Er hat im Moment keine leichte Zeit in Newcastle, aber das finde ich normal. Er hat es bei uns gut gemacht, kann von Anfang an spielen, aber auch als Einwechsler Effekt haben mit seiner guten Technik. Er hat sehr gute Erinnerungen an die Nationalmannschaft. Man muss das Gesamtkonstrukt bei Newcastle anschauen, da gibt es keinen Stürmer, der immer spielt. Der Trainer hat sich offensichtlich dazu entschieden, seine Stürmer zu tauschen. In dem Kontext mache ich mir weniger Sorgen, als wenn er drei Konkurrenten hat, die immer spielen.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: dfb

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Fan Club: Vorverkauf fürs Finnland-Spiel in Mainz
Mitglieder des Fan Club können nun bis zu sechs Tickets fürs WM-Vorbereitungsspiel der Nationalmannschaft am 31. Mai in Mainz gegen Finnland bestellen. Eintrittskarten sind nur im DFB-Ticketportal erhältlich. Hier gibt es alle Infos.

Jetzt Tickets fürs Ghana-Spiel sichern
Im ersten Heim-Länderspiel des WM-Jahres trifft die deutsche Nationalmannschaft am 30. März (ab 20.45 Uhr) in Stuttgart auf Ghana. Tickets für das Spiel in der MHP Arena sind weiterhin im DFB-Ticketportal erhältlich.