Frauen-Nationalmannschaft
Wück: "Spielvision weiter stärken"

Zwei Spiele gegen renommierte außereuropäische Gegner, zwei Siege: Die Frauen-Nationalmannschaft ist erfolgreich in die WM-Länderspielsaison gestartet. Bundestrainer Christian Wück ordnet im DFB.de-Interview die Partien gegen Australien und Japan ein und verrät, wie er in den kommenden Monaten die Entwicklung der Spielerin vorantreiben will.
DFB.de: Herr Wück, die erste Lehrgangsphase der Saison 2026/2027 ist absolviert. Mit welchem Gefühl gehen Sie jetzt aus dieser ersten Maßnahme?
Christian Wück: Ich glaube, nicht nur mein Gefühl, sondern das Gefühl von den Spielerinnen, vom Trainer*innen-Team und dem ganzen Staff ist durchweg positiv. Um das einzuordnen: Wir haben durch ein gutes Final-Four im letzten Jahr und eine überzeugende Nations League eine spielerische Grundlage geschaffen und waren natürlich gespannt, wie wir nach so einer langen Pause gegen zwei internationale Top-Gegner performen werden. Die wenigen Trainingseinheiten, die wir mit den Spielerinnen hatten, waren auf hohem Niveau und wir haben da schon gemerkt, dass sie keine Anlaufzeit brauchen, um unsere Spielvision zu aktivieren. Sie haben sich sehr viel eingebracht, auf und auch neben dem Platz. Von daher ziehen wir ein durchweg positives Fazit.
DFB.de: Australien und Japan waren zwei Teams aus unterschiedlichen Fußballkulturen. Welche Erkenntnisse waren da für Sie und das Trainer*innen-Team besonders wertvoll?
Wück: Die Grundidee war, dass wir gegen Mannschaften von einem anderen Kontinent spielen wollten, um unseren Spielerinnen diese Erfahrungen zu ermöglichen. Jetzt hat es sich so ergeben, dass wir gegen die zwei Asien-Cup-Finalisten spielen konnten, die zwar vom gleichen Kontinentalverband kommen, aber unterschiedliche Spielweisen haben. Und das hat man in beiden Spielen gesehen. Wir wurden gefordert gegen Australien und auf eine komplett andere Art gegen Japan. Wir haben beide Spiele gewonnen. Wir hatten Phasen in beiden Spielen, in denen wir schon gesehen haben, dass die Spielerinnen sehr gut adaptieren, was auf dem Platz passiert. Dieses Adaptieren ist der nächste Schritt in unserer Entwicklung. Wir wollen die Spielintelligenz der Spielerinnen entwickeln und sehen, dass immer häufiger richtige Entscheidungen getroffen werden. Das auf diesem Niveau umzusetzen, ist der nächste Schritt für die Nationalmannschaft.
DFB.de: Wenn Sie auf diese zehn Tage zurückblicken: Wo hat die Mannschaft den größten Schritt gemacht?
Wück: Beim Glauben an die Identität, wie wir in der Frauen-Nationalmannschaft Fußball spielen wollen. Das ist ganz wichtig. Wir möchten, dass die Zuschauer und Fans im Stadion und vor den Fernsehern erkennen, wofür wir stehen und was uns ausmacht. Und das unabhängig vom Gegner. Ich denke, dass der Glaube größer geworden ist innerhalb der Mannschaft. Und wenn daraus dann Überzeugung wird, dann sind die nächsten Schritte für uns auch leichter umsetzbar.
DFB.de: Gegen Japan lag das Team zurück und hat das Spiel trotzdem gedreht. Wie wichtig sind solche Erfahrungen auch für die Entwicklung eines Teams?
Wück: Es ist sehr wichtig, wenn die Mannschaft das Gewinnen lernt. Gewinnen lernen heißt, immer daran zu glauben, dass bis zur letzten Minute eines Spiels alles möglich ist. Was noch viel wichtiger ist, dass die Mannschaft vor allen Dingen im Spiel gegen Japan durch nur ganz kleine Veränderungen, die teilweise vom Trainer*innen-Team kamen, aber auch teilweise von den Spielerinnen während des Spiels, eine Veränderung im Spiel stattfand. Und dass sie gemerkt haben, wie wichtig Kommunikation auf dem Platz ist. Das war für mich nach dem Gegentor ein entscheidender Faktor, um dieses Spiel zu drehen.
DFB.de: Mehrere Spielerinnen sind aus unterschiedlichen Gründen ausgefallen. Gegen Australien stand eine junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren auf dem Platz. Wie zufrieden sind Sie insbesondere mit der Entwicklung der jüngeren Spielerinnen und konnten Spielerinnen die Chance nutzen, auf sich aufmerksam zu machen?
Wück: Unter diesem Aspekt war der Lehrgang nicht optimal. Wir hatten vier Spielerinnen, die abreisen mussten. Vor allem wenn man sieht, dass wir im Vorfeld der Nominierung auch schon eine relativ große Liste an Spielerinnen hatten, die uns verletzungsbedingt nicht zur Verfügung standen. Von daher bin ich sehr froh, dass wir gemerkt haben, dass wir mit unserem Pool an Spielerinnen Qualität haben, die wir bedenkenlos in die Nationalmannschaft berufen können.
DFB.de: Wo sehen Sie insgesamt aktuell noch die größten Entwicklungspotenziale?
Wück: Ich habe es immer wieder betont. Wir sind jetzt in einem Stadium, in dem es um Details geht, um Kleinigkeiten, um Zahnräder, die ineinandergreifen. Meine Optimalvorstellung ist die, dass diese Zahnräder, diese Abläufe und Abstimmungen untereinander, Personen unabhängig funktionieren. Daran werden wir die nächsten Wochen und Monate bis zur WM und zur Nations League arbeiten und in kleinen Schritten immer wieder weiterentwickeln.
DFB.de: Welche Themen wollen Sie jetzt insbesondere in Richtung Jahresende noch mal aufnehmen?
Wück: Wir werden das weiterführen, was wir seit dem Nations-League-Final Four angefangen haben: Die Spielvision weiter stärken. Wir hatten jetzt zwei Spiele in Deutschland gegen sehr namhafte Gegner, die wir erfolgreich gestalten konnten. Wir werden nun zwei Spiele im Ausland haben und werden dort auf Begebenheiten treffen, die wir so vielleicht nicht gewohnt sind. Da wird es interessant sein zu sehen, wie die Spielerinnen darauf reagieren und vor allem welche Mentalität sie haben, um auch dort Ihren Spielstil durchzusetzen.
Kategorien: Frauen-Nationalmannschaft
Autor: sal
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