DFB-Pokal der Junioren

MSV-Trainer Schnorrenberg: "An unserem Limit agieren"

17.09.2026
Florian Schnorrenberg: "Man merkt, dass ein besonderes Spiel bevorsteht" Foto: MSV Duisburg

Fast 28 Jahre nach dem jüngsten Pokalduell der Profiteams bestreiten die U 19-Mannschaften des MSV Duisburg und des FC Bayern München am Samstag (ab 11 Uhr) nun auch im DFB-Pokal der Junioren ein Achtelfinale. Die "Zebras" sind in dieser Saison noch unbesiegt. Im DFB.de-Interview spricht MSV-Trainer Florian Schnorrenberg (49) mit Mitarbeiter Dominik Dittmar über das Duell und die Talentförderung.

DFB.de: Das Pokalduell mit dem Nachwuchs des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München steht kurz bevor. Spüren Sie in dieser Woche eine besondere Anspannung im Team, Herr Schnorrenberg?

Florian Schnorrenberg: Anspannung würde ich nicht sagen. Aber man merkt, dass ein besonderes Spiel gegen einen starken Gegner mit einem großen Namen bevorsteht. Nach der Auslosung hatten wir über das bevorstehende Pokalspiel viel gesprochen. Genauso hatten wir es dann aber auch geschafft, den Fokus auf die nächsten Aufgaben in der Liga zu legen. Jetzt freuen wir uns auf den Höhepunkt im DFB-Pokal.

DFB.de: Sie stehen seit Saisonbeginn bei den A-Junioren des MSV Duisburg an der Seitenlinie. Was hatte Sie von der Aufgabe überzeugt?

Schnorrenberg: Ich kenne NLZ-Leiter Uwe Schubert schon seit einigen Jahren. Wir schätzen uns sehr und waren immer mal wieder im Austausch. Um eine Trainerstelle ging es dabei eigentlich nicht. Als er dann wegen der Besetzung bei der U 19 auf mich zugekommen ist, war ich von Gespräch zu Gespräch noch mehr von der Aufgabe überzeugt.

DFB.de: Seit Ihrem Ausscheiden beim VfB Lübeck im März 2024 waren Sie vereinslos. Wie haben Sie die Zeit seitdem genutzt?

Schnorrenberg: Ich habe mit einigen Vereinen Gespräche geführt, ohne dass ein Engagement zustande kam. Daher hatte ich zuletzt damit begonnen, in der Nähe meiner Heimat im Siegerland Trainer vor allem aus unteren Ligen zu coachen, meine Erfahrung weiterzugeben und sie zu ermutigen, sich mit Trainerlizenzen weiterzuentwickeln. Das hat mir viel Spaß gemacht und kann ich mir auch für irgendwann später wieder sehr gut vorstellen.

DFB.de: Sie waren im Seniorenbereich schon von der Bezirksliga bis in die 3. Liga als Trainer tätig. Welche Besonderheiten gibt es bei der Arbeit in einer U 19?

Schnorrenberg: Man begleitet für ein bis zwei Jahre Talente, die noch ihre gesamte Karriere vor sich haben. Es ist etwas Besonderes, die Jungs - immer auch mit Hilfe der Spieler - auf den Schritt in den Herrenbereich vorzubereiten. Großer Fleiß ist dafür eine wesentliche Voraussetzung, weil die Intensität dort noch einmal eine ganz andere ist. Es liegt auch an den Spielern selbst, wie weit ihr Weg noch führen kann.

DFB.de: Sie waren selbst schon Cheftrainer in der 3. Liga. Sehen Sie in Ihrem Team Kandidaten für den Sprung in den Profikader des MSV?

Schnorrenberg: Wir haben den Vorteil, dass wir auch wortwörtlich kurze Wege haben. Wir trainieren auf demselben Gelände wie die Profis. Da kommt es regelmäßig vor, dass unser Cheftrainer Dietmar Hirsch Spieler aus der U 19 für eine Einheit hinzunimmt. Es ist immer wieder ein tolles Erlebnis für die Jungs, aus erster Hand zu erfahren, welche Anforderungen für das Drittligateam gestellt werden. Nach dem vierten Platz in der abgelaufenen Saison ist das Ausgangsniveau des Profikaders sehr hoch.

DFB.de: In der U 19 DFB-Nachwuchsliga ist Ihr Team trotz hochkarätiger Gruppengegner wie Borussia Dortmund oder Schalke 04 noch unbesiegt. Was zeichnet Ihr Team aus?

Schnorrenberg: Dass wir in der Tabelle auf Platz zwei stehen, ist eine schöne Momentaufnahme. Wir agieren diszipliniert und haben in den bisherigen Spielen gut verteidigt. Im Spiel mit dem Ball können wir uns noch Schritt für Schritt weiterentwickeln. Da sind wir aber ebenfalls auf einem guten Weg. In der Partie beim VfL Osnabrück haben wir erstmals einen Rückstand noch in einem 2:1-Auswärtssieg gedreht. Die Arbeit mit dem Team macht viel Spaß.

DFB.de: Ist nun die Qualifikation für die Hauptrunde der Liga A das erklärte Ziel?

Schnorrenberg: Das ist zeitlich noch zu weit weg. Ich rechne zum Beispiel damit, dass der FC Schalke 04 nach dem ersten Saisonsieg noch in Gang kommen wird. Wir setzen uns kleinere, kurzzeitigere Ziele und schauen dabei in erster Linie auf uns selbst. Der Fokus liegt darauf, die unmittelbar bevorstehende Aufgabe zu lösen. Wenn kurz vor der Winterpause die Chance auf die Hauptrunde besteht, können wir erneut darüber reden.

DFB.de: Stimmt Sie das Abschneiden in der Meisterschaft auch optimistisch für das Pokalspiel?

Schnorrenberg: Die guten Ergebnisse haben natürlich das Selbstvertrauen gestärkt. Allerdings wartet nun ein anderer Wettbewerb auf uns. In solchen Duellen gehört auch ein gewisses Spielglück dazu. Wir wollen dem FC Bayern aber definitiv einen Pokalfight liefern.

DFB.de: K.o.-Spiele stehen für Ihr Team eher selten auf dem Programm. Welchen Stellenwert haben solche Partien für die Entwicklung der Spieler?

Schnorrenberg: Das kann man im Vorfeld nie ganz genau sagen. Aber egal, wo der Weg einmal hinführt: Es wird definitiv ein Erlebnis für unsere Jungs. Die Zeit in der U 19 ist kurz. Wer kann da später mal zurückblicken und sagen: "Ich durfte ein Achtelfinale im DFB-Pokal der Junioren gegen den FC Bayern bestreiten"?

DFB.de: Wie schätzen Sie die Aufgabe gegen die Münchner ein?

Schnorrenberg: Wir treffen auf einen Gegner mit hoher individueller Qualität im Kader und mit ausgezeichneten Flügelspielern. Auch sonst ist die Auswahl an Talenten sehr groß. Dass der FC Bayern in der zweiten Runde in der Lage war, trotz eines Platzverweises einen Zwei-Tore-Rückstand gegen den FC Ingolstadt 04 noch in ein 4:2 zu drehen, sagt viel aus.

DFB.de: Wie kann das Weiterkommen gelingen?

Schnorrenberg: Wir haben uns ein paar Ideen zurechtgelegt, wie wir dem FC Bayern wehtun können. Die müssen wir konsequent umsetzen. Neben Mut wird auch eine Topleistung gefragt sein. Wir müssen an unserem Limit agieren und noch besser in unsere Abläufe reinkommen, als es schon zuletzt der Fall war.

Kategorien: DFB-Pokal der Junioren

Autor: mspw