DFB-Pokal der Frauen
Gladbacherin Yvonne Zielinski vor Bayern-Duell: "Glaube kann Berge versetzen"

Im Kader von Borussia Mönchengladbach in der 2. Frauen-Bundesliga ist Yvonne Zielinski die mit Abstand erfahrenste Spielerin. Am Sonntag (ab 15 Uhr, live bei Sky und DFB.TV) treffen die Außenseiterinnen in der ersten DFB-Pokalrunde auf Titelverteidiger FC Bayern München. Im DFB.de-Interview spricht die 36 Jahre alte Abwehrspielerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über das Duell im ista-Borussia-Park - und über eine frühere Pokalsensation.
DFB.de: Was ist Ihnen zuerst durch den Kopf gegangen, als der FC Bayern München als Gegner für die erste Runde des DFB-Pokals feststand, Frau Zielinski?
Yvonne Zielinski: Puh, das ist ein hartes Brett. (lacht) Es kommt schließlich die beste Mannschaft Deutschlands zu uns. Wir werden jedoch alles geben, um ihm besten Fall für eine Sensation zu sorgen.
DFB.de: Gespielt wird im ista-Borussia-Park. Was bedeutet Ihnen und Ihren Mitspielerinnen das?
Zielinski: Es ist für uns etwas ganz Besonderes, im großen Stadion zu spielen. Dort erwartet uns eine ganz andere Umgebung und Atmosphäre. Wir freuen uns auf möglichst viele Fans, die uns unterstützen. Das wird bei jeder einzelnen Spielerin sicherlich noch ein oder zwei zusätzliche Prozent herauskitzeln.
DFB.de: Ist im Training bereits eine besondere Anspannung oder Vorfreude zu spüren?
Zielinski: Riesige Vorfreude herrscht auf jeden Fall. Solange die Liga noch lief, haben wir versucht, das Bayern-Spiel noch ein wenig im Hintergrund zu lassen. Seit Beginn dieser Woche gilt der volle Fokus dem Pokalspiel. Wir sind hochmotiviert.
DFB.de: Sie haben während Ihrer Laufbahn schon häufig gegen den FC Bayern gespielt. Was ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Zielinski: Tatsächlich eine Pokalsensation. Ich weiß sogar noch das genaue Datum. Am 16. November 2013 haben wir mit dem damaligen Zweitligisten 1. FC Köln den FC Bayern im Achtelfinale durch einen 2:0-Sieg überraschend ausgeschaltet. Schon damals hatten die Münchnerinnen viele namhafte Spielerinnen dabei. Ein solches Erlebnis behält man im Kopf, sehr gerne denke ich daran zurück.
DFB.de: Werden Sie Ihre Erfahrungen vor der Partie mit Ihren Mitspielerinnen teilen und ihnen vielleicht den einen oder anderen Rat mit auf den Weg geben?
Zielinski: Ich rede viel mit unseren jungen Spielerinnen und unterstütze sie, wo ich kann. Ich werde ihnen sagen, dass im Fußball nichts unmöglich ist und dass der Glaube Berge versetzen kann.
DFB.de: Seit Oktober 2024 ist der FC Bayern in nationalen Wettbewerben unbesiegt. Wie sehr beeindruckt Sie eine solche Serie?
Zielinski: Das ist natürlich sehr beeindruckend. Irgendwann reißt jedoch jede Serie. (lacht)
DFB.de: Wie hoch würden Sie die Chancen beziffern, dass Borussia diesen Lauf im Pokalduell stoppen kann?
Zielinski: Das würde ich jetzt nicht in einer Prozentzahl ausdrücken. Klar ist, dass wir Außenseiter sind. Ich bin aber überzeugt, dass wir in dieser Rolle einiges bewegen können.
DFB.de: Mit welcher Ausrichtung könnte Ihre Mannschaft den Münchnerinnen zumindest Schwierigkeiten bereiten?
Zielinski: Ich denke, wir sollten versuchen, unser Spiel zu machen, und nicht zwei Busse vor dem eigenen Tor parken. (lacht) Die Bayern sind es ohnehin aus der Liga gewohnt, gegen einen tiefen Block zu spielen.
DFB.de: Der FC Bayern ist am Dienstag gegen Manchester City in die UEFA Women's Champions League gestartet und ist auch in der nächsten Woche in der Königsklasse gefordert. Könnte das ein wenig Konzentration kosten?
Zielinski: Das glaube ich nicht. Zum einen kennen die Spielerinnen diese Doppel- und Dreifachbelastung seit Jahren. Zum anderen ist der Kader auch in der Breite mit einer so hohen Qualität besetzt, dass personelle Wechsel kaum zu einer Schwächung führen.
DFB.de: Nach sieben Spieltagen steht Borussia Mönchengladbach in der 2. Frauen-Bundesliga mit sieben Punkten auf Platz zehn. Wie zufrieden sind Sie mit dem Start?
Zielinski: Was die Punktezahl angeht, bin ich nicht zufrieden, um ganz ehrlich zu sein. Es waren einige knappe Spiele dabei, in denen sich unsere Leistungen nicht unbedingt in den Ergebnissen widergespiegelt haben. Deswegen hätten wir uns alle eine bessere Punktausbeute gewünscht.
DFB.de: Wie wichtig waren die vier Zähler aus den zurückliegenden beiden Partien gegen den VfL Bochum und beim FC Ingolstadt 04 im Hinblick auf das Pokalspiel, aber auch die anschließende Ligapartie bei Spitzenreiter FC Viktoria Berlin?
Zielinski: Dieser positive Trend war sehr wichtig, um wieder ein besseres Gefühl zu bekommen. Nach dem 1:5 bei der SGS Essen hatten wir uns zusammengesetzt und einige wichtige Dinge angesprochen. Das hat aus meiner Sicht den Aufschwung mit eingeleitet.
DFB.de: Was haben Sie sich grundsätzlich für diese Spielzeit vorgenommen?
Zielinski: Wir wollen uns im Vergleich zur zurückliegenden Saison verbessern. Damals sind wir mit 31 Punkten Zehnter geworden. Diesmal soll es ein Stück weiter nach oben gehen.
DFB.de: Schon zweimal war die Borussia in die Google Pixel Frauen-Bundesliga aufgestiegen, konnte sich dort aber nicht halten. Ist es zumindest perspektivisch ein Ziel, wieder erstklassig zu werden?
Zielinski: Ich finde es sinnvoll, jedes Jahr eine Verbesserung anzustreben. Da ist es normal, dass irgendwann das Ziel ist, die vordersten Plätze anzugreifen. Bis dahin sind aber noch einige Schritte zu gehen, denn Entwicklung ist ein Prozess und passiert nicht von heute auf morgen.
DFB.de: Sie werden noch in diesem Jahr 37 Jahre. Wie schaffen es Sie, mit den jungen Spielerinnen mitzuhalten
Zielinski: Erstaunlich gut würde ich sagen. (lacht) Mein Körper macht nach wie vor mit, ich fühle mich gut und kann im Training keinen Unterschied zu den anderen Spielerinnen erkennen. Wenn ich merken sollte, dass ich nicht mehr mithalten kann, höre ich auf.
DFB.de: Wie viele Jahre haben Sie denn noch im Tank?
Zielinski: Wie gesagt: Aktuell fühle ich mich sehr fit und kann mir gut vorstellen, noch weiterzumachen. Ich möchte aber auf jeden Fall die Entscheidung selbst treffen, wann Schluss ist. Mal sehen, wann das sein wird.
Kategorien: DFB-Pokal der Frauen, 2. Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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