DFB-Pokal der Junioren
Wolfsburg-Trainer Bräuer: "Mix aus Teamspirit und individueller Klasse"

Auf die U 19 des VfL Wolfsburg wartet am Sonntag (ab 11 Uhr) ein besonderes Spiel. Das Team von Trainer Niklas Bräuer (26) trifft im Halbfinale des DFB-Pokals der Junioren auf den Deutschen Meister 1. FC Köln. Noch warten die Wölfe auf ihren ersten Pokalsieg. Im DFB.de-Interview spricht Bräuer mit Mitarbeiter Peter Haidinger über die Talentförderung, seine Ziele und Julian Nagelsmann.
DFB.de: Das Pokalhalbfinale gegen den 1. FC Köln steht bevor. Wie sehr ist bei Ihrem Team bereits die Vorfreude zu spüren, Herr Bräuer?
Niklas Bräuer: Die Vorfreude ist riesig, weil sich die Jungs diese Partie über die komplette Saison erarbeitet haben.
DFB.de: Welchen Stellenwert hat es, in der Runde der verbliebenen vier Teams zu stehen und um den Finaleinzug zu kämpfen?
Bräuer: Das zeigt, dass wir beim VfL Wolfsburg gute Nachwuchsarbeit leisten. Die U 19 des VfL steht bereits zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale, hat vor einem Jahr durch das 0:2 beim Karlsruher SC das Finale knapp verpasst. Der KSC hatte den Heimvorteil, den wir nun gegen den 1. FC Köln für uns nutzen wollen.
DFB.de: Der VfL Wolfsburg war im Juniorenbereich noch nie DFB-Pokalsieger. Ist das noch ein zusätzlicher Anreiz?
Bräuer: Wir tun gut daran, wenn wir uns auf das Hier und Jetzt fokussieren. Wir sollten uns nur auf den 1. FC Köln konzentrieren.
DFB.de: Mit den Kölnern stellt sich der aktuelle Deutsche Meister in Wolfsburg vor. Wie schätzen Sie die Aufgabe ein?
Bräuer: Der FC hat mit Stefan Ruthenbeck einen Top-Trainer, der seine Mannschaft gut einstellen wird. Das Team spielt mit einer hohen Intensität gegen den Ball, verteidigt sehr kompakt und verfügt über ein gutes Umschaltspiel. Ich erwarte ein Spiel auf Topniveau.
DFB.de: Was wird entscheidend sein, um das Endspiel zu erreichen?
Bräuer: Wenn wir die Tugenden auf den Platz bekommen, die uns in den zurückliegenden Wochen ausgezeichnet haben, bin ich guter Dinge. Wir müssen aggressiv gegen den Ball arbeiten und immer bereit sein, in den Zweikämpfen auch den letzten Schritt zu gehen. Außerdem müssen wir unsere Qualitäten am Ball umsetzen und in die Räume vorstoßen, die für den Gegner gefährlich sind.
DFB.de: Auch in der U 19 DFB-Nachwuchsliga läuft es für den VfL bislang sehr erfolgreich. Was zeichnet Ihr Team vor allem aus?
Bräuer: Alle Spieler stellen sich komplett in den Dienst der Mannschaft. Wir haben ein Team geformt, das in eine Richtung marschiert. Wir haben einen sehr guten Mix aus Teamspirit und individueller Klasse geschaffen.
DFB.de: Sie kamen im Sommer als U 16-Trainer nach Wolfsburg und rückten nach der Beförderung von Daniel Bauer zum Cheftrainer der Profis zur U 19 auf. Wie überraschend kam das für Sie?
Bräuer: Alles ging sehr schnell. Ich hatte mich extrem für Daniel gefreut, dass er den Schritt zu den Profis gehen durfte. Umso glücklicher war ich, dass mir der Verein zunächst das Vertrauen interimsmäßig bis zur Winterpause geschenkt und mich als seinen Nachfolger gesehen hat. In den folgenden Gesprächen stellte sich heraus, dass der VfL in dieser Konstellation weitermachen möchte. Für mich ist es ein großes Privileg, die U 19 weiterhin begleiten zu dürfen.
DFB.de: Sie sind gerade einmal 26 Jahre und damit gar nicht so viel älter als Ihre Spieler. War Ihnen dennoch sofort klar, dass Sie den Job annehmen?
Bräuer: Das stand für mich nie zur Debatte.
DFB.de: Bei der U 19 Ihres früheren Klubs TSG Hoffenheim waren Sie zwei Jahre Co-Trainer von Tobias Nubbemeyer. Ist die Chefrolle eine große Umstellung?
Bräuer: Ich hatte insgesamt vier Jahre vertrauensvoll mit Tobias in einem Team zusammengearbeitet. In dieser Zeit hat sich meine Rolle als Co-Trainer auf und auch neben dem Platz sehr intensiv entwickelt. Tobias hat mir viel Verantwortung übertragen. Er war mein Mentor, Begleiter und Förderer. Ohne ihn wäre ich nicht dort, wo ich jetzt bin.
DFB.de: Die Zeit bei der TSG war sehr erfolgreich, 2024 gelang das historische Double aus Deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg. Wie sehr helfen Ihnen diese Erfahrungen?
Bräuer: Ich gehe relativ entspannt mit der Situation um, mache der Mannschaft vor dem Köln-Spiel keinen Druck. Wenn man diese Erfahrungen schon einmal gemacht hat, gibt es einem ein gutes Gefühl. Ein Halbfinale oder erst recht ein Endspiel sind für die persönliche Entwicklung der Jungs extrem wichtig.
DFB.de: Wollen Sie das Kunststück jetzt auch mit den VfL-Junioren wiederholen?
Bräuer: Ich strebe immer nach dem Maximum. Aber um so etwas zu wiederholen, muss alles passen. Die Entwicklung der Jungs hat Priorität. Ich will mit dem VfL so erfolgreich wie möglich sein und den besten Fußball spielen.
DFB.de: Haben Sie ein Vorbild als Trainer? Welche persönlichen Ziele verfolgen Sie?
Bräuer: Aus meiner Hoffenheimer Zeit haben mich viele Trainer inhaltlich geprägt. Als junger Trainer haben mich vor allem Julian Nagelsmann, Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder Fabian Hürzeler inspiriert. Von ihnen habe ich mir viele Spiele und auch Trainingseinheiten angeschaut. Ich möchte jeden Tag besser werden und mich als Trainer weiterentwickeln.
DFB.de: Die VfL-Profis befinden sich in der Bundesliga in einer schwierigen Situation. Wie sehr wirkt sich das auch auf die Nachwuchsabteilung und Ihr Team aus?
Bräuer: Im Verein und in der Akademie rücken wir jetzt noch enger zusammen. Die Profis haben das Potenzial, um den Klassenverbleib zu schaffen. Wir alle sind optimistisch, dass sie das Ruder noch rechtzeitig herumreißen werden.
DFB.de: Wie läuft der Austausch mit der Lizenzabteilung?
Bräuer: Ich stehe mit Koen Stam, der beim VfL als Verbindungstrainer tätig ist, im ständigen Austausch. Ziel ist es, dass die Jungs, die bei uns gute Leistungen bringen, irgendwann in der VfL-Lizenzmannschaft spielen. Jan Bürger und Pharell Hensel, die beide in der Bundesliga bereits zum Einsatz kamen, waren mit Daniel Bauer bereits zur ersten Mannschaft hochgezogen worden. Hinzu kommen noch einige weitere Spieler, die schon konstant oben mittrainieren.
DFB.de: Worauf kommt es Ihnen bei der Talentförderung vor allem an?
Bräuer: Der Mensch steht bei der Ausbildung im Mittelpunkt. Wenn ich als Trainer weiß, wie der Junge tickt, kann ich ihn auf dem Platz entwickeln. Die individuelle Betreuung im Training, sowie kognitive Übungen, die individuell auf den jeweiligen Spieler abgestimmt werden, oder die Eins-zu-Eins-Videoanalyse haben Priorität. Schließlich sollen die Talente möglichst den Sprung in den Profifußball schaffen.
DFB.de: Werden wir eines Tages Spieler aus Ihrem Kader in der Bundesliga sehen?
Bräuer: Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Jungs ihren Weg in den Profifußball gehen werden.
Kategorien: DFB-Pokal der Junioren, DFB-Nachwuchsliga
Autor: mspw

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