U 19-Junioren
Wörns: "Der Mannschaftsgeist ist sehr gut"

Für die deutschen U 19-Junioren steht die Europameisterschaft in Wales unmittelbar bevor. Das Team von Christian Wörns startet am Sonntag (ab 21 Uhr) gegen Dänemark ins Turnier. Im DFB.de-Interview spricht der Cheftrainer über seinen Kader, die vergangenen Monate und die bevorstehende EM.
DFB.de: Herr Wörns, in wenigen Tagen beginnt die U 19-Europameisterschaft in Wales. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen und wie haben Sie die Mannschaft im Trainingslager wahrgenommen?
Christian Wörns: Der Mannschaftsgeist ist sehr gut. Wir haben einen guten Teamspirit, das spürte man auch im Trainingslager in Garmisch-Partenkirchen, wo es um den letzten Feinschliff ging. Wir sind froh, dass sich niemand mehr verletzt hat und wir aus dem Vollen schöpfen können. Nach den intensiven Tagen haben die Jungs zwei Tage frei, ehe wir von Frankfurt aus nach Wales reisen.
DFB.de: Wie blicken Sie auf Ihren Kader?
Wörns: Unser zentraler Mittelfeldspieler Boris Mamuzah Lum konnte zu Beginn des Trainingslagers noch nicht alles mitmachen, am Ende sah es aber sehr gut aus und wir konnten ihn in die Trainingseinheiten integrieren. Ben Nink hatte ein paar Blessuren an den Füßen, das ist aber nichts Ernstes.
DFB.de: Eine Europameisterschaft für Deutschland zu spielen – macht das auch nach all den Jahren noch etwas mit Christian Wörns?
Wörns: Natürlich. Man fährt lieber zu einer Europameisterschaft, als sie vor dem Fernseher zu verfolgen. Mit dem Jahrgang 2005 haben wir die Qualifikation leider nicht geschafft. Es ist dann schon schade, wenn im Sommer kein Turnier ansteht. Deshalb haben wir uns riesig gefreut, dass wir uns diesmal qualifiziert haben, und wollen nun natürlich auch ein gutes Bild abgeben.
DFB.de: Wie zufrieden sind Sie, wenn Sie auf die vergangenen Monate und die Entwicklung des Jahrgangs 2007 zurückblicken?
Wörns: Rein ergebnistechnisch haben wir die meisten Länderspiele erfolgreich bestritten und gewonnen – unabhängig davon, mit welchen Spielern wir unterwegs waren. Gleichzeitig haben wir immer auch einen Ausbildungsauftrag. Insgesamt haben wir mehr als 50 Spieler in der U 18 und U 19 eingesetzt. Daran sieht man, dass sich Entwicklungen unterschiedlich gestalten: Bei manchen Spielern geht es nach oben, bei anderen leider auch einmal in die andere Richtung. Insgesamt sind wir mit der Entwicklung der Jungs aber total zufrieden. Wir hoffen natürlich, dass ihnen das Turnier zusätzliche Erfahrungswerte vermittelt, die sie für ihre weitere Laufbahn nutzen können. Idealerweise schaffen sie anschließend den Anschluss an die U 21, etablieren sich zunächst vielleicht in den drei deutschen Profiligen und entwickeln sich mittelfristig weiter. Das ist letztlich unser Auftrag.
DFB.de: Die EM-Qualifikation im März war sicherlich der bedeutendste Schritt für Ihr Team. Es waren drei enge Spiele, aus denen sieben Punkte geholt wurden. Was nehmen Sie daraus für die Europameisterschaft mit?
Wörns: Natürlich ziehen wir daraus Selbstvertrauen. Schweden, Griechenland und Österreich sind gute Mannschaften. Man darf nicht glauben, dass man solche Gegner einfach im Vorbeigehen schlägt. Gerade Schweden, das am Ende überraschend Letzter in der Gruppe wurde, war sehr stark. Die skandinavischen Mannschaften haben sich in den vergangenen Jahren insgesamt gut entwickelt. Gegen Schweden haben wir in letzter Minute den Ausgleich kassiert, was meiner Meinung nach leistungsgerecht war. Das 1:0 gegen Griechenland war hochverdient, genauso wie der Sieg gegen Österreich. Dennoch müssen wir in solchen Spielen früher für die Entscheidung sorgen. Uns fehlt manchmal noch etwas der Killerinstinkt – sowohl defensiv als auch offensiv. Gerade gegen Österreich hatten wir mehrere Möglichkeiten, den Sack endgültig zuzumachen.
DFB.de: Sie haben inzwischen mehrere Jahrgänge begleitet. Was zeichnet den Jahrgang 2007 besonders aus?
Wörns: Der Jahrgang ist insgesamt homogener, vor allem mit Blick auf die einzelnen Mannschaftsteile. In der Vergangenheit hatten wir Jahrgänge, bei denen wir beispielsweise im Offensivbereich sehr zufrieden waren, während wir im defensiven Mittelfeld oder in der Abwehr weniger Optionen hatten – insbesondere dann, wenn Spieler verletzungsbedingt ausgefallen sind. Manchmal war es auch umgekehrt. Beim Jahrgang 2007 haben wir in allen Mannschaftsteilen Spieler, die bei dieser Europameisterschaft eine wichtige Rolle übernehmen können.
DFB.de: In Gruppe A treffen Sie auf Dänemark, Wales und Spanien. Wie bewerten Sie das Teilnehmerfeld insgesamt?
Wörns: Man muss wissen, dass die Eliterunde im März ein echtes Nadelöhr ist, weil nur der Gruppensieger weiterkommt. Dort sind viele starke Mannschaften vertreten. Serbien oder Kroatien haben beispielsweise Nationen wie die Niederlande, Portugal oder Frankreich hinter sich gelassen. Das zeigt, wie hoch die Qualität ist. In unserer Gruppe sind die Spanier, die mit drei Siegen und 11:0-Toren durch die Qualifikation marschiert sind. Wir haben sie bereits per Video analysiert und dabei eine wirklich starke Mannschaft gesehen. Insgesamt sind bei dieser Europameisterschaft viele gute Teams dabei, auch wenn einige große Namen fehlen. Frankreich, die Niederlande oder Portugal haben sich sportlich schlicht nicht qualifiziert, weil andere Mannschaften besser waren.
DFB.de: Oft heißt es, das Auftaktspiel bei einem Turnier sei besonders wichtig. Wie blicken Sie auf das erste Spiel gegen Dänemark?
Wörns: Gegen Dänemark haben wir schon im Mai 2025 als U 18 gespielt, damals allerdings mit einem Perspektivteam. Wir haben 1:0 gewonnen, hatten dabei aber auch etwas Glück. Unser Torhüter Enis Kamga hat uns mit mehreren starken Paraden im Spiel gehalten. Man weiß vor einem Turnier nie ganz genau, wo man steht. Das sieht man aktuell auch bei anderen internationalen Wettbewerben. Man muss sich zunächst in das Turnier hineinfinden, die Atmosphäre spüren und sich an das Niveau gewöhnen. Außerdem gilt es, die Nervosität in den Griff zu bekommen und dem Druck standzuhalten. Wichtig ist vor allem, das Auftaktspiel nicht zu verlieren. Sonst steht man direkt unter großem Druck.
DFB.de: Spanien gilt traditionell als eine der stärksten Nationen im Nachwuchsfußball. Welche Bedeutung hat dieses dritte Duell?
Wörns: Wir beschäftigen uns bereits mit Spanien. Wenn man Europameister werden möchte, führt der Weg in der Regel über Spanien. Wir haben alle Mannschaften per Video analysiert und überall Qualität gesehen. Für mich ist Spanien aber der Topfavorit auf den Titel.
DFB.de: Was ist fußballerisch die besondere Stärke Ihrer Mannschaft?
Wörns: Die Mannschaft spielt sehr energiegeladen. Darüber hinaus zeichnet sie eine große Leidenschaft und eine starke Mentalität aus. Die Spieler wollen Spiele gewinnen. Das haben wir beispielsweise in der Slowakei gesehen. Die Lehrgänge im Mai sind nicht immer die beliebtesten, dennoch lagen wir dort 1:2 zurück und konnten das Spiel noch drehen. Die Spieler setzen die Inhalte, die wir ihnen vermitteln, sehr gut um und tun das mit Überzeugung. Darüber hinaus verfügen wir über talentierte Spieler. Talent bleibt die Grundlage. Diesen Aspekt können wir in Lehrgängen nur bedingt entwickeln. Wir können Muster und Prinzipien vorgeben, beispielsweise für das offensive und defensive Verhalten oder für das Zweikampfspiel. Die Spieler sind dabei sehr aufnahmefähig und setzen die Vorgaben gut um.
DFB.de: Ist es ein Vor- oder Nachteil, dass sich der Jahrgang 2007 in der U 17 nicht für die Europameisterschaft qualifiziert hat und nun erstmals ein großes Turnier spielt?
Wörns: Meiner Meinung nach spielt das keine große Rolle. Natürlich wäre es schön gewesen, wenn die Jungs diese Erfahrung bereits gesammelt hätten, denn das hilft der individuellen Entwicklung. Für viele ist dieses Turnier jetzt Neuland. Allerdings haben wir bereits eine Vorqualifikation und eine Qualifikation gespielt, bei denen großer Druck herrschte. Dort musste man Topleistungen abrufen, und das haben die Spieler gezeigt. Deshalb wissen sie ungefähr, wie sich solche Situationen anfühlen. Einige Akteure sammeln bereits Erfahrungen im Profibereich. Deshalb bin ich nicht besorgt, dass uns diese Herausforderung überfordern könnte.
DFB.de: Zum Abschluss: Worauf dürfen sich die deutschen Fans während der Europameisterschaft freuen?
Wörns: Ich hoffe natürlich auf gute Spiele und darauf, dass wir uns gut präsentieren. Unser Ziel ist es, mindestens das Halbfinale zu erreichen. Ab dem Halbfinale ist grundsätzlich alles möglich. Dann braucht man auch ein wenig Spielglück. Mit dem Halbfinaleinzug wäre gleichzeitig die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ein großer Erfolg. Wir gehen Schritt für Schritt vor.
Kategorien: U 19-Junioren
Autor: of

In der EM-Qualifikation gegen Portugal, Schweden und Litauen
Die deutschen U 19-Junioren treffen in der zweiten Qualifikationsrunde zur EM 2027 in Tschechien in Liga A auf Portugal, Schweden und Litauen. Das Miniturnier wird vom 10. bis zum 18. November in Portugal ausgespielt.

Wörns nominiert Kader für U 19-EM
Für die U 19-EM in Wales hat Chefcoach Christian Wörns 20 Talente aus 14 Klubs nominiert. "Es gibt den ein oder anderen Härtefall, am liebsten hätten wir 40 Spieler mitgenommen", so der DFB-Trainer.

FAQ: Alles Wichtige zur U 19-EM in Wales
Die deutsche U 19 hat sich für die EM in Wales qualifiziert. Dort spielt das Team von Christian Wörns nicht nur um die kontinentale Krone, sondern auch um die WM-Teilnahme auf U 20-Ebene. DFB.de beantwortet die wichtigsten Fragen im FAQ.