WM 2026
WM 1990: Triumph in Rom

Am 11. Juni beginnt die FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Deutschland nimmt zum bereits 21. Mal an einer WM-Endrunde teil. In einer Serie blickt DFB.de auf die deutsche WM-Geschichte zurück, von Turnier zu Turnier. Heute: die zwölfte Teilnahme mit dem dritten Titelgewinn bei der WM 1990 in Italien.
Nie hatte eine DFB-Auswahl außerhalb Deutschlands mehr Anhänger als bei der WM 1990. Für die qualifizierte sie sich eine Woche nach dem historischen Mauerfall von Berlin am 9. November 1989, und so durften auch 16 Millionen DDR-Bürger endlich ganz ungestraft der BRD-Elf die Daumen drücken. Tausende taten es vor Ort in Italien.
Der Triumph der Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer war keine Selbstverständlichkeit, hatte sie sich doch erstmals überhaupt nicht als Gruppensieger qualifiziert. Das erzitterte 2:1 über die Waliser reichte nur zum zweiten Platz hinter der Niederlande. In Italien aber wollten die Deutschen mehr. Beckenbauer gab bei seiner Ansprache in Malente die Parole aus: "Das eins klar ist - wir kommen unter die ersten Vier. Und unser Ziel ist der Titel." Dabei standen günstige Umstände Pate. Von Verletzungspech blieb die Auswahl im Vorfeld verschont, die Stammformation und die Prämienregelung standen längst fest, die Familien waren in einem Nachbarhotel einquartiert.
Und in Mailand winkten Heimspiele, da mit Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann gleich drei populäre Inter-Legionäre in der Elf standen. Die "Römer" Rudi Völler und Thomas Berthold verstärkten das italienische Moment. Schon zum furiosen Auftakt gegen Jugoslawien (4:1) steuerten die "Italiener" alle Tore bei, Kapitän Lothar Matthäus ging in seinem 75. Länderspiel als Doppeltorschütze mit gutem Beispiel voran, Jürgen Klinsmann und Rudi Völler folgten. Gegen überforderte Vereinigte Arabische Emirate wurde bereits im zweiten Spiel (5:1) das Achtelfinale gebucht, beim bedeutungslosen 1:1 gegen Kolumbien kamen auch Reservisten zum Zug. So blieb das Klima immer gut im Quartier Castello di Casiglia zu Erba, einer mittelalterlichen Festung.
Dann kamen wieder die Niedrelande, und Mailand sah das bis dato dramatischste Spiel, von dem ein "Lama" und ein Übersteiger immer in Erinnerung bleiben werden. Das Lama war Frank Rijkaard, der Rudi Völler mehrmals anspuckte. Dass Provokateur und Opfer vom Platz flogen, war die größte Ungerechtigkeit dieser WM. Die Verbliebenen kämpften für Völler, und Klinsmann traf nach einem Übersteiger und folgender Flanke Guido Buchwalds, der bis dahin nicht für Filigranes bekannt gewesen war. Bis dahin. Andreas Brehmes Bogenschuss entschied den Klassiker, der Elfmeter Marco van Bastens kam zu spät.
Im Viertelfinale gegen Tschechien brauchten auch die Deutschen einen Elfmeter durch Lothar Matthäus. Am Tag, als in der DDR die D-Mark eingeführt wurde, feierte Deutschland auch einen wichtigen Fußballsieg. Nur Perfektionist Beckenbauer war unzufrieden und trat in der Kabine gegen einen Eiskübel. Weil die dezimierten Tschechen noch zu Chancen gekommen waren, schimpfte er: "Ich hatte gedacht, ich hätte eine intelligente Mannschaft. Heute war sie nicht intelligent."
Nach fünf Spielen mussten die DFB-Auswahl Mailand verlassen und in Turin dem alten Rivalen England begegnen. Völler war wieder dabei, schied aber verletzt aus. Nach Andreas Brehmes Freistoßtor winkte schon das Finale, aber Gary Lineker erzwang eine Verlängerung und letztlich ein Elfmeterschießen. An diesem Tag begann das englische Trauma vom ominösen Punkt. Während alle Deutschen trafen, vergaben zwei Briten.
Im Finale von Rom wartete der Weltmeister, erstmals in der Historie wiederholte sich eine Endspielpaarung. 1986 hatten die Argentinier in Mexiko gewonnen, doch nun waren sie eine andere Elf - ihren Fixpunkt Diego Maradona auszuschalten war die halbe Miete. Guido Buchwald löste diese Aufgabe mit Bravour. Aber auch das einseitigste Finale der WM-Geschichte, bei dem Bodo Illgner nur eine Rückgabe von Andreas Brehme zu halten bekam, brauchte einen Elfmeter, den Rudi Völler herausholte. Weil Matthäus wegen Schuhproblemen zurücktrat, nahm sich Brehme den Ball und nutzte die Chance zur Unsterblichkeit. Um 22.09 Uhr stemmten die deutschen Spieler den WM-Pokal in den Nachthimmel von Rom. Und Franz Beckenbauer wanderte einsam über den Rasen; das vielleicht berühmteste Bild seines Lebens markierte auch den Zenit seiner Karriere.
Wer schoss die deutschen Tore?
Matthäus (4), Brehme, Klinsmann, Völler (je 3), Bein, Littbarski (1).
Elfmeterschießen: Matthäus, Brehme, Riedle, Thon.
Wieviel eingesetzte Spieler?
17.
Fakten
Nur bei dieser WM geriet Deutschland nie in Rückstand.
Die Finalelf lief nur ein einziges Mal in dieser Besetzung auf.
21 Spieler standen mindestens einmal im Spieltagskader, nur der Bremer Günter Hermann nie.
Kurioses
Das Tor zum 4:1 gegen Jugoslawien gab die FIFA zunächst Andreas Brehme. Der DFB ermittelte nach interner Zeugenbefragung Rudi Völler, der den Ball noch berührt hatte, und führt ihn seither in seiner Statistik. Die FIFA zog nach einigem Zögern nach.
Zitat
"Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wenn jetzt noch die Spieler aus der DDR dazu kommen, sind wir auf Jahre hinaus nicht zu besiegen." (Franz Beckenbauer nach dem WM-Finale)
Kategorien: WM 2026, Männer-Nationalmannschaft, Weltmeisterschaft
Autor: um

Mitfiebern und gewinnen: Das DFB-Lizenzgewinnspiel zur WM 2026
Die WM 2026 steht vor der Tür. Genau der richtige Zeitpunkt, um sich auch als Fan einzustimmen. Passend zum Turnier in den USA, Kanada und Mexiko startet das DFB-Lizenzgewinnspiel mit vielen Highlights der Lizenzpartner.

Ticker: Von Frankfurt nach Chicago
Der WM-Countdown läuft. Am Dienstag hebt der deutsche Tross mit dem Flieger in Richtung Chicago ab, wo es am Samstag im letzten Test gegen Gastgeber USA geht. Der DFB.de-Team-Ticker hält Fans mit neuesten Infos auf dem Laufenden.

Das sind die Rückennummern für die WM 2026
Die DFB-Auswahl macht sich auf zur WM in den USA, Kanada und Mexiko - heute Mittag fliegt sie von Frankfurt nach Chicago. Mit im Gepäck sind die Trikots der Nationalspieler mit den Rückennummern von 1 bis 26. Und das sind sie.