Weltmeisterschaft
WM 1954: Das Wunder von Bern

Am 11. Juni beginnt die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Deutschland nimmt zum bereits 21. Mal an einer WM-Endrunde teil. In einer Serie blickt DFB.de auf die deutsche WM-Geschichte zurück, von Turnier zu Turnier. Heute: die dritte Teilnahme mit dem WM-Triumph 1954 in der Schweiz.
Erstmals nach dem Krieg durfte Deutschland wieder teilnehmen, aber niemand erwartete etwas Großes. "Hoffen wir auf ein Wunder", schrieb der Kicker vor dem Turnier. Nach der Saison hatte Sepp Herberger seine 30 Kandidaten im Schwarzwald zusammengezogen und in der Münchner Sportschule Grünwald traf er die endgültige Auswahl. Er setzte auf den Kaiserslauterer Block (fünf Spieler) um Kapitän Fritz Walter trotz einer 1:5-Niederlage im Meisterschaftsfinale gegen Hannover 96, der im Kader nicht vertreten war. Mit 22 Spielern bezogen sie im Hotel Belvedere in Spiez, direkt am Thuner See, Quartier.
Der Weg nach Bern
Der kuriose Modus sah zwar Spiele in Vierergruppen vor, doch nicht jeder spielte gegen jeden, sondern nur die beiden Gesetzten gegen die Ungesetzten. Deutschland war wie Südkorea ungesetzt, musste gegen Ungarn und die Türkei spielen. Das Torverhältnis spielte keine Rolle. Herberger sah im Spiel gegen die Türkei den Schlüssel und rechnete mit einem Entscheidungsspiel, da er erwartete, dass beide Teams zwei Punkte haben würden. So ließ er sich schon im April vom DFB genehmigen, gegen Ungarn nur eine Reserve-Elf aufzubieten. Nach dem 4:1 zum Auftakt gegen die Türken stellte er in Basel auf sieben Positionen um und kassierte ein desaströses 3:8. Er erhielt Drohbriefe aus der Heimat, ein enttäuschter Anhänger forderte ihn auf, sich aufzuhängen und "zwar in der Weise, dass der Strick danach noch zu verwenden ist". Psychologe Herberger las die gemeinsten Briefe vor dem zweiten Spiel gegen die Türkei in der Kabine vor und motivierte die Elf damit zusätzlich. Für ihren "Chef" ging diese Mannschaft durchs Feuer. Das Resultat gab ihm Recht: 7:2.
Nun ging es im K.o.-Modus weiter und auf dem Weg nach Bern fand sich allmählich die Weltmeister-Elf. Im Viertelfinale gegen Jugoslawien stand endlich Helmut Rahn im Team und als Herberger ihn antrieb ("Ei Helmut, wo bleibt’n dein Tor?") entschied der Essener das Spiel prompt. Es war ein erzitterter Sieg (2:0), den der überragende Toni Turek festhielt. Erst im grandiosen Halbfinale gegen Österreich lief die Elf auf, die Weltmeister werden sollte. Nach dem 6:1 von Basel bestand auch keinerlei Grund zu Umstellungen.
Dann kam er, der mythische 4. Juli, der Tag von Bern. Es regnete, es war Fritz-Walter-Wetter. Gegner im Wankdorf-Stadion waren wieder die Ungarn – seit dem 14. Mai 1950 ungeschlagen, dabei als erste kontinentale Mannschaft in Wembley siegreich (6:3 gegen England), seit 1952 amtierender Olympia-Sieger. Die Magyaren waren bei den Buchmachern der Weltmeister-Tipp schlechthin, auch wenn sie gar nicht von dieser Welt zu sein schienen. Bis Bern schraubten sie ihre Serie auf 32 Spiele ohne Niederlage, 28 davon waren Siege – bei 144:33 Toren. Dass sie das Finale gewinnen würden, stand für die Heimat außer Frage. Eine Sonderbriefmarke für die kommenden Weltmeister war bereits gedruckt und hinter dem Budapester Nep-Stadion wurden die Sockel für 17 überlebensgroße Denkmäler errichtet. Sie stehen noch heute da als Mahnmal für sträflichen Leichtsinn.
Wunder gegen Ungarns Wunder-Mannschaft
Ausgerechnet diese Wunder-Mannschaft, die im Schnitt 4,3 Tore schoss, stand dem größten Triumph des deutschen Fußballs noch im Wege. Und nach acht Minuten stand es schon 0:2, Puskas und Czibor nutzten zwei gravierende Abwehrschwächen. Nun brauchten sie wirklich ein Wunder. Sie schafften es mit deutschen Tugenden und mit Vorsprung durch Wissen. Schraubstollen kannte die Welt eigentlich noch nicht, sie waren eine deutsche Spezialität und ihre Geheimwaffe bei diesem Turnier. Im Matsch von Bern zahlte sie sich aus, nur die Ungarn rutschten aus. Max Morlock (10.) und Helmut Rahn (18.) sorgten für den 2:2-Pausenstand.
Dann trieb Herberger sie in der Kabine zum Sieg. Einen Streit schlichtete er mit diesen Worten: "Jetzt ist aber Ruhe, wir können hier Weltmeister werden, und ihr kriegt euch in die Haare. Jetzt rede ich. Kämpft. Einer für alle, alle für einen. Das war und ist unser Motto. So, und nun raus auf den Platz, ihr wisst, worum es geht!" Das ausgewogene Spiel entschied dann ein Schuss aus dem Hintergrund von Helmut Rahn, den auch heute noch fast jedes Kind kennt. Historiker sehen in dem 3:2 von Bern den eigentlichen Gründungstag der BRD.
Im Laufe der Jahre wurden die mittlerweile alle verstorbenen Weltmeister zu den "Helden von Bern" und ihr Sieg zu einem "Wunder von Bern". Zahlreiche Bücher sind darüber geschrieben worden und 2004 kam ein erfolgreicher Film über sie ins Kino, der auch Menschen rührte, die 1954 nicht miterlebt hatten. Fast allen Spielern sind in ihren Heimatorten Denkmäler oder zumindest Straßennamen gewidmet. Dem Trainer, zu dessen Vermächtnis die "Sepp-Herberger-Stiftung" zählt, natürlich auch.
Und die Ungarn? Blieben noch zwei Jahre ungeschlagen und verloren zwischen 1950 und 1956 von 50 Spielen tatsächlich nur eines - das am 4. Juli 1954 in Bern.
Wer schoss die deutschen Tore?
Morlock (6), Rahn, Schäfer, O. Walter (je 4), F. Walter (3), Herrmann, Klodt, Pfaff (je 1).
Wie viele Spieler wurden eingesetzt?
18 - pro Einsatz gab es eine Prämie von 200 Mark. Der ganze Kader erhielt 1000 Mark. "Großverdiener" waren Horst Eckel und Fritz Walter, die immer spielten und auf 2200 Mark kamen.
Fakten und Kurioses
Das Torverhältnis von 23:14 ist ein doppelter Rekord. Kein Weltmeister schoss je mehr Tore - und keiner bekam mehr Gegentore in einem WM-Turnier.
Schalkes Bernhard Klodt versprach vor der WM, beim Titelgewinn bekleidet in den Thuner See zu springen. Das musste er dann wider Erwarten einhalten.
Bemerkenswertes Zitat
"Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen. Rahn schießt, Tor, Tor, Tor" (Rundfunkreporter Herbert Zimmermann beim 3:2 im Finale).
Kategorien: Weltmeisterschaft, Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: um

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