Weltmeisterschaft
WM 1934: "Weltmeister der Amateure"

Am 11. Juni beginnt die WM in den USA, Kanada und Mexiko. Deutschland nimmt zum bereits 21. Mal an einer WM-Endrunde teil. In einer Serie blickt DFB.de auf die deutsche WM-Geschichte zurück, von Turnier zu Turnier. Heute: die erste WM-Teilnahme 1934 in Italien.
Die Geschichte der WM begann bereits 1930 in Uruguay. Es war ein seltsames Turnier, wer dabei sein wollte, spielte mit. Ohne ein einziges Qualifikationsspiel kamen zwölf Ländermannschaften nach Montevideo, wo alle Spiele stattfanden. Deutschland verzichtete, die Überfahrt per Schiff war den meisten Europäern zu weit - Atlantikflüge gab es noch nicht. Außerdem lehnte der DFB das Profitum ab und war nicht bereit, sich mit bezahlten Fußballern zu messen. Diese Einstellung änderte sich schon bald - zum Glück. Seitdem hat Deutschland jede WM erreicht, an der es teilnehmen wollte oder durfte. Den Auftakt machte das Turnier in Italien 1934 mit nunmehr 16 Mannschaften.
Die DFB-Auswahl wurde seit 1926 vom ersten Bundestrainer Dr. Otto Nerz geführt und mit militärischem Drill auf das Turnier vorbereitet. Nur ein Glas Saft war erlaubt bei drückender Hitze, und niemand durfte erfahren, wo genau die Mannschaft am Comer See einquartiert war. Der bis heute jüngste deutsche WM-Kader (Schnitt 24,07 Jahre) schlug sich wider Erwarten gut. Gespielt wurde im K.o.-System, die Hälfte der Teilnehmer fuhr nach nur einem Spiel nach Hause. Deutschland blieb dagegen fast bis zum Schluss.
Nach Siegen über Belgien (5:2) und Schweden (2:1) winkte schon im dritten WM-Spiel überhaupt das WM-Finale. Aber der Dresdner Torwart Willibald Kreß hatte in Rom gegen die Tschechoslowakei einen rabenschwarzen Tag und patzte zweimal - angeblich hatte er Liebeskummer. Jedenfalls verloren die Deutschen mit 1:3 und bestritten deshalb das "kleine Finale" gegen den favorisierten Nachbarn Österreich.
Gegen die Wiener Profis schafften sie mit dem neuen Torwart Hans Jakob ein überraschendes 3:2, was nach den Kanterniederlagen gegen Austria von 1931 (0:6 und 0:5) eine Genugtuung war. Das Finale in Rom erlebte die Auswahl vor Ort, da auch sie geehrt wurde. Italien holte den WM-Pokal, Deutschland aber wurde in der Presse als "Weltmeister der Amateure" gefeiert, denn alle Spieler gingen noch einer geregelten Arbeit nach. Bei ihrer Rückkehr wurden sie mit dem goldenen Ehrenkreuz des deutschen Sports und einem Bild des Reichssportführers ausgezeichnet. WM-Prämien anno 1934 - ums Geld ging es noch nicht.
Wer schoss die deutschen Tore?
Edmund Conen (4), Ernst Lehner (2), Karl Hohmann, Stanislaus Kobierski, Rudolf Noack, Otto Siffling.
Wie viele Spieler wurden eingesetzt?
Otto Nerz nahm nur 18 Spieler mit, vier blieben auf Abruf - einen nominierte er noch nach. Nur der Düsseldorfer Ernst Albrecht spielte keine Sekunde.
Rekorde und besondere Leistungen:
Im Spiel im Platz drei schoss der Augsburger Ernst Lehner das schnellste deutsche WM-Tor nach nur 24 Sekunden.
Beim 5:2 gegen Belgien glückte Edmund Conen nach der Pause ein lupenreiner Hattrick. Der damals 19 Jahre alte Saarbrücker blieb weltweit bis 1958 der jüngste Spieler, dem das gelungen war - dann betrat ein gewisser 17-Jähriger namens Pelé die Weltbühne des Fußballs.
Kurioses
Nach dem Viertelfinale gegen Schweden reiste der Frankfurter Rudolf Gramlich aus beruflichen Gründen ab. Otto Nerz nominierte den Aachener Reinhold Münzenberg nach, der auf Abruf stand, aber auch unmittelbar vor seiner Hochzeit. Die ließ er dann platzen und wurde zum ersten Nationalspieler, der zu einer WM flog (Köln - Rom) - die Kameraden waren noch mit dem Zug gekommen. Im Spiel um Platz drei wurde Münzenberg dann eingesetzt, die Hochzeit fand wenige Wochen später statt.
Bemerkenswertes Zitat
"Diese deutsche Mannschaft gehört zu den besten der Welt." (Corriere della Sera)
Wer wurde Weltmeister?
Italien siegte im Finale gegen die Tschechoslowakei mit 2:1 nach Verlängerung.
Kategorien: Weltmeisterschaft, Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: um
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