2. Frauen-Bundesliga
VfB-Zugang Reena Wichmann: "Rasante Entwicklung"

Im Topspiel der 2. Frauen-Bundesliga kann Tabellenführer VfB Stuttgart am Sonntag (ab 11 Uhr) gegen den viertplatzierten SV Meppen einen großen Schritt in Richtung Aufstieg machen. Mittelfeldspielerin Reena Wichmann (28), seit der Winterpause für die Schwäbinnen am Ball, kennt sich in der Google Pixel Frauen-Bundesliga bereits bestens aus. Im DFB.de-Interview spricht die studierte Informatikerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihren möglichen dritten Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse.
DFB.de: Abgesehen von einer Unterbrechung während Ihres Studiums in den USA waren Sie fast zwölf Jahre für den SV Werder Bremen am Ball. Wie schwer ist Ihnen in diesem Winter der Abschied gefallen, Frau Wichmann?
Reena Wichmann: Schon sehr schwer. Ich hatte zwar bereits im Sommer überlegt, ob es nicht besser wäre, eine neue Herausforderung anzunehmen, die Komfortzone zu verlassen und einen anderen Verein kennenzulernen. Es dann auch wirklich umzusetzen, ist aber noch einmal etwas anderes. Dennoch fühlte es sich richtig an.
DFB.de: Warum haben Sie sich für den Wechsel zum VfB Stuttgart in die 2. Frauen-Bundesliga entschieden?
Wichmann: Als die Anfrage kam, war das Projekt für mich auf Anhieb sehr reizvoll. Beim VfB soll langfristig etwas aufgebaut werden. Schon in den zurückliegenden Jahren wurde viel investiert, um nach vorne zu kommen. Die beiden Aufstiege von der Oberliga bis in die 2. Frauen-Bundesliga und der aktuelle Saisonverlauf zeigen, dass der Weg richtig ist.
DFB.de: Wie haben Sie sich eingelebt und wie zufrieden sind Sie mit Ihren Leistungen?
Wichmann: Es ging gleich von Null auf Hundert los. Vor meinem Debüt gegen die SG 99 Andernach hatte ich nur zweimal mittrainiert. Nach und nach bin ich dann immer besser reingekommen. Das Team hat es mir auch leichtgemacht, mich einzugewöhnen.
DFB.de: Es standen schon zuvor viele erfahrene Spielerinnen im Kader. Wie würden Sie Ihre Rolle innerhalb des Teams beschreiben?
Wichmann: Obwohl ich noch neu dabei bin, versuche ich selbstverständlich, Verantwortung zu übernehmen. Man darf nicht vergessen, dass wir auch sehr viele junge Spielerinnen im Kader haben, die ich mit meiner Erfahrung und Mentalität unterstützen möchte.
DFB.de: Mussten Sie sich im Vergleich zum SV Werder umstellen?
Wichmann: Bei der Infrastruktur und den Rahmenbedingungen für den Frauenfußball ist Bremen noch ein Stück weiter. Das ist aber völlig normal. Schließlich gibt es die VfB-Frauen seit nicht einmal vier Jahren. Von daher ist die Entwicklung rasant - und wird sich mit Sicherheit weiter fortsetzen.
DFB.de: War das Rekordspiel mit mehr als 31.000 Fans in der MHP Arena gegen den 1. FSV Mainz 05 schon ein Vorgeschmack darauf, was in Stuttgart möglich ist?
Wichmann: Das war ohne Zweifel ein Meilenstein auf unserem Weg. Es war cool, dass so viele Menschen ins Stadion gekommen sind. Klar, der Verein hat auch sehr viel Werbung gemacht und kann einen solchen Aufwind sicherlich nicht jede Woche betreiben. Wenn es in Zukunft aber vielleicht ein- oder zweimal pro Saison klappen könnte, wäre das schon riesig.
DFB.de: Sie haben mit dem SV Werder schon zuvor einige Highlightspiele im großen Stadion erlebt. Was macht das mit Ihnen als Spielerin?
Wichmann: Vor allem die Aufmerksamkeit im Umfeld rund um die Partien war krass. In Bremen habe ich mich teilweise wie ein Ticketcenter gefühlt, so viele Anfragen gab es wegen der Eintrittskarten. (lacht) Auf dem Spielfeld versucht man dann, die Atmosphäre zu genießen. Der Fokus muss aber immer darauf liegen, das Spiel möglichst zu gewinnen.
DFB.de: Sie haben für Bremen unter anderem auch mehr als 100 Bundesligapartien bestritten. Kommen schon in der nächsten Saison weitere Spiele für den VfB hinzu?
Wichmann: Das hoffe ich doch sehr. Es ist ganz klar unser Ziel, den direkten Durchmarsch im Saisonendspurt perfekt zu machen. Wir befinden uns in einer guten Ausgangsposition und werden alles geben, um bis zum Saisonende auf einem Aufstiegsplatz zu bleiben.
DFB.de: Vier Spieltage vor dem Saisonende beträgt der Vorsprung vor einem Nichtaufstiegsplatz fünf Punkte. Unter anderem trifft der VfB noch auf die direkten Konkurrenten SV Meppen und SC Sand. Wird in diesen Begegnungen die Entscheidung über den Aufstieg fallen?
Wichmann: Gute Frage. Grundsätzlich ist es letztlich egal, gegen wen man die nötigen Punkte holt. Deshalb war es auch extrem wichtig, dass wir nach dem herben Dämpfer durch die 2:4-Heimniederlage gegen Mainz 05 die folgenden Auswärtspartien in Potsdam und Warbeyen jeweils souverän für uns entscheiden konnten. Ein Heimsieg gegen den SV Meppen wäre jetzt zweifellos ein großer Schritt in die richtige Richtung, am Ziel wären wir dann aber auch noch nicht. Das Duell mit dem SC Sand findet erst am letzten Spieltag statt. Es wäre gut, wenn wir den Aufstieg schon vorher klarmachen könnten.
DFB.de: Sie waren vor einigen Jahren auch schon für den SV Werder in der 2. Frauen-Bundesliga am Ball, schafften zweimal den Aufstieg. Welche Unterschiede haben Sie festgestellt?
Wichmann: Das sportliche Niveau ist noch einmal deutlich gestiegen. Damals waren beispielsweise deutlich mehr zweite Mannschaften dabei. Inzwischen tun sich selbst die Nachwuchsteams von Spitzenklubs wie dem FC Bayern München, dem VfL Wolfsburg oder Eintracht Frankfurt mit ihren zahlreichen sehr jungen Spielerinnen schwer, den Klassenverbleib zu schaffen. Da zeigt schon, dass andere Klubs deutlich aufgeholt haben.
DFB.de: Worauf wird es im Endspurt ganz besonders ankommen?
Wichmann: Ein entscheidender Faktor ist die Stabilität in der Defensive. Daher war es wichtig, zuletzt zweimal zu Null zu spielen, nachdem wir vorher zu viele Gegentore hinnehmen mussten. So müssen wir weitermachen. Wir alle haben den Glauben, dass wir unser Ziel erreichen.
DFB.de: Welche persönlichen Ziele verfolgen Sie über das Saisonende hinaus?
Wichmann: Ich habe auf jeden Fall Lust, noch einige Jahre zu spielen. Ich möchte mit dem VfB beweisen, dass ich nach wie vor das Niveau besitze, mich in der Bundesliga behaupten zu können.
Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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