2. Frauen-Bundesliga
Gerber: "Mehr als 30.000 Fans - das ist phänomenal"

Mit 31.736 Zuschauer*innen in der MHPArena gegen den 1. FSV Mainz 05 (2:4) stellte der VfB Stuttgart einen Rekord für die 2. Frauen-Bundesliga auf. Trotz der Niederlage gegen den direkten Konkurrenten haben die Schwäbinnen als Tabellenzweiter gute Chancen auf den erstmaligen Sprung in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Dabei war der VfB noch bis 2024 in der Oberliga Baden-Württemberg am Ball. Im DFB.de-Interview spricht Stuttgarts Trainer und Ex-Nationalspieler Heiko Gerber (53) mit Mitarbeiter Ralf Debat über das Highlightspiel und die Aufstiegsambitionen.
DFB.de: Mehr als 31.000 Fans strömten zum Spitzenspiel in der 2. Frauen-Bundesliga gegen den 1. FSV Mainz 05 in die Stuttgarter MHPArena. Mal ehrlich: Hätten Sie das noch vor einem halben Jahr für möglich gehalten, Herr Gerber?
Heiko Gerber: Ich wusste um das sehr große Potenzial des Frauenfußballs in Stuttgart und hatte schon vermutet, dass wir in der Lage sind, mit einem Highlight-Spiel 15.000 bis 20.000 Fans ins Stadion zu locken. Dass es sogar mehr als 30.000 wurden, ist phänomenal.
DFB.de: Wie haben Sie die Atmosphäre empfunden?
Gerber: Die Stimmung war mega. Es waren besonders viele Frauen und Kinder im Stadion, es wurden sämtliche VfB-Lieder angestimmt. Besonders hat mir gefallen, dass trotz unseres deutlichen Rückstands in der Schlussphase niemand gegangen ist. Wir wurden bis zur letzten Sekunde wunderbar unterstützt.
DFB.de: Fühlten Sie sich ein wenig an Ihre eigene Laufbahn erinnert?
Gerber: Ja, schon. Zwar ist das sehr lange her und das Stadion sieht inzwischen auch ein wenig anders aus. Aber es ist und war definitiv etwas Besonderes, dort unten zu stehen. Wobei der Druck als Trainer noch etwas größer ist, als es als Spieler der Fall war.
DFB.de: Nach neun Partien ohne Niederlage ging der VfB beim 2:4 erstmals wieder leer aus. Wie sehr hatte das auch etwas mit der Kulisse zu tun?
Gerber: Eine leichte Nervosität war schon zu spüren. Hinzu kam, dass Mainz 05 ein Gegner ist, der uns nicht gut liegt. Das Hinspiel hatten wir zwar nach einem 0:4-Rückstand noch gewonnen. Im DFB-Pokal sind wir aber zweimal nacheinander gegen Mainz ausgeschieden. Dennoch hatten wir uns natürlich mehr erhofft. Wir sind dann aber durch einen Fehler auf die Verliererstraße geraten. Außerdem müssen wir anerkennen, dass der Gegner ein sehr starkes Spiel abgeliefert hat.
DFB.de: Was hatten Sie Ihren Spielerinnen mit auf den Weg gegeben?
Gerber: Wir hatten sehr lange auf dieses Spiel hingefiebert. Daher sollten sie es vor allem genießen. Er ist eine große Wertschätzung des Vereins, dass wir in der Arena spielen durften. Wir haben uns vorgenommen, alles zu investieren und niemals aufzugeben. Das hat das Team beherzigt und selbst nach dem 1:4 versucht, noch einmal zurückzukommen.
DFB.de: Was bedeutet dieser sportliche Rückschlag für das Rennen um den Aufstieg in die Google Pixel Frauen-Bundesliga?
Gerber: Das heißt vor allem, dass wir im Endspurt voll fokussiert bleiben müssen. Wir werden die Partie genau analysieren, aber auch nicht überbewerten. Es kommt darauf an, im nächsten Spiel bei Turbine Potsdam wieder unsere bestmögliche Leistung zu bringen.
DFB.de: Der Vorsprung vor einem Nichtaufstiegsplatz beträgt immer noch drei Punkte. Hinzu kommt das bessere Torverhältnis. Wie schätzen Sie die Ausgangsposition ein?
Gerber: Wir befinden uns nach wie vor in einer guten Position. Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns. Hinter dem SC Sand und uns lauern mit dem SV Meppen und Mainz 05 zwei starke Mannschaft, die auf Schwächen von uns warten.
DFB.de: Sechs Spiele stehen noch aus, vier davon auswärts. Es gibt auch noch Duelle mit den direkten Konkurrenten SV Meppen und SC Sand. Wie bewerten Sie das Restprogramm?
Gerber: Entscheidend ist, dass wir alles in der eigenen Hand haben. Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, werden wir unser Ziel erreichen. Wir wissen aber auch, dass die vermeintlich einfacheren Spiele alles andere als einfach sind. Auch in der 2. Frauen-Bundesliga ist das Niveau deutlich gestiegen. Jeder Gegner ist gefährlich.
DFB.de: Das Gastspiel beim aktuellen Spitzenreiter in Sand findet am 17. Mai im Rahmen des letzten Spieltages statt. Wie gerne würden Sie ein "Finale" um den Aufstieg vermeiden?
Gerber: Sehr, sehr gerne. Ich wäre froh, wenn schon eine oder zwei Wochen vorher alles geklärt wäre. Auf der anderen Seite sind wir kurioserweise in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils in Sand bei Duellen mit der zweiten Mannschaft des SCS aufgestiegen. Sollte es so sein, dass es jetzt dort zum dritten Mal klappt, hätte ich auch nichts dagegen.
DFB.de: Sie waren acht Jahre Profi in Stuttgart und haben Ihre bisherige Trainerlaufbahn komplett beim VfB verbracht. Wie würden Sie Ihre Verbindung zum Verein beschreiben?
Gerber: Ich komme zwar aus dem Erzgebirge. Inzwischen ist Stuttgart aber schon seit fast 30 Jahren meine Heimat und der VfB mein Herzensverein. Deshalb gibt es auch keine Überlegung, den Klub zu verlassen.
DFB.de: Seit 2022 sind die Trainer der VfB-Frauen. Warum?
Gerber: Ich war bis dahin Co-Trainer bei der zweiten Männermannschaft und habe die Anfrage bekommen, ob ich nicht als Cheftrainer bei der Frauen arbeiten möchte. Das Projekt, hier langfristig etwas aufzubauen, hat mich von Beginn an begeistert und gereizt.
DFB.de: Mussten Sie sich und Ihre Arbeitsweise sehr umstellen?
Gerber: Zu Beginn schon ein wenig, da die sportliche Qualität im Team zu dieser Zeit noch nicht so hoch war. Das hatte also nichts mit dem anderen Geschlecht zu tun. Das macht sich allenfalls bei der Ansprache der Spielerinnen bemerkbar. Meine Idee vom Fußball musste ich aber zu keinem Zeitpunkt verändern.
DFB.de: Angefangen haben Sie in der viertklassigen Oberliga Baden-Württemberg. War Ihnen schon damals klar, wohin der Weg führen würde?
Gerber: Der Plan des Vereins war klar kommuniziert. Innerhalb von drei bis fünf Jahren wollten wir die 2. Frauen-Bundesliga erreichen. Dass wir jetzt die Chance haben, schon im vierten Jahr in die Bundesliga aufzusteigen, ist eine phantastische Entwicklung.
DFB.de: Worauf wird es vor allem ankommen, um einen Aufstiegsplatz im Saisonendspurt zu behaupten?
Gerber: Wir müssen die richtigen Lehren aus unseren Rückschlägen ziehen. Wir tun gut daran, uns immer nur auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Schon am Sonntag wartet in Potsdam ein schwieriges Spiel, in dem wir drei Punkte holen wollen.
DFB.de: Dass der VfB Stuttgart eine große Bereicherung für die Google Pixel Frauen-Bundesliga wäre, hat spätestens das Highlight-Spiel gegen Mainz gezeigt, oder?
Gerber: Ja, auf jeden Fall. Wie gesagt: Das Potenzial ist riesig. Sollten in der nächsten Saison Bayern München, der VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt, die TSG Hoffenheim oder der SC Freiburg nach Stuttgart kommen, dann kann ich mir gut vorstellen, dass diese Duelle von den Fans sehr gut angenommen werden.
Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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