DFB-Nachwuchsliga

U 17-Trainer Schilk und Jungwirth: "Für die Entwicklung Gold wert"

14.05.2026
Jungwirth (r.): "Alle freuen sich auf das Endspiel, eine Spur Nervosität wird aber auch dabei sein" Fotos: DFB/dpa Picture-Alliance

Im Endspiel um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft stehen sich am Samstag (ab 11 Uhr, live bei Sky) die U 17-Teams der TSG Hoffenheim und des VfB Stuttgart im Sinsheimer Dietmar-Hopp-Stadion gegenüber. Für die TSG ist der zweite Titel nach 2008, für den VfB bereits die achte Meisterschaft möglich. Im DFB.de-Interview sprechen die Trainer Tobias Schilk (34) und Daniel Jungwirth (44) über das Finale.

DFB.de: Das Finale um die nationale U 17-Krone bildet den Höhepunkt der Saison. Stehen sich die beiden besten Teams in Deutschland gegenüber, Herr Schilk und Herr Jungwirth?

Tobias Schilk: Es treffen auf jeden Fall zwei Topmannschaften aufeinander. In einem solchen Wettbewerb mit mehreren K.o.-Runden spielen aber sehr viele Faktoren eine Rolle. Auch Matchglück gehört immer dazu.

Daniel Jungwirth: Diese Frage kann auch ich nicht zu 100 Prozent beantworten, da wir nicht gegen sämtliche Teams antreten mussten und gerade in den K.o.-Spielen oft auch die Tagesform entscheidet. Wer jedoch das Finale erreicht, der hat es auf jeden Fall verdient.

DFB.de: Überwiegen die Anspannung oder die Vorfreude bei Ihren Spielern?

Schilk: Die Spieler, das Trainerteam und der gesamte Staff fiebern dem Finale entgegen. Es wird wichtig sein, die richtige Mischung aus Anspannung und Lockerheit zu finden.

Jungwirth: Auch bei uns freuen sich natürlich alle auf das Endspiel, eine Spur Nervosität wird aber auch dabei sein. Vor unserem Halbfinale gegen den FC Augsburg hat man schon gespürt, dass die Jungs nicht ganz so locker waren wie sonst.

DFB.de: Wird es eine besondere Vorbereitung geben?

Schilk: Mir ist bei aller gewissenhaften Trainingsarbeit wichtig, dass der Spaß nicht zu kurz kommt und wir auch einige lockere Spielformen einbauen. Parallel dazu führen wir auch das eine oder andere Gespräch mit den Jungs, um sie bestmöglich vorzubereiten.

Jungwirth: Auch wir bleiben bei unseren gewohnten Abläufen. Wir schauen auf uns und wollen auch im Finale unsere Spielweise durchdrücken.

DFB.de: Welche Qualitäten haben Ihre Mannschaft in dieses Endspiel gebracht?

Jungwirth: Der Teamspirit ist bei uns sehr stark ausgeprägt. Nur so war eine Energieleistung wie im Halbfinale gegen Augsburg möglich. Grundsätzlich zeichnet unsere Mannschaft aus, dass sie in der Lage ist, spielerisch sehr dominant aufzutreten.

Schilk: Unsere Jungs bringen ebenfalls immer eine große Energie auf den Platz, dazu stimmt der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft zu 100 Prozent. Die Spieler pushen sich gegenseitig und stehen füreinander ein. Das ist schon cool zu sehen.

DFB.de: Gab es einen Schlüsselmoment?

Jungwirth: Jede Saison hat viele verschiedene Momente. Da ist es schwierig, einen hervorzuheben. Spontan fallen mir die beiden Duelle mit dem FC Bayern München während der Vorrunde ein. Das Hinspiel hatten wir 3:5 verloren, obwohl wir da schon ebenbürtig waren. Im Rückspiel ist uns dann ein 6:2-Sieg gelungen. Das hat uns einen Schub gegeben.

Schilk: In der Hauptrunde der Liga A hatten wir aus den ersten fünf Partien nur zwei Punkte geholt. Wenn mir damals jemand gesagt, wir spielen am Saisonende um die Meisterschaft, dann hätte ich vermutlich müde gelächelt. Der 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern durch ein Standardtor in der Nachspielzeit war dann so etwas wie ein Brustlöser. Anschließend haben wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert.

DFB.de: Was macht für Sie den besonderen Reiz der K.o.-Spiele um den Titel aus?

Schilk: Es geht um Alles oder Nichts, du musst über 90 Minuten ans Limit gehen, um erfolgreich zu sein. Entsprechend ist auch der Fokus. Für die Entwicklung der Spieler ist das Gold wert.

Jungwirth: Da gehe ich voll mit. Die Drucksituationen, die in solchen Partien herrschen, lassen sich nicht simulieren. Daran sind die Jungs nicht gewöhnt. Daher ist es etwas ganz Besonderes. Genau diese Erfahrungen bringen die Talente weiter.

DFB.de: Welche Mannschaft geht als Favorit in das Endspiel?

Jungwirth: Auch wenn es sich wie eine Phrase anhört: Es ist nur ein Spiel. Da ist alles möglich. Klar ist aber auch, dass wir an uns glauben.

Schilk: Es gibt für mich keinen Favoriten, die Chancen stehen 50:50.

DFB.de: Welche Rolle spielt der Heimvorteil?

Schilk: Wir durften schon im Viertelfinale gegen den BVB im Dietmar-Hopp-Stadion spielen, haben uns dort sehr wohl gefühlt. Wir hoffen natürlich auf großen Support von den Rängen.

Jungwirth: Dass wir in der Endrunde bislang dreimal zu Hause antreten durften, hat uns schon gutgetan. Diese Ausgangsposition hatten wir uns durch den ersten Platz in der Hauptrunde verdient. Dennoch ist unser Team auch in der Lage, auswärts zu gewinnen.

DFB.de: Worauf wird es in erster Linie ankommen, um das Finale für sich zu entscheiden?

Schilk: Der VfB ist vor allem offensiv sehr stark, strahlt viel Torgefahr aus. Das müssen wir in den Griff bekommen und dann ein Tor mehr schießen als der Gegner. (lacht)

Jungwirth: Es kommt vor allem auf das Vertrauen in die eigene Stärke an. Wir sind auf alles vorbereitet.

DFB.de: Welchen Stellenwert hätte ein solcher Triumph für die einzelnen Spieler und die Nachwuchsabteilung des Klubs?

Jungwirth: Grundsätzlich stehen für uns nicht Titel, sondern die Ausbildung der einzelnen Spieler im Vordergrund. Je besser jedoch die Ausbildung ist und je mehr sich die Talente und auch das gesamte Team weiterentwickeln, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein. Von daher wäre der Gewinn der Meisterschaft definitiv ein Grund, um stolz zu sein.

Schilk: Alle Beteiligten im Klub betreiben einen großen Aufwand, um uns bestmögliche Rahmenbedingungen zu bieten. Das ist überragend. Deshalb wäre ein Titelgewinn eine großartige Belohnung für jeden einzelnen.

DFB.de: Es wäre jeweils auch der bislang größte Erfolg Ihrer Trainerkarrieren. Was würde Ihnen das bedeuten?

Jungwirth: Als Nachwuchsspieler des FC Bayern München war ich 1997 selbst Deutscher B-Junioren-Meister. Einen solchen Titel auch als Trainer zu gewinnen, wäre schon etwas ganz Besonderes und würde mich stolz machen.

Schilk: Es ist in der Tat alles andere als alltäglich, in einem Finale zu stehen. Das gilt natürlich auch für mich als Trainer. Schon der Einzug in das Endspiel ist ein großer Erfolg. Im Mittelpunkt stehen aber immer die Spieler.

DFB.de: Wie sehr helfen Ihnen die Erfahrungen, die Sie selbst als Spieler im Nachwuchsleistungszentrum und später als Profi gesammelt haben?

Jungwirth: Wenn man selbst mitbekommen hat, welche Belastungen auf die Spieler in dieser Phase zukommen, dann ist das zweifellos hilfreich. Ich kann mich gut in sie hineinversetzen und sie können sich sicher sein, dass ich weiß, wovon ich rede.

Schilk: Durch die eigenen Erlebnisse kann man schon besser nachvollziehen, was in den Köpfen der Jungs vorgeht. Ein Nachteil ist es daher sicher nicht.

DFB.de: Sie kommen beide aus München. Gab es zuvor schon Berührungspunkte?

Schilk: Da wir vom Alter einige Jahrgänge auseinander sind, gab es zur aktiven Zeit keine Duelle. Im zurückliegenden Dezember haben wir ein Testspiel gegeneinander bestritten. Der VfB gewann 1:0. Diesmal wollen wir das bessere Ende für uns haben.

Jungwirth: Das ist selbstverständlich auch unser Ziel. Grundsätzlich ist es eine coole Sache, dass unabhängig vom Ergebnis auf jeden Fall ein gebürtiger Münchner Deutscher Meister wird. (lacht)

Kategorien: DFB-Nachwuchsliga

Autor: mspw