DFB-Pokal der Juniorinnen
Turbine-Trainer Galleski: "Das macht den DFB-Pokal einzigartig"

In der ersten Runde um den DFB-Pokal der Juniorinnen gastiert die U 17 des 1. FFC Turbine Potsdam am Samstag (ab 12.30 Uhr) beim SV Warsingsfehn in Niedersachsen. In der Vorsaison schied der Turbine-Nachwuchs erst im Viertelfinale nach Elfmeterschießen aus. Im DFB.de-Interview spricht der 31 Jahre alte Potsdamer Trainer Dennis Galleski mit Mitarbeiter Peter Haidinger über den DFB-Pokal und die Talentförderung.
DFB.de: Für die U 17-Juniorinnen von Turbine Potsdam startet die neue Saison im DFB-Pokal. Welchen Stellenwert hat der Wettbewerb, der in dieser Saison zum dritten Mal ausgetragen wird, für Ihre Spielerinnen und den Verein, Herr Galleski?
Dennis Galleski: Der DFB-Pokal ist ein großartiger Wettbewerb, der alles bereithält, was den Fußball einzigartig macht. Sowohl emotional als auch für die Ausbildung unserer Spielerinnen haben die K.o.-Spiele im DFB-Pokal eine hohe Bedeutung.
DFB.de: Spüren Sie in dieser Woche eine besondere Anspannung im Team?
Galleski: Die Vorfreude überwiegt, weil immer die Chance besteht, in die nächste Runde zu kommen. Die Spielerinnen sind im Training gut gelaunt und freuen sich auf dieses Erlebnis.
DFB.de: Wie gut sind Sie über den Gegner informiert?
Galleski: Ich habe neben Sportwissenschaft auch Geographie auf Lehramt studiert, musste aber dennoch auf die Landkarte schauen, um den rund 450 Kilometer entfernten SV Warsingsfehn zu lokalisieren. (lacht) Genau solche Partien machen den DFB-Pokal aber so einzigartig. Wir reisen bereits am Vortag an, übernachten in einer Jugendherberge und nehmen am nächsten Tag die Partie in Ostfriesland in Angriff.
DFB.de: In der Vorsaison schied Turbine erst im Viertelfinale gegen Bayer 04 Leverkusen nach Elfmeterschießen aus. Welche Erinnerungen haben Sie noch daran?
Galleski: Wir hatten gleich mehrere Matchbälle auf dem Fuß, um die Partie sowohl in der normalen Spielzeit als auch in der Verlängerung für uns zu entscheiden. Im Elfmeterschießen benötigt man einen ruhigen Fuß, eine gute Entscheidungsfindung und auch ein wenig Glück. Für unsere Spielerinnen war die bittere Niederlage eine ganz wichtige Erfahrung, um daran zu wachsen.
DFB.de: Was nehmen Sie sich für die neue Pokalsaison vor?
Galleski: Bei einer U 17 sind Prognosen sehr schwierig, weil jeder Jahrgang komplett anders ist. Wir haben bereits einige Leistungsträgerinnen in unsere U 20-Mannschaft in der Frauen-Regionalligist Nordost hochgezogen. Dafür sind fünf ganz junge Spielerinnen aus der U 15, die noch nicht über diese robuste Körperlichkeit verfügen, in den Kader gerückt. Ich hoffe, dass wir gut in den Wettbewerb starten und sich danach ein Flow entwickelt. Grundsätzlich wollen wir so weit wie möglich kommen.
DFB.de: Was macht für Sie den besonderen Reiz des Pokalwettbewerbs aus?
Galleski: Man absolviert entweder Spiele gegen kleinere Gegner mit Dorffestcharakter oder muss sich mit vermeintlich stärkeren Teams auseinandersetzen. Der K.o.-Spielmodus ist großartig, weil Tagesform und Spielverlauf eine wesentliche Rolle spielen. In schwierigen Momenten müssen die Spielerinnen dann auch selbstständig an den Stellschrauben drehen, um auf dem Platz das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
DFB.de: K.o.-Spiele sind für Ihre Spielerinnen nicht an der Tagesordnung. Bereiten Sie das Team darauf besonders vor?
Galleski: Die emotionale Bereitschaft, sich während einer Partie mit allen möglichen Spielverläufen positiv auseinandersetzen, ist in K.o.-Spielen wichtig. Selbstverständlich arbeiten wir mit den Spielerinnen auch im sportpsychologischen Bereich. Ein Matchplan sollte möglichst nicht nach einem Rückstand zerbrechen, weil jede Spielerin dann plötzlich ihre eigene Idee verfolgen. Auch bei einer Führung sollte man sich an den Plan halten, ohne dass kreative Lösungen jemals verboten sind. Die gehören zum Spiel immer dazu.
DFB.de: Nach der Umstrukturierung der B-Juniorinnen-Bundesliga hat sich der 1. FFC Turbine Potsdam entschieden, auf regionaler Ebene gegen männliche Juniorenteams anzutreten. Warum?
Galleski: Die Entwicklung im Frauenbereich ist extrem dynamisch. Die Spielgeschwindigkeit gegen männliche Juniorenteams ist hoch, was wir als Ausbildungsziel haben wollen. Auch die Körperlichkeit spielt eine Rolle. Die Spielerinnen sollen sich trauen, robust und aktiv ihren Körper in die Zweikämpfe gegen die Jungs einzusetzen.
DFB.de: Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Galleski: Nach dem ersten Saisonspiel kam der gegnerische Trainer zu mir, folgt uns nun auf Instagram und möchte die Krafttrainingseinheiten auf seine Jungs adaptieren. Generell gibt es viel Respekt und tolle Momente auf dem Platz.
DFB.de: Wie würden Sie grundsätzlich die Philosophie des Vereins bei der Förderung junger Spielerinnen beschreiben?
Galleski: Wir wollen die Einflüsse, die vom Fußballverband Brandenburg kommen, mit der Ausbildung von der Sportschule in Potsdam und der eigenen Vereinsphilosophie verbinden. Spielerinnen der Landesauswahl kennen die Prinzipien. Dazu haben wir schulische Ausbildungsziele, die wir mit den Talenten verfolgen. Man darf die Spielerinnen in dem Altersbereich aber auch nicht überfrachten.
DFB.de: Was reizt Sie grundsätzlich an der Zusammenarbeit mit Talenten?
Galleski: Eine Sportlerin ganzheitlich ausbilden zu dürfen, ist für mich als Lehrertrainer des Landes Brandenburg ein Privileg. An der Eliteschule des Sports in Potsdam bin ich auch für die Eliteförderung im Fußball zuständig. So kann ich als Sportwissenschaftler und A-Lizenztrainer meine Ideen viel langfristiger und ganzheitlicher umsetzen, um Spielerinnen und Talente zu entwickeln. Außerdem helfen mir meine Erfahrungen als Cheftrainer im Profibereich der Frauen und auch meine kurze Zeit als Sportlicher Leiter, um eine klare Struktur in die Ausbildung der Talente zu bekommen, weil man erlebt hat, was es benötigt, um den Weg nach oben und in den Profibereich zu schaffen.
DFB.de: Der 1. FFC Turbine Potsdam gehörte viele Jahre zu den Topklubs in der Google Pixel Frauen-Bundesliga, war allein sechsmal Deutscher Meister. Inzwischen kämpft die erste Mannschaft in der 2. Frauen-Bundesliga um den Klassenverbleib. Wie macht sich das auch für den Nachwuchs bemerkbar, der ebenfalls lange Zeit führend in Deutschland war?
Galleski: Wenn die erste Mannschaft sportliche Probleme hat, dann hat das auch Auswirkungen auf den Nachwuchs, aber nicht unbedingt negative. Vielmehr ist die Durchlässigkeit von der U 17 in die U 20 und in den Profibereich bei uns höher als vielleicht in anderen Vereinen. Für talentierte Spielerinnen sind bei uns die Chancen groß, sich im Frauenbereich durchzusetzen. So wurde beispielsweise Angreiferin Alea Pospiech mit ihren 16 Jahren bereits zweimal in der 2. Frauen-Bundesliga eingesetzt.
DFB.de: Warum ist Turbine Potsdam nach wie vor für Talente attraktiv?
Galleski: Weil wir eine funktionierende Sportschule mit einem Verbundsystem aus Verband, Sportschule und Verein haben. Wir können zweimal in der Woche in top ausgestatteten Krafträumen trainieren. Viermal in der Woche trainieren wir auf Rasen- oder Kunstrasen. Darüber hinaus ist das FFC-Funktionsteam bestens ausgebildet. Das alles hilft den Spielerinnen, sich zu entwickeln und zu verbessern.
DFB.de: Wie bewerten Sie die mittel- und langfristigen Perspektiven des Klubs?
Galleski: Der finanzielle Aspekt hat auch im Frauenbereich eine immer höhere Bedeutung bekommen. Die Beträge, die von Profiklubs der Männer in den Frauenfußball investiert werden, sind deutlich gestiegen. Als reiner Frauenfußballverein benötigt Turbine Potsdam Kapital, Sponsoren und Menschen, die an diesen Weg glauben. Wir wollen den Verein zunächst mittelfristig in der 2. Frauen-Bundesliga etablieren und dort möglichst vielen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs eine Plattform bieten. Wenn das mittelfristig gelingt, kann man langfristig wieder die nächstgrößeren Ziele ins Auge fassen.
Kategorien: DFB-Pokal der Juniorinnen
Autor: mspw

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