Schiedsrichter
"Stolz und dankbar": Letzter Auftritt für mehrere DFB-Schiris

An diesem Wochenende endet für einige Unparteiische im Profifußball mit dem Schlusspfiff auch die Laufbahn als Schiedsrichter auf dem Rasen oder im Video-Assist-Center (VAC). DFB.de fasst zusammen, wo welche Karriere zuende geht.
Schon seit mehreren Monaten ist bekannt, dass die Bundesliga im Sommer gleich vier langjährige Referees verliert: Deniz Aytekin, Tobias Welz, Frank Willenborg und Patrick Ittrich hängen die Pfeife an den Nagel. Zum Abschied leiten sie am Samstag (ab 15.30 Uhr, live bei Sky und in der DAZN-Konferenz) jeweils folgende Partien: FC Bayern München gegen 1. FC Köln (Aytekin), 1. FC Union Berlin gegen FC Augsburg (Ittrich), Eintracht Frankfurt gegen VfB Stuttgart (Welz) und Borussia Mönchengladbach gegen TSG Hoffenheim (Willenborg).
Drei Bundesliga-Assistenten hören auf
Auch an der Seitenlinie kommt es am 34. Spieltag zu den letzten Fahnenzeichen von Mark Borsch, Thomas Gorniak und Christian Leicher. Zusammen kommen sie auf fast 800 Einsätze als Assistenten in der höchsten deutschen Spielklasse, so dass die Bundesliga ab der nächsten Saison nicht nur auf ihre Qualität, sondern auch auf jede Menge Erfahrung verzichten muss. Gorniak unterstützt am kommenden Samstag Ittrich in Berlin, Leicher in München Aytekin und Borsch "winkt" im doppelten Sinne in Leverkusen beim Spiel von Bayer 04 gegen den Hamburger SV.
Mark Borsch geht nach mehr als 20 erfolgreichen Jahren "mit einem guten Gefühl vom Rasen". Das Highlight seiner Laufbahn war 2017 das Finale der UEFA Champions League zwischen Real Madrid und Juventus Turin als Assistent von Dr. Felix Brych. Er verspricht: "Mich wird man auch weiterhin im Stadion antreffen, ich bleibe der Schiedsrichterei sicherlich erhalten, zum Beispiel im Bereich des Coachings."
Christian Leicher schaut zufrieden zurück: "Ich durfte schöne Augenblicke erleben und tolle Menschen kennenlernen." Die freie Zeit während der Spieltage ab der nächsten Saison möchte er mit der Familie verbringen: "Ich werde meinen Kindern öfter mal beim Sport zusehen, da habe ich bislang mit Abwesenheit geglänzt." Und Thomas Gorniak verspürt vor allem Stolz und wird "die Herausforderung der Spielleitungen und die Schiedsrichter-Gemeinschaft" vermissen.
Riem Hussein verlässt den Rasen
In der Google Pixel Frauen-Bundesliga endet am Sonntag beim Spiel Hamburger SV gegen FC Bayern München eine der größten Schiedsrichterinnen-Karrieren des deutschen Fußballs: Dr. Riem Hussein, die im Januar als erste Unparteiische überhaupt die Marke von 150 Spielen geknackt hat, verlässt den Rasen, bleibt dem DFB aber als Video-Assistentin erhalten. Für sie fühle es sich "nach dem richtigen Zeitpunkt an, um aufzuhören", sagt die 45-Jährige und blickt "voller Dankbarkeit" auf ihre beeindruckende Karriere zurück: "Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, schöne Orte bereist und eine Menge Freude auf und neben dem Platz gehabt." Fehlen werde ihr der Umgang mit den Spielerinnen und Spielern sowie "Fußball aus der besten Perspektive erleben zu dürfen".
Christine Baitinger, Sportliche Leiterin der Schiedsrichterinnen, sagt: "Mit Riem beendet eine wirklich 'große' Schiedsrichterin ihre aktive Laufbahn. Sie war und bleibt ein Vorbild auf und neben dem Platz. Wir freuen uns, dass sie ihre Erfahrungen künftig in anderer Rolle an die jungen Schiedsrichter*innen weitergeben wird."
Abschied für zwei Schiedsrichter der 2. Bundesliga
Schluss ist ab Sonntag auch für zwei Schiedsrichter der 2. Bundesliga. Mit Patrick Alt und Dr. Robert Kampka verabschieden sich die beiden einzigen Referees, die hier schon mehr als 100 Spiele geleitet haben. Alt kommt bei Karlsruher SC gegen VfL Bochum zu seinem 111., Kampka bei FC Schalke 04 gegen Eintracht Braunschweig sogar zum 146. Einsatz. Beide werden sich künftig als Video-Assistenten spezialisieren.
Patrick Alt spricht von einer "beeindruckenden Zeit mit tollen Ereignissen und spannenden sowie fordernden Begegnungen und interessanten Aufgaben". Außergewöhnlich an seiner Karriere: Er hat Spiele des 1. FC Heidenheim in jeder Spielklasse von der Regionalliga bis hin zu einer Halbzeit in der Bundesliga gepfiffen. Ebenfalls in jeder Partie dabei: natürlich Heidenheim-Trainer Frank Schmidt. Wenn der 41-jährige Alt an seinen Abpfiff am kommenden Wochenende denkt, bekomme er schon weiche Knie: "Es wird ein sehr emotionaler Moment werden, auch wenn ich mich nun schon längere Zeit darauf vorbereite."
Robert Kampka wird das Gemeinschaftsgefühl fehlen: "Als Team loszufahren, gemeinsam vorzubereiten, füreinander da zu sein. Und natürlich das, was mir immer am meisten Spaß gemacht hat: Spiele zu leiten, meinen Beitrag zu einem fairen, intensiven und vernünftigen Fußballspiel zu leisten. Das ist etwas, das sich nicht ersetzen lässt." Sein persönliches Highlight war sein erstes Spiel in der Bundesliga, in der er von 2016 bis 2020 aktiv war - "genauer gesagt der Moment des Anpfiffs. Da wurde greifbar, was vorher nur ein Traum war."
"Zum Topniveau beigetragen"
Dominik Jolk, Marcel Gasteier und Stefan Zielsdorf beschließen ihre Karrieren als Assistenten in der 2. Bundesliga, Arno Blos und Holger Henschel als Video-Assistenten. Amelie Lainka verabschiedet sich zudem als Schiedsrichterin aus der 2. Frauen-Bundesliga.
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, sagt: "Ich danke allen Schiedsrichtern und Schiedsrichter-Assistenten, die am Wochenende zum letzten Mal die große Bühne betreten und verlassen, für ihren Einsatz in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Ihr Engagement und ihre Professionalität haben maßgeblich zum Topniveau des deutschen Schiedsrichterwesens beigetragen. Ich wünsche ihnen alles Gute für die Zukunft und viel Erfolg in ihren künftigen Tätigkeiten - teilweise ja vielleicht auch für die DFB Schiri GmbH, damit die nächste Generation von ihren Erfahrungen profitieren kann."
Kategorien: Schiedsrichter
Autor: mv

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