2. Frauen-Bundesliga

SGS-Torjägerin Spitzner: "Eine der spannendsten Spielzeiten aller Zeiten"

04.09.2026
Kyra Spitzner (l.): "Die SGS steht ganz besonders für den Frauenfußball" Foto: SGS Essen/Michael Gehrmann

Mit RB Leipzig schaffte Kyra Spitzner schon einmal den Aufstieg aus der 2. Frauen-Bundesliga in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Mit ihrem neuen Klub SGS Essen könnte sie das wiederholen. Der Saisonstart ist mit vier Siegen und vier Toren gelungen. Im DFB.de-Interview spricht die 21 Jahre alte Angreiferin mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihren Wechsel ins Ruhrgebiet und das Spiel in Potsdam.

DFB.de: Der Saisonstart mit der SGS Essen hätte besser kaum laufen können. Nach vier Spieltagen stehen optimale zwölf Punkte auf dem Konto. Hatten Sie damit bei Ihrem Wechsel ins Ruhrgebiet gerechnet, Frau Spitzner?

Kyra Spitzner: Das konnte man in dieser Form nicht vorhersehen, es spricht aber für uns. Das Team hat schon während der Vorbereitung gut zueinandergefunden und funktioniert von Beginn an. Darüber werden wir uns sicherlich nicht beschweren. (lacht)

DFB.de: Was hatten Sie sich denn vor Saisonbeginn mit dem neuformierten Team vorgenommen?

Spitzner: Ein tabellarisches Ziel wurde ganz bewusst nicht formuliert. Wir wollen als Mannschaft zusammenwachsen und das Bestmögliche herausholen.

DFB.de: Ist der direkte Wiederaufstieg inzwischen das erklärte Saisonziel?

Spitzner: Wir stehen noch am Anfang der Saison, werden deshalb die bisherigen Ergebnisse nicht überbewerten. Klar ist, dass wir im oberen Drittel mitspielen und dass jede einzelne Spielerin den Anspruch hat, so hoch wie möglich zu spielen. Von daher würden wir uns gegen einen Aufstieg ganz sicher nicht wehren.

DFB.de: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Gründe für den starken Saisonstart?

Spitzner: Wir verfügen über eine sehr ehrgeizige Mannschaft, können für jeden Gegner eklig sein. Wir machen immer weiter, lassen uns auch von Rückständen nicht aus der Bahn werfen. Zu unseren Stärken zählt außerdem ein gutes Umschaltspiel.

DFB.de: Mit vier Treffern führen Sie aktuell die Torschützenliste an. Mal ehrlich: Wie sehr überrascht Sie das selbst?

Spitzner: Ich bin schon überrascht, dass muss ich zugeben. Umso mehr freue ich mich darüber, wenn ich dem Team auch mit Toren helfen kann. Ich habe das aber vor allem meinen Mitspielerinnen zu verdanken, die mich immer wieder in gute Positionen bringen.

DFB.de: Ihr bisheriger Bestwert in der 2. Frauen-Bundesliga waren drei Saisontore für RB Leipzig. Wie erklären Sie sich, dass es auch für Sie persönlich so gut läuft?

Spitzner: Mir wird sehr viel Vertrauen entgegengebracht - von meinem Mitspielerinnen, vom Trainerteam, vom gesamten Staff und auch von den Fans. Dieses Vertrauen sorgt für eine gewisse Lockerheit, gibt Mut und Rückenwind. Dadurch macht es noch mehr Spaß.

DFB.de: Wäre der Gewinn der Torjägerkanone ein Ziel?

Spitzner: Ich hätte nichts dagegen, noch einige Treffer beizusteuern. Ein Ziel ist es aber ganz sicher nicht. Für mich hat der Erfolg der Mannschaft immer Priorität. Wenn eine Teamkollegin dann mehr Tore erzielt als ich, werde ich es ihr von Herzen gönnen. Und sollten wir am Ende aufsteigen, hätte ich auch nichts dagegen, wenn die Torjägerkanone an eine Spielerin eines anderen Vereins geht.

DFB.de: Sie waren insgesamt neun Jahre lang für RB Leipzig im Juniorinnen- und Frauenbereich am Ball. Warum haben Sie sich für einen Wechsel entschieden?

Spitzner: Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, mag den Verein und liebe die Stadt. Außerdem war es nicht allzu weit von zu Hause entfernt. Dennoch musste ich mir eingestehen, dass ich seit einiger Zeit auf der Stelle trat und meine Entwicklung stockte. Die Spielzeit wurde zuletzt auch immer geringer. Deshalb habe ich meine Komfortzone verlassen und freue mich sehr, dass es bei der SGS bislang so gut funktioniert.

DFB.de: Wie gut sind Sie persönlich schon in Essen angekommen?

Spitzner: Der Verein und das Team haben es mir sehr leicht gemacht. Zu Beginn gab es zwar das eine oder andere Problem mit unserer Wohnung, da wurden wir aber auch sehr gut unterstützt. Ein kleiner Nachteil ist, dass ich aktuell noch nicht ohne Navi auskomme. (lacht)

DFB.de: Was gefällt Ihnen besonders an der Stadt und am Verein?

Spitzner: Die SGS steht ganz besonders für den Frauenfußball. Deshalb ist es sehr speziell, für diesen Klub zu spielen. Auch die familiäre Atmosphäre gefällt mir extrem. Was die Leute im Ruhrgebiet angeht, habe ich schnell gemerkt, dass es alles andere als ein Klischee ist, dass es hier besonders offen und direkt zugeht. Man weiß sofort, woran man ist. Dazu ist es beeindruckend, welchen Stellenwert der Fußball in dieser Region hat.

DFB.de: Nach vier Spieltagen sind neben der SGS auch der Nachbar VfL Bochum und der SV Meppen noch ohne Punktverlust. Wen zählen Sie zu den stärksten Konkurrentinnen im Rennen um den Aufstieg?

Spitzner: Schwierige Frage. Ich glaube sogar, dass es eine der spannendsten Spielzeiten aller Zeiten in der 2. Frauen-Bundesliga werden könnte. Neben Bochum und Meppen wird mit Sicherheit auch Viktoria Berlin ganz oben mitspielen. Dazu kommen noch weitere große Vereine und gestandene Teams wie der FC Carl Zeiss Jena, der FC Ingolstadt 04 oder Borussia Mönchengladbach. Ich könnte fast die komplette Liga aufzählen.

DFB.de: Worauf wird es vor allem ankommen?

Spitzner: Entscheidend wird sein, die Leistung möglichst konstant auf den Platz zu bringen."

DFB.de: Mit RB Leipzig haben Sie den Aufstieg schon einmal geschafft. Helfen Ihnen diese Erfahrungen?

Spitzner: Man weiß dadurch schon, worauf man sich einlässt. Gerade im Saisonendspurt steigt der Druck. Damit kann man besser umgehen, wenn man es schon einmal erlebt hat. Der Aufstieg mit RB war der bisherige Höhepunkt meiner Karriere. Das würde ich sehr gerne noch einmal erleben.

DFB.de: Am Sonntag geht es zum 1. FFC Turbine Potsdam, der noch auf seinen ersten Punktgewinn wartet. Was für eine Partie erwarten Sie?

Spitzner: Ich gehe auf jeden Fall von einem sehr spannenden Spiel aus. Wir dürfen uns von der Tabelle aus keinen Fall blenden lassen. Turbine wird alles geben, um den ersten Sieg zu holen. Aber auch wir sind hochmotiviert und wollen in Potsdam gewinnen.

DFB.de: Das Duell war über viele Jahre ein Klassiker in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Wie sehr schmerzt es, dass die Partie nun eine Etage tiefer stattfindet?

Spitzner: Die wirtschaftliche Situation spielt auch im Frauenfußball eine immer größere Rolle. Daher haben es diese Vereine alles andere als leicht, mit den Lizenzklubs der Männer zu konkurrieren. Das soll aber keine Ausrede sein. Ich bin davon überzeugt, dass es sich auch wieder drehen kann. Wir arbeiten auf jeden Fall daran.

DFB.de: Turbine hofft auf eine größere Kulisse im Karl-Liebknecht-Stadion. Wie groß ist die Vorfreude auf das Duell?

Spitzner: Ich freue mich auf jeden Fall riesig darauf, zumal auch einige Leute aus meiner Heimat ins Stadion kommen werden. Es stehen sich zwei Vereine gegenüber, die so sehr für den Frauenfußball stehen wie sonst nur wenige.

Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga

Autor: mspw