Männer-Nationalmannschaft
Nagelsmann: "Wir müssen emotional Fußball spielen!"

0:2 in der Slowakei: Die deutsche Nationalmannschaft hat den Start in die WM-Qualifikation gründlich verpatzt. Bundestrainer Julian Nagelsmann spricht nach der Niederlage in Bratislava auf DFB.de über die Gründe, fehlende Emotionalität und das Nordirland-Spiel am Sonntag (ab 20.45 Uhr, live bei RTL) in Köln.
Frage: Herr Nagelsmann, was hat Ihnen besonders gefehlt beim 0:2 gegen die Slowakei?
Julian Nagelsmann: Wir hatten gar keine Emotionalität, haben an Zweikämpfen alles verloren, was es zu verlieren gab. Das 0:1 war eine Frage der Zeit. Ich hatte gehofft, wir wachen auf. Dann hatten wir fünf ordentliche Minuten zu Beginn der zweiten Halbzeit, das ist zu wenig. Es geht nicht um Inhalte oder einzelne Spieler, wir als Trainer haben die Entscheidungen getroffen, das geht auf meine Kappe. Aber wir müssen die gleiche Emotionalität wie der Gegner auf den Platz bringen. Die Slowakei ist niedriger gerankt, war uns aber in allen Bereichen meilenweit überlegen.
Frage: Zu Ihren Entscheidungen zählte das Debüt von Nnamdi Collins rechts hinten. Muss dort nach dessen unglücklichem Auftritt wieder Joshua Kimmich ran?
Nagelsmann: Das ist immer eine Option, das habe ich die ganze Zeit gesagt. Wir müssen Spieler testen. Nnamdi hatte keinen super Tag, aber ich werde nicht einen Debütanten verantwortlich machen, das ist meine Verantwortung. Es sind Spieler drumherum, die unfassbar viele Spiele hatten. Die Positionierung offensiv war nicht das Problem, sein Gegenspieler (Leo Sauer; Anm. Red.) hatte einen sehr guten Tag, er war der beste Mann auf dem Platz, das ist ein großes Talent des slowakischen Fußballs.
Frage: Muss die fehlende Emotionalität durch neue Spieler kommen, oder glauben Sie, das aus diesem Kader herauskitzeln zu können?
Nagelsmann: Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, sonst würde ich sie nicht einladen. Und ich glaube auch, dass jeder Spieler, der dabei ist, dies rauskitzeln kann. Aber das muss von jedem Einzelnen selber kommen. Egal, wie der Gegner heißt. Wir sind nach wie vor ein großer Name, ob in der Aktualität berechtigt oder nicht. Und da gehört es zum Thema Respekt dazu, das Besondere ausstrahlen zu wollen und sich reinzubeißen. Dann kommt vielleicht auch unsere Qualität auf den Platz. Aber ich kann dieses ewige "Qualität, Qualität" nicht mehr hören. Wir müssen emotional Fußball spielen! In jedem Spiel! Wir können es nicht immer predigen, dass wir alles reinwerfen. Bei der EM war das der Fall, aber das ist jetzt leider wieder weniger geworden. Ich sehe dafür keinen Grund.
Frage: Wie wollen Sie bis zum Duell mit Nordirland am Sonntag für die Wende sorgen?
Nagelsmann: Geben Sie mir noch ein paar Stunden. Wir machen uns Gedanken, vielleicht kann ich dann wieder das Richtige wählen. Ich habe gerade schon ein paar Lösungsansätze genannt. Ich will nicht alles einstürzen lassen, wir haben noch eine gute Chance. Trotzdem ist das ernüchternd für mich und hoffentlich für uns alle. Wir haben im Trainerteam, mit Rudi Völler und Andreas Rettig ein paar schlaue Köpfe im Verband, wir werden gemeinsam diskutieren und die Maßnahmen treffen, um am Sonntag gewinnen zu können.
Frage: Ist das Weltmeister-Ziel jetzt überhaupt noch aufrechtzuerhalten?
Nagelsmann: Ja, das Ziel ist nach wie vor das gleiche. Es zu ändern, wäre unglaubwürdig. Aber natürlich stehe ich heute nicht überragend gut da, das weiß ich. Wir als Gruppe haben die Worte nicht gefüttert, das muss ich aushalten. Aber es wäre ein fatales Zeichen zu sagen, wir wollen nicht mehr Weltmeister werden. Mir ist aber bewusst, dass man das nicht alles locker abschütteln kann.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: sid

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