Männer-Nationalmannschaft
Nagelsmann: "Schritte nach vorne gemacht und Erkenntnisse gewonnen"

Die deutsche Nationalmannschaft hat das zweite Länderspiel im WM-Jahr mit 2:1 (1:0) gegen Ghana in Stuttgart für sich entschieden. Bundestrainer Julian Nagelsmann spricht nach dem Duell mit dem WM-Teilnehmer über seine Erkenntnisse aus der Länderspielphase und die WM-Nominierung.
Frage: Herr Nagelsmann, wie fällt Ihre Analyse nach dem Sieg gegen Ghana aus?
Julian Nagelsmann: Wir haben sehr gute erste 25 Minuten gespielt. Taktisch war das sehr diszipliniert. Nur das Tor hat gefehlt. Wir sind ein bisschen ungeduldig geworden und haben uns das Leben etwas schwer gemacht. Wir haben die Positionen nicht mehr gut besetzt, hatten wieder sehr viel Freestyle, wie in der Schweiz, dann sind wir sehr konteranfällig. Das 1:1 dürfen wir so nicht fressen, das war sehr einfach. Wir haben aber Schritte nach vorne gemacht und konnten Erkenntnisse gewinnen. Die Jungs haben ein Verständnis dafür, wie sie auftreten müssen, damit es stabiler wird.
Frage: Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Nagelsmann: Über einzelne Spieler, über die Herangehensweise. Wir konnten ein paar Themen rausziehen. Die bleiben aber intern, sonst müssen sich die Gegner nicht mehr auf uns vorbereiten.
Frage: Sie haben viel über Rollen gesprochen. Welche Rolle wird Ihre Mannschaft bei der WM einnehmen?
Nagelsmann: Ich hoffe eine gute. Ich glaube nicht, dass wir Favorit sind. Ob wir Herausforderer sind, weiß ich nicht. Wir müssen gut ins Turnier starten und uns gute Voraussetzungen für die K.o.-Phase schaffen. Dann ist dort alles möglich.
Frage: Was steht jetzt in den nächsten Wochen bis zur Nominierung an?
Nagelsmann: Ich drücke die Daumen, dass die Spieler möglichst viele Titel mitbringen. An unserer Idee wird sich nicht mehr so viel ändern. Wir müssen noch viele Gespräche führen und finale Entscheidungen treffen.
Frage: Deniz Undav hat das Siegtor erzielt. Wird sich an seiner Jokerrolle etwas ändern?
Nagelsmann: Das ist eher unwahrscheinlich. Die Rollengespräche habe ich ja nicht für den März gemacht, sondern für die WM. Er muss es umsetzen auf dem Feld. Das Tor macht er sehr gut. Wir brauchen auch im Sommer Joker, um Spiele zu entscheiden. Wir bekommen das nicht immer in den ersten 60 Minuten hin. Das ist sein Auftrag, das ist seine Rolle.
Frage: Es gab Pfiffe gegen Leroy Sané. Was sagen Sie dazu?
Nagelsmann: Ich will keine Fans kritisieren. Generell finde ich es nicht schön, wenn Spieler ausgepfiffen werden. Zumindest bei der Einwechslung sollte man den Spieler unterstützen, so lange er den Adler auf der Brust trägt. Wenn wir uns gegenseitig zerfleischen, dann wird es nicht besser. Leroy hat besser gespielt als in der Schweiz. Er hat das Tor mit einem guten Laufweg und seinem Kopfball vorbereitet. Am Ende hängt es davon ab, was er die nächsten acht Wochen macht. Aber das betrifft nicht nur ihn, sondern auch die anderen Spieler.
Frage: Wie haben Sie Lennart Karl erlebt?
Nagelsmann: Er hat einen super Eindruck gemacht. Frech, aber auch demütig. Er hat den ersten Minischritt in der A-Nationalmannschaft gemacht. Er hat eine natürliche Gabe, gut zu stehen und sich im Raum zu bewegen. Von all den jungen Spielern, die wir im Laufe der Zeit nominiert haben, hat er mit den besten Eindruck gemacht.
Frage: Wer soll das Spiel im Mittelfeld steuern?
Nagelsmann: Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha sollten schon gesund werden. Einer auf jeden Fall, es wäre aber gut, wenn beide gesund werden. Dann habe ich keine Bauchschmerzen. Auf meiner Liste waren mal elf Sechser und Achter. Wir haben schon genug Auswahl. Wir müssen nur die richtigen Spieler für das Turnier finden.
Frage: Gibt es zu viel Kritik in Deutschland und zu wenig WM-Spirit?
Nagelsmann: Das kann ich nicht beeinflussen. Fußball ist ein Sport, der polarisiert. Einzelne Spieler polarisieren. Inwieweit die Leute WM-Euphorie haben, muss jeder für sich entscheiden. Wir wollen guten Fußball spielen und die Leute mitnehmen.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, WM 2026
Autor: sid

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