U 17-Juniorinnen

Loderer: "Unser Rudel ist einfach ein ganz besonderer Haufen"

02.11.2026
Sabine Loderer über die Zeit mit dem Team: "Mir bleiben unglaublich viele kleine Momente" Foto: FIFA/Getty Images

Nach dem 0:1 im WM-Achtelfinale gegen Venezuela ist die Weltmeisterschaft der deutschen U 17-Juniorinnen beendet. Im DFB.de-Interview spricht Cheftrainerin Sabine Loderer über die große Enttäuschung nach dem Aus, die Entwicklung ihres Teams und die besonderen gemeinsamen Momente der vergangenen zweieinhalb Jahre.

DFB.de: Das WM-Aus im Achtelfinale gegen Venezuela liegt einige Tage zurück. Wie ist die Gefühlslage in der Mannschaft und im Trainerteam?

Sabine Loderer: "Leere“ beschreibt wohl am besten, wie es uns allen geht. Da wäre einfach deutlich mehr drin gewesen für uns, und die Enttäuschung darüber, dass wir unsere Zeit in Marokko nicht maximieren konnten, ist riesengroß.

DFB.de: Nach drei Siegen und neun Punkten in der Gruppenphase kam gegen Venezuela das Aus. Wie blicken Sie auf das Achtelfinale zurück – und was hat gefehlt, um die eigenen Stärken auch in diesem Spiel auf den Platz zu bringen?

Loderer: Wenn man es kurz zusammenfassen möchte, dann würde ich sagen: ein Tor, beziehungsweise zwei Tore. Wir hatten sehr viel Ballbesitz, haben aber weniger geduldig am Ball agiert als in der Gruppenphase und auch die ein oder andere Ungenauigkeit mehr im Passspiel und auch in den Torabschlüssen gezeigt. Die Größe des Spiels hat bei der ein oder anderen Spielerin zu mehr Nachdenken geführt und auch dazu, dass wir nicht ganz so mutig und leicht gespielt haben. Dennoch waren wir über das gesamte Spiel drückend überlegen und es ist immer noch schwer zu verstehen, dass wir das Spiel nicht auf unsere Seite ziehen konnten. Dieses Team hätte mehr verdient als Top 16 bei der WM.

DFB.de: Sie haben den Jahrgang 2009 im Sommer 2024 als U 16 übernommen und fast zweieinhalb Jahre begleitet. Wie bewerten Sie die Entwicklung der Mannschaft in dieser Zeit – auf und neben dem Platz?

Loderer: Jede einzelne Spielerin und das Team als Ganzes haben über die Zeit unglaubliche Schritte gemacht. Es war uns ein absolutes Fest, das Rudel über eine so lange Zeit so eng begleiten zu dürfen. Junge Persönlichkeiten in ihrem Wachstum in so vielen besonderen Momente erleben zu dürfen, fühlt sich dabei nicht wie ein "Job“, sondern vielmehr wie ein Geschenk an. Fußballerisch ist das Team von Lehrgang zu Lehrgang gereift und hat ein großes Selbstverständnis entwickelt. Es hat immer richtig viel Spaß gemacht, mit diesem bunten Haufen auf dem Platz zu stehen und an der Linie zu begleiten, wenn die Mädels unsere Farben bei den Spielen mit viel Stolz und Herzblut vertreten haben.

DFB.de: Auch wenn die Enttäuschung im Moment natürlich überwiegt: Was können die Spielerinnen aus dem Turnier und speziell aus diesem Achtelfinale für ihren weiteren Weg mitnehmen?

Loderer: Sich in diesem jungen Alter auf einer WM-Bühne mit Gegnern zu messen, die man sonst nicht vor den Latz bekommt, ist eine prägende und sehr besondere Erfahrung. Auch die Atmosphäre rund um die Spiele war außergewöhnlich. Sich diese zu eigen zu machen und sie nicht etwa als Bürde zu empfinden, wird den Mädels für alles helfen, was noch auf sie zukommt. Das K.o.-Spiel hat uns gelehrt, dass man auch in solchen Druckmomenten den Glauben an seine Stärken bewahren muss. Und dann gilt es zu lernen, über den vielen bewussten Nicklichkeiten eines solchen Gegner zu stehen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir haben das in der Halbzeit auch thematisiert und sind mit deutlich mehr Schwung in den zweiten Durchgang gestartet. Leider konnten wir unseren vielen Ballbesitz nicht in Zählbares ummünzen. Mit zunehmender Spieldauer war dann wieder mehr Hektik zu spüren. Gleichzeitig haben die Mädels bis zur letzten Sekunde alles investiert und nie aufgehört zu glauben, dass noch was geht. Das sollten sie mitnehmen - für alles, was auf ihrem weiteren Weg auf und neben dem Platz noch vor ihnen liegt. Die gemeinsame Zeit rund um das Turnier hat unseren Kleber noch mehr gefestigt und verbindet uns für immer. Auch das werden wir alle mitnehmen.

DFB.de: Zwei erfolgreiche EM-Qualifikationsphasen, der Europameistertitel in Belfast und nun die Weltmeisterschaft in Marokko: Welches Spiel, welcher Moment oder welche Entwicklung aus Ihrer gemeinsamen Zeit wird Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Loderer: Mir bleiben unglaublich viele kleine Momente. Viele schöne Gespräche, das Grinsen über unsere Rudelinsider, das Wachstum jeder einzelnen Spielerin, die Energie der Mannschaft, das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde und das besondere Bauchgefühl, dass das FüreinGER bei uns allen auslöst. Und dann sind da natürlich die gemeinsamen Momente des Jubelns bei Toren und Schlusspfiffen und auch viele Trainingseinheiten, die immer unheimlich viel Freude bereitet haben. Unser Rudel ist einfach ein ganz besonderer Haufen und wir werden den Weg jeder einzelnen Spielerin weiterverfolgen.

DFB.de: Für die Spielerinnen geht es nun in der U 19 weiter. Was erwartet sie auf der nächsten Stufe – und worauf wird es in ihrer weiteren Entwicklung besonders ankommen?

Loderer: Die Mädels werden nochmal einen Schritt weiter in Richtung Erwachsenenfußball machen. Es ist ohnehin bemerkenswert, wie sie sich dahingehend in den letzten Monaten entwickelt haben, und diesen Weg werden sie nun weiter beschreiten. Der Wille, in die eigene Entwicklung zu investieren und mehr als andere zu machen, wird entscheidend bleiben, um auf Topniveau weiterhin einen Stempel zu hinterlassen. Dabei wird der Glaube an die eigene Stärke – vor allem in großen Druckmomenten – ein Schlüssel in den nächsten Kapiteln ihres Wachstums sein. Jede einzelne Spielerin, die wir in den letzten knapp zweieinhalb Jahren begleiten durften, hat bis hierhin bewundernswerte Schritte gemacht. Wir freuen uns darauf, diese Entwicklung weiter zu beobachten und jeder Einzelnen immer wieder auf ihrem weiteren Weg zu begegnen.

Kategorien: U 17-Juniorinnen

Autor: mah