DFB-Pokal der Frauen

Lea Paulick: "Wir müssen unser Herz auf dem Platz lassen"

05.03.2026
Lea Paulick: "Der Wechsel von Frankfurt zum HSV war für mich genau der richtige Schritt" Foto: Getty Images

Im Viertelfinale um den DFB-Pokal der Frauen trifft der Hamburger SV am Mittwoch (ab 18.30 Uhr, live bei Sky) auf Titelverteidiger FC Bayern München. Seit Jahresbeginn ist Lea Paulick die neue Nummer eins bei den Hanseatinnen. Im DFB.de-Interview spricht die 26 Jahre alte Torhüterin mit Mitarbeiter Ralf Debat über das Pokal-Highlight und die Ziele in der Google Pixel Frauen-Bundesliga.

DFB.de: Welches Spiel ist wichtiger: Das Duell mit FC Bayern München im DFB-Pokal oder das folgende Bundesligaspiel beim FC Carl Zeiss Jena, Frau Paulick?

Lea Paulick: Beide Partien sind sehr wichtig für uns, jede auf eine eigene Art und Weise. Das Pokalduell mit dem FC Bayern ist ein absolutes Highlightspiel, in Jena wollen wir unserem Saisonziel Klassenverbleib näherkommen. Wir werden in beiden Begegnungen 100 Prozent Einsatz zeigen und wollen unsere bestmögliche Leistung abrufen.

DFB.de: Der Klassenverbleib in der Google Pixel Frauen-Bundesliga steht über allem?

Paulick: Das ist definitiv unser oberstes Ziel. Darauf ist jede einzelne Spielerin voll fokussiert.

DFB.de: Sieben Spieltage vor dem Saisonende belegt der HSV einen Nichtabstiegsplatz. Wie bewerten Sie die Chancen, dort auch zu bleiben?

Paulick: Aktuell sieht es für uns nicht so schlecht aus. Allerdings geht es unten in der Tabelle extrem eng zu, so dass wir auf keinen Fall den Fehler machen dürfen, uns zurückzulehnen. Fakt ist, dass unsere aktuelle Punktzahl von 14 Zählern - im Gegensatz zu einigen Vorjahren - wohl nicht reichen wird. Daher kommt noch viel Arbeit auf uns zu.

DFB.de: Mit dem ersten Gastspiel des FC Bayern im Volksparkstadion wartet dennoch zunächst im DFB-Pokal ein Höhepunkt auf den HSV. Wie sehr ist die Vorfreude zu spüren?

Paulick: Schon extrem. Der FC Bayern ist ein Kracherlos, über das sich alle sehr gefreut haben. Wir treffen auf das Nonplusultra im deutschen Frauenfußball. Die Favoritenrolle ist also klar verteilt. Wir haben nichts zu verlieren.

DFB.de: Die Münchnerinnen dominieren aktuell die Liga, gewannen auch das Hinspiel gegen den HSV 6:0. Ist dennoch eine Überraschung möglich?

Paulick: Wir sind jetzt nicht so vermessen zu sagen, dass wir die Bayern aus dem Pokal kegeln. Es wird aber vor einer fünfstelligen Kulisse dank unserer Fans eine megageile Atmosphäre im Stadion sein, der Volkspark kann dann zur Festung werden. Für uns ist entscheidend, unsere optimale Leistung abzurufen.

DFB.de: Worauf wird es ankommen?

Paulick: Wir müssen vor allem an uns selbst glauben und unser Herz auf dem Platz lassen. Dann kann es zumindest gelingen, die Partie so lange wie möglich offen zu gestalten.

DFB.de: Könnte es ein Vorteil sein, dass fast alle Bayern-Spielerinnen während der Länderspielpause unterwegs waren und es nur eine kurze Vorbereitungszeit gibt?

Paulick: Das glaube ich nicht. Im Kader stehen ausschließlich Topspielerinnen, die eine Dreifach- oder sogar Vierfachbelastung gewohnt sind. Ich gehe davon aus, dass sie sich bei uns in Bestform vorstellen werden.

DFB.de: Wie hat der HSV die Auszeit vom Ligabetrieb genutzt?

Paulick: Auch unsere Trainingsgruppe war wegen einiger Länderspielabstellungen ein wenig kleiner. Dennoch konnten wir gut arbeiten und weiter an unseren Automatismen feilen. Um im Rhythmus zu bleiben, gab es ein internes Testspiel.

DFB.de: Sie stehen erst seit Januar in Hamburg unter Vertrag, wurden sofort die neue Nummer eins. Also alles richtig gemacht?

Paulick: Der Wechsel von Eintracht Frankfurt zum HSV war für mich genau der richtige Schritt. Ich hatte mir wieder mehr Spielzeit erhofft und bin sehr glücklich, jetzt wieder regelmäßig auf dem Platz zu stehen. Ich möchte das Vertrauen, das der Verein in mich setzt, mit Leistung zurückzahlen und meinen Beitrag dazu leisten, unser Ziel zu erreichen.

DFB.de: Wie haben Sie sich insgesamt eingelebt und wie würden Sie Ihre bisherigen Eindrücke vom Verein und von der Stadt beschreiben?

Paulick: Die Stadt kannte ich vorher schon gut, da mein Freund aus Hamburg kommt und seine Familie hier zu Hause ist. Die Stadt ist überragend, ich fühle mich extrem wohl. Das Team hat mich sehr gut aufgenommen und der Verein besitzt eine riesige Strahlkraft. Dass wir alle Spiele im Volksparkstadion bestreiten dürfen, ist außerdem ein starkes Zeichen der Wertschätzung für die Frauenabteilung. Diese Unterstützung ist überall spürbar.

DFB.de: In den eineinhalb Jahren bei Eintracht Frankfurt hatten Sie kaum Spielpraxis. Wie schwierig war es, mit dieser Situation umzugehen, zumal Sie zuvor beim 1. FC Nürnberg über viele Jahre eine Leistungsträgerin und Anführerin waren?

Paulick: Es war nicht einfach für mich, im Training immer 100 Prozent zu bringen und dann im Wettkampf mein Können nicht zeigen zu dürfen. Das war vor allem mental sehr herausfordernd.

DFB.de: War es dennoch richtig, die Chance in Frankfurt wahrzunehmen?

Paulick: Auf jeden Fall konnte ich viel mitnehmen. Durch die Topbedingungen bei der Eintracht habe ich mich vor allem physisch deutlich weiterentwickelt, bin eine bessere Torhüterin und reifere Sportlerin geworden. Dafür bin ich dankbar.

DFB.de: Sehen Sie sich beim HSV jetzt direkt wieder in einer Führungsrolle?

Paulick: Wer mich kennt, der weiß, dass es meiner Persönlichkeit entspricht, Verantwortung zu übernehmen und auch voranzugehen. Das teilt sich bei uns im Team aber auf einige Schultern gut auf. Wir geben alles, um unserem gemeinsamen Ziel näherzukommen.

DFB.de: Der 1. FC Nürnberg zählt zu den direkten Konkurrenten, Ende April kommt es zu Ihrer ersten Rückkehr ins Max-Morlock-Stadion. Wie besonders wird das?

Paulick: Ich hatte beim FCN eine lange und extrem emotionale Zeit, unter anderem mit den beiden Aufstiegen in die 2. Bundesliga und in die Bundesliga. Auch außerhalb des Platzes waren viele schöne Momente dabei, die ich nicht missen möchte. Deshalb wird es sicherlich etwas Besonderes sein, mit dem HSV in Nürnberg zu spielen. Wir werden jedoch dorthin fahren, um etwas Zählbares mitzunehmen.

DFB.de: Wie lauten Ihre persönlichen Ziele für den Saisonendspurt?

Paulick: Das Wichtigste ist, fit und gesund zu bleiben. Mit immer mehr Einsatzzeit möchte ich noch mehr zu meiner alten Stärke zurückfinden, sicherer und routinierter werden. Damit möchte ich dazu beitragen, dass wir im Mai den Klassenverbleib feiern können.

Kategorien: DFB-Pokal der Frauen, Google Pixel Frauen-Bundesliga

Autor: mspw