Männer-Nationalmannschaft
Klopp: "Wir werden den Weg weitergehen"

Der erste Auftritt vor heimischem Publikum verlief für Jürgen Klopp und die Nationalmannschaft mit dem 0:1 gegen Griechenland nicht wie gewünscht. Im Anschluss ordnet der Bundestrainer die Nations-League-Partie in Augsburg ein.
Frage: Herr Klopp, wie fällt Ihr Fazit nach dem 0:1 bei ihrem Heimdebüt gegen Griechenland aus?
Jürgen Klopp: Ich habe einige Erkenntnisse gewonnen, die ich nicht haben wollte. Es ist schwer, gegen einen tiefen Block anzuspielen. Dafür braucht man feste Abläufe. Die haben wir uns in der Kürze der Zeit nicht so erarbeiten können, wie es notwendig wäre. Das überrascht mich nicht, auch wenn ich das so nicht wollte.
Frage: Was haben Sie der Mannschaft in der Kabine mitgegeben?
Klopp: Wir haben das Spiel besprochen, da gab es nicht 1000 positive Nachrichten - über die Woche aber nur positive, das gerät natürlich nicht in Vergessenheit. Ich sage nicht: halb so wild. Aber für den Kader zum Beispiel bin nur ich verantwortlich, das nehme ich voll auf meine Kappe. Wir haben verloren, das sollten wir nicht zur Gewohnheit werden lassen. Jetzt kommt die nächste Gruppe, die sind ausgeruht, dadurch können wir ein bisschen mehr machen - aber wir werden in München gegen Serbien wahrscheinlich wieder auf einen tief stehenden Gegner treffen.
Frage: Wie wollen Sie den Block dann knacken?
Klopp: Es gibt unendlich viele Wege, aber das ist für jede Mannschaft schwierig. Die Breite und Tiefe ist wichtig, ab und zu individuelle Qualität, aber darauf können wir uns nicht verlassen. Das ist die große Herausforderung im Fußball, selbst für Spanien, das hat die WM gezeigt.
Frage: Haben Sie die Sorge, dass die Euphorie jetzt schon wieder verflogen ist?
Klopp: Wenn sie jetzt weg ist, tut mir das sehr leid, aber im Camp hilft uns Euphorie nicht. Die Stimmung war absolut top, wie sie sein soll. Die Wirkung wird natürlich kommen. Wir hatten ja positive Dinge, es waren Möglichkeiten da.
Frage: Sie haben die Mannschaft applaudierend vom Feld geführt. Was wollten Sie damit bewirken?
Klopp: Die Mannschaft stand ein bisschen bedröppelt da, dafür gab es keinen Grund. Wir haben alles versucht, da ist es nicht so, dass sie sich zig Minuten entschuldigen muss. Es waren auch ein paar Pfiffe dabei, vielleicht hat jemand laut ausgeatmet oder hatte Asthma. Das ist in Ordnung, aber nicht nötig. Wer pfeifen will, soll mich auspfeifen. Wer die Art Fußball spielen will, den wir spielen wollen, für den wird immer die Tür auf sein. Aber dass Jürgen Klopp nicht mit Handauflegen alle Probleme löst - ich wusste das vorher. Falls jemand es nicht wusste, weiß er es jetzt.
Frage: Was macht Ihnen Mut?
Klopp: Es kommt der Moment, in dem wir für jeden ein unangenehmer Gegner sind, davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Ich bin nicht ernüchtert, dafür habe ich im Fußball viel zu viel gesehen. Ich weiß, dass jeder besser spielen kann, als er es heute Abend getan hat. Wir müssen dahin kommen, unsere eigenen Fähigkeiten auf den Platz zu bringen und nicht besser sein zu wollen als irgend jemand da draußen im Weltfußball.
Frage: Ist das auch ein Kopfproblem?
Klopp: Eine Mischung aus allem. Wir sind nicht das Bayern München des europäischen Fußballs, wir sind eine Fußballmannschaft, die sich finden muss. Wir müssen die letzte Linie stressen. Es ist nicht so kompliziert, wir werden das hinkriegen, das könnt ihr mir glauben. Es gibt für mich keinen Grund, in Depressionen zu verfallen. Aber wir sind auch noch nicht dort, wo wir gerne wären.
Frage: Was würden Sie sich wünschen?
Klopp: Es wäre mir recht, wenn ihr die Spieler nicht abschließend beurteilt. Wenn jemand kritisch sein will, macht das mit mir und lasst die Jungs in Ruhe. In Sack und Asche müssen sie nicht gehen - was war, das war. Die Zukunft ist so, wie wir sie uns vorstellen. Wir gehen mit allem ran, was wir haben. Wir werden den Weg weitergehen.
Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, Nations League
Autor: sid

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