DFB-Pokal
Ginter: "Ein Halbfinale ist immer noch etwas ganz Besonderes"

Matthias Ginter weiß, wie schwer es ist, den DFB-Pokal zu gewinnen. Zum sechsten Mal steht er am Donnerstag im Halbfinale dieses Wettbewerbs, dieses Mal mit dem SC Freiburg. Mit Borussia Dortmund schaffte es Ginter dreimal in Folge ins Finale im Berliner Olympiastadion. Deshalb weiß er auch, wie schwer der DFB-Pokal ist - 2017 spielte er 90 Minuten lang gegen Eintracht Frankfurt und durfte am Ende die 6,5 Kilogramm schwere Trophäe in den Berliner Nachthimmel heben. Wie schwer die Hoffnungen und Erwartungen einer ganzen Stadt jetzt vor dem Halbfinale beim VfB Stuttgart (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) wiegen, kann Ginter allerdings nur schätzen.
"Es ist nicht selbstverständlich, als SC Freiburg die Chance aufs Finale zu haben. Das war in Dortmund damals noch etwas anders, weil das dort schon ein bisschen erwartet wurde", sagt Ginter vor dem Wiedersehen mit dem VfB. 2013 traf er als junger Profi des SC Freiburg ebenfalls im Halbfinale des DFB-Pokals auf Stuttgart. "Schon beim Aufwärmen habe ich damals gemerkt, dass eine sehr gute Stimmung im Stadion herrschte. In der ersten Halbzeit war es ein offener Schlagabtausch. Es stand zur Halbzeit bereits 2:1 für den VfB, dabei ist es auch leider geblieben. Ich habe damals noch im Mittelfeld agiert. Es war bitter für uns, dass wir nicht gewinnen konnten", erinnert sich Ginter.
13 Jahre später wiederholt sich die Paarung - die Geschichte möglicherweise nicht. "Ich erwarte leichte Vorteile für Stuttgart aufgrund ihrer Form, Qualität und der Tatsache, dass sie ein Heimspiel haben. Ähnlich wie 2013. Aber wir haben schon oft im Pokal gesehen, dass Überraschungen möglich sind. Wir hoffen, dass es diesmal klappt", sagt Ginter, der in den 13 Jahren seit der ersten Halbfinalbegegnung mit dem SC Freiburg gegen den VfB Stuttgart mehr als einen DFB-Pokalsieg erlebt hat. Viel mehr.
"Auf keinen Fall Routine"
Denn nur ein Jahr später, im Alter von 20 Jahren, wurde Ginter mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister. Und stand vor der Herausforderung, dem eigentlichen Höhepunkt jeder Fußballkarriere nun noch eine Karriere folgen zu lassen. Im Rückblick kann man festhalten: Es ist ihm herausragend gelungen. Neben den Erfolgen mit dem BVB feierte Ginter mit der Nationalmannschaft 2017 den Gewinn des Confederations Cups und nahm an zwei weiteren Weltmeisterschaften und der Europameisterschaft 2021 teil. 2016 gewann Ginter mit der deutschen Olympiaauswahl - abermals in Rio de Janeiro - die olympische Silbermedaille. Bislang hat er 51 Länderspiele absolviert.
Bei allen Erfolgen brennt Matthias Ginter immer noch auf mehr - auch nach mehr als 400 Bundesligapartien und mehr als 40 Einsätzen im DFB-Pokal ist ein Halbfinale keinesfalls Gewohnheit für den 32 Jahre alten Dauerbrenner. "Auf keinen Fall Routine", sagt Ginter. "Ein Halbfinale ist immer noch etwas ganz Besonderes. Der Pokalwettbewerb an sich ist sehr besonders. Ich durfte dreimal im Finale dabei sein und es einmal gewinnen. Das ganze Wochenende in Berlin ist immer sehr speziell. Ich hoffe schon, dass wir das Endspiel wieder erreichen können. Ein Halbfinale wird oft durch die Tagesform entschieden. Ich hoffe, dass wir eine gute abrufen können."
Auf die Freiburger Abwehr um Ginter wartet dabei an diesem Donnerstag Schwerstarbeit. Die Stuttgarter Offensive um die Nationalspieler Deniz Undav, Jamie Leweling und Chris Führich zählt zu den gefährlichsten der Liga. Für Ginter ist klar, wie man ihr begegnen muss: "Im Kollektiv. Das haben wir in den letzten Heimspielen gegen Stuttgart ganz gut hinbekommen und auch einige Spiele gewonnen. Im Ligaspiel in der Rückrunde in Stuttgart haben wir das auch lange sehr gut gemacht (bei der Last-Minute-Niederlage, 0:1, Anm.d.Red.). Diese Offensive ganz auszuschalten, wird schwierig. Aber wir werden versuchen, sie nicht zu allzu vielen Möglichkeiten kommen zu lassen."
Drittes Freiburger Halbfinale in fünf Jahren
Dass der Sport‑Club inzwischen als Pokalmannschaft gilt, kommt nicht von ungefähr. Zum dritten Mal in den vergangenen fünf Jahren steht Freiburg im Halbfinale, sieben Profis waren bereits 2022 im Endspiel dabei, Ginter wechselte erst nach der Saison zurück zu seinem Heimatverein in seiner Geburtsstadt. Erfahrung als Trumpf? "Es hilft sicher, diese Erfahrung gesammelt zu haben", sagt Ginter, schiebt aber gleich hinterher: "Auf der anderen Seite treffen wir auf den Titelverteidiger. Die Stuttgarter wissen auch, wie es geht und haben die Erfahrung bereits gemacht. Ich würde nicht daraufsetzen, dass wir in der Hinsicht einen Vorteil haben."
Ohne also über die Hürde Stuttgart hinwegzublicken, erinnert sich Ginter gerne an Berlin. Das Finale im Olympiastadion ist nicht nur für Fans ein Sehnsuchtsort. "Alleine die Aufteilung der Fanlager im Stadion ist anders als bei einem normalen Bundesligaspiel", sagt Ginter. "Man weiß durch die Vereinsfarben genau, welche Fans zu welchem Verein gehören. Die Stimmung ist sehr gut und laut." Besonders lebendig ist die Erinnerung an 2017. "So habe ich es bei unserem Sieg gegen Frankfurt erlebt. Darauf freut man sich." Unvergessen bleibt ihm auch der Tag danach. "Am nächsten Tag ging es mit den Bussen um den Borsigplatz. Da haben wir gesehen, was unser Erfolg den Menschen in Dortmund bedeutet hat. Und auch für mich war der Titelgewinn etwas ganz Besonderes. Es war ein sehr, sehr schönes Wochenende", sagt Ginter.
In der laufenden Saison hat der SC Freiburg nicht nur schöne Wochenenden erlebt, sondern vor allem auch unter der Woche in der Europa League geglänzt und trifft nun im Halbfinale auf den SC Braga aus Portugal. "Wir haben in der Bundesliga Boden gut gemacht, in der Europa League vor allem in der Gruppenphase viele gute Spiele gehabt. Ich denke, das wird auch außerhalb von Freiburg wahrgenommen und gewertschätzt werden", sagt Ginter. Er selbst steht dabei als einer der Freiburger Leistungsträger im Mittelpunkt - ohne ihn zu suchen. "Ich spiele nicht für mich, sondern für die Mannschaft", sagt Ginter. "Vielleicht ist das heutzutage eher die Ausnahme, aber ich werde immer die Mannschaft im Kopf haben."
Im Kopf hat Matthias Ginter auch ein Leben nach seiner so erfolgreichen Karriere - ruhig, ohne Hektik, ganz auf seine Art eben, denkt er über die Zukunft nach. "Konkrete Gedanken habe ich mir jetzt noch nicht gemacht. Ich hoffe, dass ich noch zwei, drei gute Jahre vor mir habe", sagt Ginter. "Es kann sein, dass ich danach erst einmal Abstand vom Fußball haben will. Es kann aber auch sein - weil Fußball meine Leidenschaft ist, seit ich vier Jahre alt bin - dass ich weiter im Fußballbereich bleibe. Ich habe im letzten Jahr mit dem Trainerschein angefangen. Schauen wir mal, wo die Reise hingeht." Die nächste Station soll nun erst einmal das DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion sein.
Kategorien: DFB-Pokal
Autor: tg
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