DFB-Pokal
Gegen Freiburg: Als Harnik den VfB ins Finale köpfte

Zum sechsten Mal treffen sich der VfB Stuttgart und der SC Freiburg im DFB-Pokal. Nach Siegen steht es 4:1 für den VfB, aber knapp war es immer. Am Donnerstag (ab 20.45 Uhr, live in der ARD und auf Sky) gibt es das Duell zum zweiten Mal in einem Halbfinale. An das erste, ebenfalls in Stuttgart, hat Freiburgs Trainer Julian Schuster zwiespältige Erinnerungen. Am 17. April 2013 stand er bei der knappen 1:2-Auswärtsniederlage 90 Minuten auf dem Platz und musste miterleben, wie der damals noch unerfüllte Freiburger Traum von Berlin platzte.
Immerhin aber, so teilte es der Kicker am nächsten Tag mit, hatte er von allen Aktiven auf dem Platz die meisten Ballkontakte (81). Ein paar weniger hatte der junge Matthias Ginter, damals im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Keinen Ball sah an diesem Tag der dritte "Überlebende" von 2013, der aktuelle SC-Kapitän Christian Günter wurde von Coach Christian Streich nicht eingewechselt. Von der siegreichen VfB-Mannschaft ist keiner mehr dabei, wenn es am Donnerstag zur Neuauflage des Halbfinals der beiden Klubs aus Baden-Württemberg kommt. Wie aber war es 2013?
17. April 2013: VfB Stuttgart - SC Freiburg 2:1
Die Tabelle erklärte den SC Freiburg zum leichten Favoriten, als Fünfter bot sich ihm auch über die Liga die Chance auf einen Platz im Europapokal. Der VfB spielte eine enttäuschende Saison (12. Platz), der Pokal sollte sie retten. SC-Trainer Streich machte in typisch Freiburger Art auf Understatement: "Wenn Stuttgart ein Heimspiel gegen Freiburg hat, dann ist ein Sieg für den VfB Normalität." Dabei waren die Machtverhältnisse (natürlich) nur auf den Rängen eindeutig geregelt, wo es knapp ein Fünftel der 60.000 Zuschauer mit dem SCF hielt. Die VfB-Fans unterstrichen die Bedeutung der Partie mit einem beeindruckenden Fan-Marsch zum Stadion und einer Choreographie, in deren Zentrum das Ziel aller Schwabenträume stand: "Finale".
In das Finale konnte der VfB gar nicht schnell genug kommen. Die ersten Chancen hatte der Gastgeber und schon die dritte, nach neun Minuten, brachte die Führung: Arthur Boka überwand den aktuellen Nationaltorhüter Oliver Baumann, der gegen den Flachschuss mit rechts nichts machen konnte. Früh war der SC gezwungen, aus der Defensive zu kommen und das tat ihm durchaus gut. Schon mit dem ersten Angriff glich Jan Rosenthal auf Vorarbeit von Max Kruse aus - nun hatte Sven Ulreich das Nachsehen (14.). "Der SC agierte nun sicherer und mit einer höheren Passgenauigkeit, suchte mehr und mehr den Weg in die Offensive", analysierte der Kicker, aber "in diese Drangphase fiel der erneute Rückstand."
Dass es das letzte Tor des Tages sein würde, ahnte noch niemand nach diesem furiosen Beginn. Der umjubelte Schütze, Martin Harnik, profitierte bei seinem Kopfball von einem Missverständnis zwischen Schuster und Ginter. Nur knapp schlug der Ball hinter der Linie auf. Schiedsrichter Florian Meyer gab das Tor, auf das ihn heute die Torkamera hingewiesen hätte, zu Recht. Die Freiburger zweifelten es nicht an, nur über das Zustandekommen waren sie irritiert: "Den hauen wir uns ein Stück weit selber rein", ärgerte sich SC-Sportdirektor Dirk Dufner. Harnik war es egal, er sprach vom "wichtigsten Tor, das ich bislang für den VfB gemacht habe".
Mit 2:1 ging es in die Kabinen - und das gleich zweimal. Denn die zweite Hälfte war zwar nicht ereignislos, blieb aber torlos. Streich wechselte mit Ivan Santini einen dritten Stürmer ein, aber die VfB-Abwehr um den jungen Antonio Rüdiger kam nicht mehr in größere Schwierigkeiten. Nach Abpfiff rissen die Stuttgarter die Arme hoch, sie hatten verdient gewonnen (Chancenverhältnis 9:3).
Der Verein war um zwei Millionen Euro reicher (für den Finaleinzug) und die Spieler wussten, dass sie sich gegen die auf sie wartenden Bayern sogar eine Niederlage würden leisten können - denn da der Meister in der Champions League spielt, kamen sie nach damaliger Regelung automatisch in die Europa League. Trainer Bruno Labbadia: "Ich bin unglaublich glücklich. Meine Mannschaft hat gefightet bis zum Umfallen. Sie geht immer bis an die Grenzen, dafür hat sie sich belohnt."
Ihren Kampfgeist demonstrierte sie auch im Finale von Berlin, als sie es nach 0:3-Rückstand noch mal spannend machte und achtbar mit 2:3 unterlag. Den Freiburgern blieben aus der bis dahin besten Pokalsaison der Vereinsgeschichte außer viel Anerkennung exakt 3.447.977 Euro aus der zentralen Vermarktung des Pokals. Und die Sehnsucht, eines Tages einen Schritt mehr machen zu wollen. Wie 2022 - und wie jetzt?
Die übrigen Pokalduelle
13.11.1996: SC Freiburg – VfB Stuttgart 1:1, 2:4 i. E. (Viertelfinale)
20.12.2000: VfB Stuttgart – SC Freiburg 2:1 n.V. (Viertelfinale)
25.09.2013: SC Freiburg – VfB Stuttgart 2:1 (2. Runde)
23.12.2020: VfB Stuttgart – SC Freiburg 1:0 (2. Runde)
Kategorien: DFB-Pokal
Autor: um

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