DFB-Pokal der Junioren

Freiburgs U 19-Trainer Wiedensohler: "Talent ist lediglich die Eintrittskarte"

28.08.2026
Julian Wiedensohler: "Wir sind davon überzeugt, dass im Nachwuchsfußball immer mutig gespielt werden sollte" Foto: SC Freiburg

Die U 19 des SC Freiburg ist mit ihrem Trainer Julian Wiedensohler am Samstag (ab 10.45 Uhr, live bei Sky und auf YouTube) in der zweiten Runde des DFB-Pokals der Junioren beim Titelverteidiger VfB Stuttgart gefordert. Im DFB.de-Interview spricht der 40 Jahre alte Trainer mit Mitarbeiter Peter Haidinger über die Freiburger Fußballschule, die Talententwicklung und eine Bootsfahrt auf dem Bosporus.

DFB.de: Am Samstag tritt Ihr Team als Rekordpokalsieger beim Titelverteidiger VfB Stuttgart an. Überwiegt die Anspannung oder die Vorfreude, Herr Wiedensohler?

Julian Wiedensohler: Mit dem VfB Stuttgart bekommen wir es mit einem sehr starken Gegner zu tun. Die Vorfreude auf das Baden-Württemberg-Derby ist riesengroß.

DFB.de: Wie schätzen Sie den Gegner ein?

Wiedensohler: Der VfB ist eine Topadresse im deutschen Nachwuchsfußball. Die Mannschaft tritt aus einem Mix aus Spielern an, die in der zurückliegenden Saison mit der U 17 Deutscher Meister und mit der U 19 Pokalsieger wurden. Wir haben jedoch einen kleinen psychologischen Vorteil, weil wir uns während der Vorbereitung beim Bundesligacup im Halbfinale nach Elfmeterschießen gegen den VfB Stuttgart bereits durchsetzen konnten. (lacht) Ich erwarte am Samstag jedoch ein ganz anderes Spiel.

DFB.de: Ihr Team ist noch unbesiegt. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Wiedensohler: Wir haben uns in der Vorbereitung mit guten Turnierleistungen viel Selbstvertrauen erarbeitet, sind in der DFB-Nachwuchsliga in unserer Gruppe gut gestartet. Im DFB-Pokal der Junioren haben wir in der ersten Runde mit dem 4:0 bei Fortuna Köln einen soliden Auftritt hingelegt. In Stuttgart werden wir besser spielen müssen.

DFB.de: Welche positiven Entwicklungen haben Sie bereits bei Ihrem Team ausgemacht?

Wiedensohler: Wichtig ist, dass wir mannschaftlich geschlossen auftreten und Lust haben, unser Tor gemeinsam zu verteidigen. Insgesamt wollen wir für jeden Gegner unangenehm sein und uns als Einheit präsentieren. Das hat die Mannschaft bislang sehr gut umgesetzt.

DFB.de: Was macht für Sie den Reiz des DFB-Pokals aus?

Wiedensohler: Das Kribbeln beginnt bereits mit dem ersten Spiel. Diese Anspannung zu spüren, macht den Wettbewerb aus. Man ist deutschlandweit unterwegs und es gibt in den K.o.-Spielen am Ende nur ein Team, das jubeln darf.

DFB.de: Die Freiburger Fußballschule hat sich unter anderem durch Trainerlegende Christian Streich, aber auch durch den aktuellen Cheftrainer Julian Schuster und zahlreiche in den eigenen Profikader aufgerückte Talente bundesweite Anerkennung erarbeitet. Mit welcher fußballerischen Idee schicken Sie Ihr Team auf dem Platz?

Wiedensohler: Wir sind davon überzeugt, dass im Nachwuchsfußball immer mutig gespielt werden sollte. Wir haben den Anspruch, das Spiel möglichst durch viel Ballbesitz zu bestimmen, wollen viele Torchancen kreieren und bei Balleroberung aktiv sein. Dieser rote Faden zieht sich bei uns durch die gesamte Fußballschule.

DFB.de: Sie sind seit etwas mehr als eineinhalb Jahren U 19-Trainer. Was haben Sie aus den zurückliegenden Monaten mitgenommen und was möchten Sie verbessern?

Wiedensohler: Im besten Fall wollen wir zwei Dinge kombinieren: In erster Linie sind wir Ausbildungsstätte, aber wir wollen die Jungs auch dahingehend ausbilden, den nötigen Siegeswillen zu entwickeln und den Fokus noch stärker auf ein positives Ergebnis zu konzentrieren. Beim Thema Effizienz haben wir noch Luft nach oben. Dafür, dass wir sehr viel Ballbesitz haben, springt oft noch zu wenig dabei heraus. Die letzten Prozentpunkte in der Entwicklung der Spieler herauszuholen, daran arbeiten wir.

DFB.de: Das Hauptziel ist die Nachwuchsförderung und das Heranführen der Toptalente an den Profikader. Was müssen die Spieler mitbringen, um den Sprung zu schaffen?

Wiedensohler: Talent ist lediglich die Eintrittskarte in diesen Kosmos. Viel wichtiger sind jedoch die Einstellung und der Charakter, die dich in diesem Laufrad weiterbringen und den Unterschied ausmachen. Es gibt sehr viele gute Fußballer, aber am Ende entscheiden Fleiß, Klarheit und das die Spieler permanent hungrig bleiben.

DFB.de: Was wollen Sie als Trainer den Talenten vor allem mitgeben?

Wiedensohler: Es ist ein Mix aus Persönlichkeits- und Fußballentwicklung. Uns ist wichtig, dass wir die Spieler nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes begleiten. Es geht um Demut, Bodenständigkeit und Ehrlichkeit - alles Werte, die wir von den Jungs einfordern. Unser Ziel ist es, möglichst viele Spieler in den Profibereich zu bekommen, aber die anderen Jungs gleichzeitig auch auf ein normales Berufsleben vorzubereiten. Da schaden diese Eigenschaften nicht, ganz im Gegenteil.

DFB.de: Ist es für Freiburger Nachwuchsspieler durch die extrem gute Entwicklung der Profis, die vor wenigen Monaten erstmals im Finale der UEFA Europa-League standen, noch schwieriger geworden, sich für ganz oben zu empfehlen?

Wiedensohler: Am Finaltag in Istanbul habe ich an einer Bootsfahrt auf dem Bosporus teilgenommen. Wir fuhren unter einer Brücke, oben wehten riesengroße Flaggen von Aston Villa und dem SC Freiburg. Es macht mich stolz, ein Teil dieser Entwicklung sein zu dürfen. Dieses surreale Bild hat mich bis heute nicht losgelassen. Grundsätzlich sind die Ansprüche und die Qualität extrem gestiegen, was unsere Arbeit noch herausfordernder macht, die Jungs oben unterzubringen.

DFB.de: Was haben Sie sich für diese Saison vorgenommen?

Wiedensohler: Ehrlicherweise kein bestimmtes Ziel. Unser Motto für diese Saison lautet, möglichst jedes Spiel am Wochenende zu gewinnen. Wenn wir das umsetzen, kommt alles andere von ganz alleine. Am Ende geht es um Entwicklung, dass die Jungs besser werden. Dass die Haare wachsen, kann man auch nicht jeden Tag sehen. Nach einiger Zeit dürfte der Unterschied jedoch sichtbar sein. (lacht) So verhält es sich auch beim Fußball.

Kategorien: DFB-Pokal der Junioren

Autor: mspw