DFB-Pokal der Frauen
FCN-Kapitänin Lein vor Frankfurt-Duell: "Mutig unsere Chance suchen"

Seit mehr als zehn Jahren trägt Nastassja Lein das Trikot des 1. FC Nürnberg. Seit dieser Saison ist sie Kapitänin beim Club. Am Sonntag (ab 14 Uhr, live bei DFB.TV) will sie ihr Team gegen Eintracht Frankfurt in das Viertelfinale um den DFB-Pokal führen. Im DFB.de-Interview spricht die 25 Jahre alte Offensivspielerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über das Pokalduell.
DFB.de: Beim 2:0 gegen Bayer 04 Leverkusen gelang der erste Saisonsieg in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Wie groß war die Erleichterung, Frau Lein?
Nastassja Lein: Die war schon sehr groß, muss ich sagen. Wir hatten uns das aber auch durch unsere gute Leistung absolut verdient.
DFB.de: In einem eindrucksvollen Instagram-Video war zu sehen, wie sehr das Team den Erfolg gefeiert hat!
Lein: So sah es in unserer Kabine in der zurückliegenden Saison nach Siegen häufiger aus. (lacht) Wir waren einfach sehr froh, dass die Punkte in Nürnberg geblieben sind.
DFB.de: Bayer 04 gehört zu den Spitzenmannschaften der Liga. Warum hat es dennoch mit dem ersten Dreier geklappt?
Lein: Grundsätzlich hatten wir uns im Vorfeld über die Tabellensituation kaum Gedanken gemacht. Daher war das Ergebnis für mich auch keine so große Überraschung, wie es vielleicht von außen bewertet wurde. Wir waren einfach griffiger und konnten unsere Leistung vor allem endlich auch mal über 90 Minuten auf den Platz bringen. Das war entscheidend.
DFB.de: Hatte sich im Vorfeld abgezeichnet, dass die Wende gelingen könnte?
Lein: Wir haben in dieser Saison schon einige gute Spiele abgeliefert, auch wenn die Ergebnisse meistens nicht gestimmt haben. Von daher wussten wir, dass wir uns vor keinem Gegner in dieser Liga verstecken müssen.
DFB.de: Was hatte zuvor gefehlt, um schon früher ein Erfolgserlebnis zu landen?
Lein: Es reicht schon ein Blick auf unser Torverhältnis, um zu wissen, dass wir zu viele Gegentreffer kassiert haben. Dafür ist aber nicht nur die Abwehr, sondern das gesamte Team verantwortlich. Schließlich muss sich jede auch an der Defensivarbeit beteiligen. Oft haben die die Entschlossenheit beim Verteidigen vermissen oder uns von negativen Ereignissen wie einem Rückstand runterziehen lassen. Umso wichtig war es, dass wir nun gegen Leverkusen auch erstmals zu Null gespielt haben.
DFB.de: Musste sich das Team erst an den neuen Trainer Omar Adlani und seine Spielphilosophie gewöhnen?
Lein: Ja, klar. Der neue Trainer hat eigene Ideen und setzt auf eine andere Art des Fußballs. Während wir zuvor fast ausschließlich auf eine eher defensive Ausrichtung mit Umschaltmomenten gesetzt hatten, möchte Omar mehr Kontrolle am Ball und auch mehr Spielfreude sehen. Es war absehbar, dass nicht auf Anhieb alles funktioniert. Inzwischen sind wir aber auf einem guten Weg.
DFB.de: Trotz des Sieges steht nach acht Spieltagen ein Abstiegsplatz zu Buche. Wie bewerten Sie aktuell die Ausgangsposition und wie schätzen Sie die Chancen auf den Klassenverbleib ein?
Lein: Wie schon gesagt: Es bringt nichts, sich nach acht Spieltagen zu sehr mit der Tabelle zu beschäftigen. Entscheidend ist, dass wir grundsätzlich in jedem Spiel in der Lage sind, Punkte zu holen. Wenn uns das gelingt, kommt alles andere von alleine.
DFB.de: Welche Vereine zählen Sie zu den direkten Konkurrenten?
Lein: Dass der 1. FSV Mainz 05 nach dem ersten Aufstieg in die Bundesliga Probleme hat, kommt nicht überraschend. Das ging uns vor drei Jahren genauso. Der HSV ist für uns ebenso in Reichweite wie der gut in die Saison gestartete VfB Stuttgart. Vielleicht kommt noch der eine andere Vereine hinzu.
DFB.de: Vor dem Hinrundenendspurt geht es zunächst mit dem Achtelfinale im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt weiter. Welchen Stellenwert hat der Pokalwettbewerb im Vergleich zur Meisterschaft?
Lein: Es sind zwei verschiedene Wettbewerbe, in beiden wollen wir so erfolgreich wie möglich sein. Nachdem wir in den zurückliegenden Jahren jeweils oft schon in der ersten Runde gescheitert waren, ist die Teilnahme am Achtelfinale schon mal ein Fortschritt. Aber damit geben wir uns nicht zufrieden, sondern wollen auch die nächste Runde erreichen.
DFB.de: Was ist gegen die Hessinnen für den "Club" drin?
Lein: Es ist ein K.o.-Spiel, das wir für uns entscheiden wollen. Beim 1:1 in der Liga in Frankfurt haben wir ein sehr gute Leistung abgeliefert. Aus meiner Sicht wäre sogar ein Sieg nicht unverdient gewesen. Daran wollen wir anknüpfen.
DFB.de: Könnte es ein Vorteil sein, dass die Frankfurterinnen in dieser Woche noch im UEFA Women's Europa Cup in Eindhoven im Einsatz waren?
Lein: Die Eintracht hat einen gut besetzten Kader und ist es auch gewöhnt, in Englischen Wochen ein wenig zu rotieren. Deshalb glaube ich nicht, dass es eine wesentliche Rolle spielt. Ich gehe davon aus, dass beide Teams alles reinwerfen werden, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren.
DFB.de: An vorherige Duelle mit der Eintracht haben Sie besonders gute Erinnerungen, oder?
Lein: Neben dem Erreichen des Klassenverbleibs war unser 5:3-Heimsieg gegen Frankfurt ganz sicher ein Höhepunkt der zurückliegenden Saison. Für mich war es mit meinen drei Toren das bislang größte Spiel.
DFB.de: Worauf wird es ankommen, um erneut erfolgreich zu sein?
Lein: Das Wichtigste wird sein, dass wir selbstbewusst ins Spiel gehen und mutig unsere Chance suchen. So fühlen wir uns wohl und haben auch die Chance, Eintracht Frankfurt auszuschalten.
DFB.de: Seit Saisonbeginn tragen Sie die Spielführerinnenbinde. Was bedeutet Ihnen das?
Lein: Es ist eine große Ehre, den Verein in dieser Rolle zu vertreten. Ich sehe es unter anderem als Anerkennung für die lange Zeit, die ich schon beim Club verbracht habe, und die gezeigten Leistungen. Ich habe mich in den zurückliegenden Jahren bereits in diese Richtung entwickelt und war zuvor hinter Luisa Guttenberger auch schon stellvertretende Kapitänin. Dabei konnte ich mir bei ihr bereits einiges abschauen.
DFB.de: Entspricht es Ihrem Naturell, im Team voranzugehen?
Lein: Ich bin sicherlich keine Lautsprecherin, sondern mache es auf meine Art. Wenn das nicht möglich wäre, hätte ich das Amt nicht übernommen. Ich sehe meine Aufgabe unter anderem darin, meine gesammelten Erfahrungen und meine langjährige Kenntnis des Vereins und seines Umfelds an die neuen und jüngeren Spielerinnen weiterzugeben und sie damit zu unterstützen.
DFB.de: Was nehmen Sie sich persönlich für den weiteren Saisonverlauf vor?
Lein: Vor allem habe ich mir vorgenommen, den neuen Spielstil unseres Trainers anzunehmen und konstante gut Leistungen zu bringen, um dem Team zu helfen. Dabei lerne ich noch Tag für Tag dazu, um Omars Ideen noch besser zu verinnerlichen.
Kategorien: DFB-Pokal der Frauen, Google Pixel Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

FAQ: Das müssen Fans zum Achtelfinale im DFB-Pokal der Frauen wissen
Der DFB-Pokal der Frauen geht in die nächste Runde. Zwischen dem heutigen Freitag und Montag werden die Achtelfinalspiele ausgetragen, dabei kommt es zu sechs Bundesligaduellen. DFB.de beantwortet die wichtigsten Fragen im FAQ.

3:0 gegen die SGS Essen: VfB Stuttgart souverän im Viertelfinale
Der VfB Stuttgart hat das erste Ticket für das Viertelfinale des DFB-Pokals der Frauen gebucht. Zuhause im Stadion auf der Waldau gelang den Stuttgarterinnen gegen die SGS Essen aus der 2. Frauen-Bundesliga ein 3:0 (2:0).

DFB-TV: Achtelfinale im DFB-Pokal der Frauen live und in Konferenzen
Wer Frauenfußball liebt, kommt bei DFB.TV auf seine Kosten. Denn ab dem heutigen Freitag steht das Programm ganz im Zeichen des DFB-Pokals der Frauen. Sechs von acht Spielen im Achtelfinale bietet DFB.TV live in voller Länge oder in Konferenzen an.