DFB-Nachwuchsliga

FCA-Trainer Jakob Strehlow: "Nachwuchs mehr denn je im Fokus"

06.05.2026
FCA-Trainer Strehlow vor dem Stuttgart-Spiel: "Haben schon gezeigt, dass wir dem VfB auch weh tun können" Foto: FC Augsburg

Die U 17 des FC Augsburg hat am Samstag (ab 11 Uhr, live bei Sky) die Chance, erstmals seit 1979 in das Endspiel um die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft einzuziehen. Das Team von Trainer Jakob Strehlow ist im Halbfinale beim VfB Stuttgart zu Gast. Im DFB.de-Interview spricht der 41-Jährige mit Mitarbeiter Ralf Debat über ein emotionales Duell und die enge Verzahnung zwischen Junioren und Profis.

DFB.de: Um wie viele Jahre sind Sie im Viertelfinalspiel Ihres Teams beim 1. FC Köln gealtert, Herr Strehlow?

Jakob Strehlow: In Zahlen lässt sich das nicht genau ausdrücken. (lacht) Ich kann aber sagen, dass es mir sehr viel Freude bereitet hat, dieses Spiel von der Seitenlinie aus zu verfolgen. Das Niveau war sehr hoch, schon in der regulären Spielzeit sind acht Tore gefallen, die Führung wechselte hin und her. Auf diese Leistung gegen eines der besten U 17-Teams in Deutschland hätten wir selbst bei einem Ausscheiden stolz sein können.

DFB.de: Der FCA setzte sich erst im Elfmeterschießen 3:2 durch, insgesamt sieben von zwölf Schüssen wurden vergeben. Wie haben Sie das erlebt?

Strehlow: Man hat schon gemerkt, dass beide Teams zuvor schon viel Energie auf dem Platz gelassen hatten. Da haben bei einigen Schützen die Beine gewackelt. Unser Torhüter Luka Skoro hat aber vor allem deshalb vier Elfmeter gehalten, weil er jeweils die richtige Ecke geahnt hatte. Das war schon herausragend.

DFB.de: Es war auch noch das Duell mit Ihrem früheren Verein, für den Sie viele Jahre tätig waren. Macht es das noch spezieller?

Strehlow: Es war definitiv sehr emotional für mich. Ich habe in Köln studiert, war insgesamt 15 Jahre beim FC und habe viele Freunde wieder getroffen. Auch zahlreiche Kölner Spieler kannte ich schon aus meiner Zeit.

DFB.de: Wie sehr wirken sich solche extremen Situationen auf die Entwicklung Ihrer jungen Spieler aus?

Strehlow: Es war im Vorfeld deutlich zu spüren, wie sehr die Jungs den K.o.-Spielen entgegenfiebern. Durch solche Erlebnisse reifen sie enorm, sammeln wichtige Erfahrungen für ihren weiteren Weg.

DFB.de: Welche Bedeutung hat die Teilnahme an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft und der Einzug in das Halbfinale grundsätzlich für die Spieler und den Klub?

Strehlow: Das zeigt schon, dass wir als Verein aufgeholt haben und die Unterschiede zu den Topklubs nicht mehr so groß sind. Schließlich hatte sich auch unsere U 19 für die Endrunde qualifiziert. Das ist ein Beleg für die gute Arbeit, die hier seit einigen Jahren geleistet wird, und für die positive Gesamtentwicklung. Der Nachwuchs steht beim FCA mehr denn je im Fokus.

DFB.de: Eine U 17-Mannschaft des FC Augsburg stand zuletzt 1979 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Wie groß ist die Motivation, diesen Erfolg 47 Jahre später zu wiederholen?

Strehlow: Das war mir bisher gar nicht bewusst. Auf jeden Fall werden wir alles investieren, um diesen Erfolg zu wiederholen oder im besten Fall sogar noch zu toppen. Schon der Einzug in das Endspiel, wird allerdings eine sehr schwierige Aufgabe.

DFB.de: Der Halbfinalgegner VfB Stuttgart zog mit zwei Kantersiegen in die Runde der verbliebenen vier Mannschaften ein. In der Hauptrunde der Liga A gab es in den direkten Duellen zwei knappe Niederlagen. Wie bewerten Sie den Gegner?

Strehlow: Der VfB hat zuletzt Ende September ein Spiel verloren, stellt aus meiner Sicht aktuell den besten U 17-Jahrgang in Deutschland. Zwei K.o.-Spiele 9:0 und 6:0 zu gewinnen, ist schon imponierend. Das Team ist körperlich stark, aber auch taktisch sehr gut.

DFB.de: Welche Rolle spielt der Heimvorteil?

Strehlow: Im gewohnten Umfeld spielen zu können, ist sicherlich ein kleiner Vorteil. Allzu viel macht das aber nicht aus. Der Platz ist unserem sehr ähnlich, die Bedingungen sind hervorragend. Dazu haben wir in Köln gezeigt, dass wir auch auswärts gewinnen können.

DFB.de: Worauf wird es ankommen, um eine erneute Überraschung zu schaffen?

Strehlow: Trotz der beiden Niederlagen haben wir schon gezeigt, dass wir dem VfB auch weh tun können. Im Rückspiel hatten wir uns schon deutlich gesteigert und lange Zeit geführt. Wir werden auf jeden Fall eine Idee entwickeln, wie wir das Duell für uns entscheiden können. Ich denke, die Stuttgarter haben auch Respekt vor uns.

DFB.de: Sie sind seit knapp zwei Jahren als U 17-Trainer beim FC Augsburg tätig. Warum war es für Sie der richtige Schritt?

Strehlow: Nach einer so langen Zeit beim 1. FC Köln wollte ich meine Komfortzone verlassen. Beim FCA habe ich in den Gesprächen großes Vertrauen gespürt, das hat sich auch absolut bestätigt. Vom ersten Moment an habe ich mich sehr wohl gefühlt und weiß die Rückendeckung des Vereins sehr zu schätzen.

DFB.de: Welche persönlichen Ziele verfolgen Sie als Trainer?

Strehlow: Ich möchte beim FCA gerne die nächsten Schritte gehen. Perspektivisch strebe ich in den nächsten Jahren an, mich auch für die Ausbildung zur Pro Lizenz zu qualifizieren.

DFB.de: Der aktuelle FCA-Cheftrainer Manuel Baum war selbst viele Jahre im Nachwuchsbereich tätig. Erleichtert das die Zusammenarbeit mit der Lizenzabteilung?

Strehlow: Definitiv. Schon seit ein paar Jahren hat beim FCA ein Umdenken stattgefunden, die Nachwuchsarbeit hat seitdem einen noch höheren Stellenwert. Dass jetzt auch noch mit Manuel Baum und seinem Assistenten Alexander Frankenberger zwei Trainer aus unserer Abteilung bei den Profis arbeiten, ist ein riesiger Mehrwert. Die Verzahnung wird immer enger, der Austausch findet auf Augenhöhe statt. Dabei hilft es beispielsweise sehr, dass sämtliche Nachwuchstrainer von der U 9 bis zur U 23 abwechselnd beim Training der Profis hospitieren dürfen. Oder dass Juniorenspieler an den eingeführten Entwicklungstagen oben mittrainieren oder dass auch mal Profis bei Trainingseinheiten der Junioren dabei sind.

DFB.de: Zuletzt haben einige Eigengewächse den Sprung in den Lizenzkader geschafft. Sind das auch Vorbilder für die aktuellen Nachwuchsspieler?

Strehlow: Auf jeden Fall. Wenn man sieht, dass Spieler wie Noahkai Banks oder Mert Kömür schon regelmäßig ihre Einsatzzeiten bekommen oder erst vor einigen Wochen auch Tim Schnitzer sein Debüt in der Bundesliga gegeben hat, dann schafft das Identifikation.

DFB.de: Werden wir auch einige Spieler aus Ihrem Team eines Tages in der Bundesliga sehen?

Strehlow: Darauf arbeiten wir alle hin. Ich bin allerdings eher ein Verfechter davon, die Jungs nicht zu früh nach oben zu schieben, sondern sie Schritt für Schritt zu entwickeln. In der U 19 und in der U 23 können sie weiter an sich arbeiten, um bestmöglich auf den Profifußball vorbereitet zu sein.

Kategorien: DFB-Nachwuchsliga

Autor: mspw