DFB-Nachwuchsliga
"Wir werden einige Spieler im Profifußball sehen"
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Im Endspiel um die Deutsche A-Junioren-Meisterschaft treffen am Sonntag (ab 13 Uhr, live bei Sky) mit den U 19-Teams der TSG Hoffenheim und des 1. FC Köln die Titelträger der beiden zurückliegenden Spielzeiten aufeinander. Die TSG triumphierte 2024, der FC vor einem Jahr. Im DFB.de-Interview sprechen die Trainer Paul Ehmann (33) und Stefan Ruthenbeck (54) über das Finale in der PreZero Arena.
DFB.de: Nur noch ein Schritt ist es bis zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Welche Qualitäten haben Ihre Teams in das Finale gebracht, Herr Ehmann und Herr Ruthenbeck?
Paul Ehmann: Im Laufe der Saison gab es unterschiedliche Anforderungen. Während der Vorrunde haben wir einen sehr offensiven Fußball gespielt, in der Hauptrunde war wegen der deutlich höheren Leistungsdichte vor allem eine große Widerstandsfähigkeit gefragt. In den K.o.-Spielen ging es darum, positive Ergebnisse zu erzielen. Außerdem zeichnet die Mannschaft neben der individuellen Qualität aus, dass die Jungs füreinander da sind.
Stefan Ruthenbeck: Die Mannschaft ist offensiv stark, hat ein gutes taktisches Verständnis und verfügt gemeinsam mit der TSG Hoffenheim über die beste Passquote. Wir haben einige Jungs entwickelt, die bereits auf einem sehr hohen technischen Niveau unterwegs sind. Wir sind auch in diesem Jahr wieder schwer zu besiegen. Die Mannschaft kann auf verschiedene Spielsituationen flexibel reagieren, ist gierig und verfügt über eine gute Mentalität.
DFB.de: Es stehen sich die Titelträger der beiden zurückliegenden Jahre im Endspiel gegenüber. Auch wenn es andere Nachwuchsspieler sind: Das ist kein Zufall, oder?
Ehmann: Ganz sicher nicht. Beide Akademien stehen schon seit längerer Zeit für eine sehr gute Nachwuchsarbeit. Dass tatsächlich die beiden letzten Meister aufeinandertreffen, macht das Finale noch interessanter.
Ruthenbeck: Hinzu kommt noch, dass wir auch im Halbfinale des DFB-Pokals standen und dort erst nach Verlängerung beim VfL Wolfsburg 2:3 unterlegen waren. Auch in der UEFA Youth League hat das Team eine gute Rolle gespielt und gezeigt, dass in Köln gut gearbeitet wird. Für Hoffenheim gilt das selbstverständlich genauso.
DFB.de: Wie wertvoll sind grundsätzlich die Erfahrungen, die Ihre Spieler während des Endspiels sammeln werden, für den weiteren Karriereweg?
Ruthenbeck: Letztlich geht es darum, dass du bei den Spielern Woche für Woche die absolute Gier auf das Gewinnen von Spielen entwickelst. Ein Finale sorgt dafür, dass das Ambiente einem Profispiel schon sehr nahe kommt. Wir sind vor einem Jahr vor knapp 25.000 Zuschauern im Finale in der Leverkusener BayArena angetreten. In der Youth League haben wir in Köln vor 50.000 Fans gespielt. Bei solchen Spielen erkennt man, ob die Jungs dem Druck standhalten und auch mit den besonderen Umständen vor und während einer Partie zurechtkommen.
Ehmann: Ich würde sagen, dass die Jungs von diesen Erlebnissen noch lange zehren werden. Fast alle Partien während der Endrunde waren extrem eng. Das nehmen die Spieler mit in den Profifußball.
DFB.de: Beide Teams hatten sowohl ihre Vorrundengruppe als auch die Hauptrunde der Liga A jeweils auf Platz eins abgeschlossen. War der Weg ins Finale daher vorgezeichnet?
Ruthenbeck: Ich glaube, dass die Platzierung in der Gruppenphase für den Weg bis in das Finale keine wesentliche Rolle spielt. Im zurückliegenden Jahr waren wir Vierter in der Vorrunde und sind später Deutscher Meister geworden. In den entscheidenden K.o.-Spielen kann immer alles passieren.
Ehmann: Beide Teams haben es auf jeden Fall verdient, im Endspiel zu stehen. Für mich haben die beiden besten deutschen U 19-Mannschaften das Finale erreicht.
DFB.de: Hat die TSG Hoffenheim durch das Heimrecht einen wesentlichen Vorteil?
Ehmann: Da die Partie nicht im Dietmar-Hopp-Stadion, sondern in der großen PreZero Arena stattfindet, ist es für uns auch eine Umstellung. Im Gegensatz zu uns sind es die Kölner durch die UEFA Youth League schon gewohnt, in großen Stadien zu spielen. Auf der anderen Seite können wir in unseren gewohnten Abläufen bleiben, haben kurze Wege.
Ruthenbeck: In einem Spiel kann immer viel passieren, aber eine Partie vor eigenem Publikum ist ein klarer Vorteil für die TSG, weil mehr Hoffenheimer Zuschauer als Kölner im Stadion sein werden.
DFB.de: Worauf wird es ankommen, um das Finale für sich zu entscheiden?
Ruthenbeck: Momentum und Tagesform sind zwei ganz wesentliche Faktoren. Wir haben unsere Qualitäten in den Umschaltmomenten, die TSG steht für Ballbesitzfußball.
Ehmann: Aus meiner Sicht ist es die beste Idee, auch in einem so wichtigen Spiel daran festzuhalten, was uns bisher stark gemacht hat und uns nicht allzu sehr nach dem Gegner zu richten. Wir gehen auf jeden Fall mit viel Selbstvertrauen in die Partie.
DFB.de: Wie sehr helfen Ihnen Ihre Erfahrungen aus früheren Endspielen, Herr Ruthenbeck?
Ruthenbeck: Ein erfahrener Trainer ist wichtig, aber ich stehe nicht auf dem Platz. Ich kann die Spieler nur bestmöglich auf ein Finale vorbereiten. Die richtigen Entscheidungen und Lösungen müssen die Jungs jedoch auf dem Platz treffen.
DFB.de: Sehen Sie Parallelen zu Ihrer Meistermannschaft von 2025? Wie viele Spieler waren damals schon dabei?
Ruthenbeck: Aus der Abwehr-Viererkette sind noch Luis Stapelmann, Jonathan Friemel und Assad Kotya-Fofana dabei. Timo Schmitz ist unsere Nummer eins, war in der Vorsaison noch Ersatztorhüter. Hinzu kommen David Fürst, Arian Römers, Fynn Schenten, Alessandro Puzzo und Jason Ponente-Ramirez. Das ist sicherlich kein Nachteil.
DFB.de: Die U 19 der TSG Hoffenheim gewann 2024 sogar das historische Double. Welche Bedeutung hätte ein erneuter Titelgewinn für den Verein, die Spieler und Sie als Trainer, Herr Ehmann?
Ehmann: Einen solchen Titel zu gewinnen, ist etwas ganz Besonderes - für den Verein, die gesamte Akademie, aber auch für jeden Einzelnen. Mir würde es auch persönlich viel bedeuten, diese sehr positive Saison jetzt auch mit einem Erfolg abzuschließen. Dennoch sollten wir es auch nicht überhöhen. Im Mittelpunkt steht immer die Ausbildung der Spieler.
DFB.de: Die zweite Saison der DFB-Nachwuchsliga geht nun zu Ende. Haben sich die Veränderungen aus Ihrer Sicht bewährt?
Ehmann: Zunächst einmal finde ich den Austausch mit dem DFB sehr gut. Die Verantwortlichen holen regelmäßig auch das Feedback der Trainer ein. Für mich ist das sportliche Niveau in der Hauptrunde und in den K.o.-Spielen sehr hoch und schon nah am Profifußball. Verbessern ließe sich vielleicht der Modus während der Vorrunde.
Ruthenbeck: Wenn man so weit kommt wie wir, dann ist die Liga super. Schafft man es nicht in die K.o.-Phase, muss man viele Wochen überbrücken, weil die Saison im Grunde schon Ende April oder Anfang Mai zu Ende ist. Darüber sollte man sich vielleicht einmal Gedanken machen. Das Niveau in der Endrunde ist schon nah dran am Profifußball.
DFB.de: Werden wir nach Ihrer Einschätzung viele Spieler, die das Finale bestreiten, eines Tages auch in der Bundesliga wiedersehen?
Ruthenbeck: Ich bin mir relativ sicher, dass wir drei bis fünf Spieler nicht zwingend in Köln, aber später im Profifußball sehen werden.
Ehmann: Davon bin ich ebenfalls überzeugt. Auch wir haben eine Reihe von absoluten Top-Talenten bei uns in der Kabine, denen wir alles zutrauen.
Kategorien: DFB-Nachwuchsliga
Autor: mspw

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