DFB-Pokal
Dieter Hoeneß: "In gewisser Weise ein Traumfinale"

Fußball-Deutschland fiebert dem 83. DFB-Pokalfinale entgegen, das guten Sport und viel Spannung verspricht. Der Deutsche Meister FC Bayern München fordert heute (ab 20 Uhr, live in der ARD und bei Sky) den Titelverteidiger VfB Stuttgart. Für einen Mann ist es ein ganz besonderes Spiel: Ex-Nationalspieler Dieter Hoeneß, heute Inhaber einer Berateragentur, verbrachte bei diesen Vereinen seine komplette Profikarriere, wurde mit ihnen in verschiedenen Funktionen sogar Meister - und engste familiäre Bande gibt es auch in beide Richtungen. Im DFB.de-Interview spricht der 73 Jahre alte Vizeweltmeister von 1986 darüber.
DFB.de: Herr Hoeneß, kann man behaupten, dass Ihr Traumfinale in Berlin steigt?
Dieter Hoeneß: In gewisser Weise schon. Andererseits bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Ich habe beim FC Bayern acht tolle Jahre verbracht und gönne ihnen wirklich jede Meisterschaft und jeden Pokal. Zumal wir mit Aleksandar Pavlovic und Josip Stanisic auch zwei ihrer Spieler betreuen. Dann gibt es da noch die familiären Bande zu meinem Bruder Uli - aber natürlich auch zu meinem Sohn Sebastian, dem Trainer des VfB.
DFB.de: Wem also wünschen Sie den Sieg mehr?
Hoeneß: Die Tendenz geht schon ein bisschen in Richtung meines Sohnes, aber ich sage auch: Der Bessere soll gewinnen. Die Bayern sind hoher Favorit, die Ligaspiele in dieser Saison sind recht einseitig zu ihren Gunsten verlaufen. Aber in einem einzelnen Spiel kann alles passieren, und wenn der VfB das Maximale leistet, kann er gewinnen. Hoffentlich wird es ein schönes Spiel, an dem die Zuschauer ihre Freude haben.
DFB.de: Beim ersten Finale zwischen diesen Vereinen vor 40 Jahren standen Sie selbst auf dem Platz. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Hoeneß: Es war eine skurrile Situation. Der VfB hatte uns 1986 mit seinem Sieg gegen Werder Bremen am letzten Spieltag noch zum Meister gemacht, nachdem wir das ganze Jahr nicht an der Spitze gestanden hatten. Wir waren den Stuttgartern eigentlich unheimlich dankbar und hatten, ehrlich gesagt, gar nicht so einen Hunger auf den Pokalsieg. Aber dann lief es irgendwie von allein, wir führten schnell 4:0, am Ende gewannen wir mit 5:2 - und hätten es dabei doch auch dem VfB gegönnt. Ich hoffe jedenfalls, dass es diesmal spannender wird.
DFB.de: Sie standen schon beim Endspiel 1985 in Berlin auf dem Platz. Das war nicht mal ausverkauft. Stimmen Sie zu, dass die Atmosphäre heute eine bessere ist als damals?
Hoeneß: Ja, es musste sich halt erst zum deutschen Wembley entwickeln. Wir spielten damals noch nachmittags, ohne Flutlicht. Man hat mittlerweile begriffen, dass man das Pokalfinale zelebrieren muss. Jetzt ist es ein riesiges Fußballfest, dafür ist das Berliner Olympiastadion wie geschaffen. Allein schon der Anblick zweier gleich großer Fanlager ist immer wieder ganz was Besonderes.
DFB.de: Als Hertha-Manager hofften Sie vergeblich auf ein Heimspiel im Pokalfinale…
Hoeneß: Ja, schade. Es war mein großer Wunsch, das Finale nicht nur zu besuchen, sondern auch mal dabei zu sein. Das hat nie geklappt. Trotzdem war es die beste Zeit, die Hertha je hatte.
DFB.de: Als Spieler haben Sie immerhin in vier Pokalendspielen gestanden. Werden Sie Ihrem Sohn Sebastian nützliche Tipps geben können?
Hoeneß: Wir stehen ja stets im regelmäßigen Austausch. Ich bin nicht nur sein Vater, sondern auch sein Mentor. Taktisch muss ich ihm nichts erzählen, aber es gibt im Fußball immer mal Situationen, in denen ihm mein Erfahrungsschatz aus über 50 Jahren helfen kann.
DFB.de: Der Name Hoeneß steht für Tore auf dem Spielfeld und erfolgreiches Management. Uli bei den Bayern, Sie beim VfB und der Hertha. Als Trainer sind weder Sie noch Ihr Bruder aufgefallen. Wie erklären Sie sich den Sonderweg Ihres Sohnes?
Hoeneß: Er hatte natürlich eine gewisse Vorprägung, unser Leben drehte sich um Fußball. Er war ein guter Spieler und schon Karsten Heine, dem A-Jugendtrainer bei Hertha BSC, ist aufgefallen, dass er strategische Fähigkeiten hat und wie ein Trainer denkt. Das ging bei Sebastian schon früh in die Richtung. Sein Körper hat leider die Belastungen nicht ausgehalten, um eine Profikarriere zu machen. Er musste zum Beispiel mehrmals an der Leiste operiert werden. So schlug er die Trainerlaufbahn ein und hat im Juniorenbereich bei RB Leipzig und den Bayern das Beste aus diesen Welten für sich mitgenommen - den Umschalt- und den Ballbesitzfußball.
DFB.de: Gehen Sie eigentlich auf alle Fälle aufs Siegerbankett?
Hoeneß: Ich gehe auf alle Fälle zum VfB, meine Familie ist da und wir werden dann bei Sebastian sein wollen. Ich habe übrigens auch meine Karte vom VfB, aber ansonsten hätte ich auch eine von den Bayern bekommen.
Kategorien: DFB-Pokal
Autor: um

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