U 21-Männer

Di Salvo: "Meilenstein in Richtung EM-Qualifikation"

01.04.2026
Di Salvo: "Das sind Entwicklungsschritte, die uns in den letzten Jahren stark gemacht haben" Foto: Thomas Boecker/DFB

Die deutsche U 21-Nationalmannschaft ist mit zwei Siegen gegen Nordirland (3:0) und Griechenland (2:0) in der EM-Qualifikation auf Kurs EM-Teilnahme. DFB-Trainer Antonio Di Salvo sprach mit DFB.de über die vergangenen Spiele, die zukünftigen Aufgaben und seine Sommerplanungen.

DFB.de: Zwei Siege waren das erklärte Ziel in dieser Länderspielphase. Überwiegt die Freude oder die Erleichterung? 

Antonio Di Salvo: Sowohl als auch! Wir wollten unbedingt zwei Siege holen und haben durch den 2:0-Erfolg in Griechenland einen großen Meilenstein in Richtung Qualifikation zur EM 2027 in Albanien und Serbien genommen, da wir jetzt Tabellenführer sind. Unsere Ausgangslage hat sich dadurch deutlich verbessert. Trotzdem müssen wir die drei Spiele im September und Oktober konzentriert angehen und gewinnen, um vor Griechenland zu bleiben, das eine sehr gute Mannschaft hat. 

DFB.de: Gab es Momente oder Phasen, in denen Du gemerkt hast, dass die Mannschaft einen deutlichen Entwicklungsschritt gemacht hat?  

Di Salvo: Nach dem Start im September und den Umbrüchen im Oktober und November, bei denen uns immer wieder Spieler gefehlt haben, war es sehr schön zu sehen, dass der Kern an Spielern, die bislang konstant dabei waren, einspringen konnten, um Stabilität zu entwickeln. Die Mannschaft hat sich gefestigt und in Griechenland die Drucksituationen und Widerstände, die zu bewältigen waren, gut überstanden. Als zum Beispiel zwischen der 20. und 35. Minute das Stadion aufkam und Griechenland Druck gemacht hat, hat die Mannschaft stark dagegengehalten, das war besser als in den Spielen zuvor. Die Mannschaft wächst weiter zusammen und die Abläufe werden klarer.  

DFB.de: Welche Rolle spielt die Persönlichkeitsentwicklung der Spieler im täglichen Arbeiten bei der U 21? 

Di Salvo: Das spielt eine große Rolle, da die Reife aufgrund des Alters meist noch nicht so ausgeprägt ist. Es hilft, sich mit Gleichaltrigen zu messen und auszutauschen, weil alle ähnliche Themen beschäftigen. Trotzdem brauchen sie auch hin und wieder eine Hand, die sie führt und Hinweise gibt. Es ist unsere Aufgabe, auf und neben dem Platz eine Unterstützung zu sein.  

DFB.de: Welche Spieler haben sich in dieser Maßnahme besonders empfohlen – sei es durch Leistung, Mentalität oder Entwicklungssprünge? 

Di Salvo: Das ist die Mannschaft. Auf einzelne Spieler möchte ich da gar nicht eingehen. Allein im Griechenland-Spiel, als der Druck hoch war, kamen starke Impulse von den Einwechselspielern und von der Bank. Auch von Jungs, die nicht gespielt haben. Da hat man gespürt, worum es ging und wie viel Energie die Mannschaft in dieses Spiel gesteckt hat. Das sind Entwicklungsschritte, die uns in den letzten Jahren stark gemacht haben und die Mannschaft ist auf einem guten Weg dorthin. 

DFB.de: Ergebnisse liefern hieß jetzt der Auftrag. Mit den drei ausstehenden Spielen in Lettland, auf Malta und gegen Georgien stehen die vermeintlich einfacheren Aufgaben auf dem Quali-Programm. Verändert sich dadurch die Balance zwischen Ergebnissen und Entwicklungszielen? 

Di Salvo: Nein, das geht Hand in Hand. Die Mannschaft ist in der Entwicklung, die Spieler sind in der Entwicklung und das hört mit den Spielen im September nicht auf. Natürlich helfen dabei auch Siege und es ist ja auch unser Anspruch, diese drei Spiele zu gewinnen. Ich empfinde die Aufgaben aber auch nicht als einfach. Wir haben gesehen, dass alle Mannschaften fit sind, verteidigen können und alle taktischen Mittel beherrschen, um Spiele eng zu gestalten. Es ist schwer genug, da den Brustlöser zu finden, in Führung zu gehen und daraus Erfolge zu machen. 

DFB.de: Es steht eine Pause bis September an. Wie wirst du diese Zeit in Bezug auf die Arbeit bei der U 21 nutzen und welche Herausforderungen ergeben sich daraus?? 

Di Salvo: Wir hatten jetzt zwei Debütanten (Anm. d. Red.: Karim Coulibaly und Mika Baur) und mit Cajetan Lenz, Noah Darvich und Tim Pfeiffer drei weitere Neue dabei. Es ist meine Aufgabe, die Entwicklung der Spieler in der Bundesliga oder 2. Bundesliga weiter zu beobachten. Sowohl der bekannten aber auch von neuen Namen, die auf meiner Scoutingliste stehen und die sich gut entwickelt haben, aber bislang noch keine Chance hatten, dabei zu sein. 

DFB.de: Der Sommer wirft bereits seine Schatten voraus, Wie wirst du die WM verfolgen? 

Di Salvo: Zunächst von zuhause, dann werde ich zehn Tage in den USA sein und auch einige Spiele anschauen. Und natürlich hoffe ich, dass unser Team so weit wie möglich kommt.  

DFB.de: Wie verändert ein solches Turnier die Arbeit bei der U 21, sowohl im Vorfeld als auch durch die Eindrücke, die man mitnimmt? 

Di Salvo: Eine WM vor Ort zu erleben, gibt immer wichtige Eindrücke und Hinweise darauf, wohin sich der Fußball, zumindest auf Nationalmannschaftsebene, entwickelt. Ganz große taktische Veränderungen sind gar nicht zu erwarten, diese finden eher auf Spitzenniveau bei den Vereinen statt, etwa in der Champions League. Aber Erkenntnisse dafür, wie man so ein Turnier angehen kann oder wohin wir Spieler entwickeln müssen, damit sie auf Topniveau Leistung bringen können, sind sehr wertvoll. Und im Vorfeld einer WM versuchen wir natürlich, allen möglichen Kandidaten bei der U 21 die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen, um eventuell noch auf den WM-Zug aufspringen zu können. Auch das gehört zur Weiterentwicklung der Spieler hin zur A-Nationalmannschaft.  

DFB.de: Auch jetzt waren wieder Spieler aus der U 21 bei der A-Nationalmannschaft. Was bedeutet es dir persönlich, junge Spieler auf dem Weg dorthin zu begleiten? 

Di Salvo: Als Trainer ist mein Ziel die Qualifikation zur U 21-Europameisterschaft, um vielen jungen Spielern die Möglichkeit zu geben, auf höchstem Niveau zu performen. Dafür muss ich Spieler identifizieren und durch Höhen und Tiefen begleiten, auch wenn sie schon mal bei der A-Nationalmannschaft dabei waren. Das bereitet mir nach wie vor sehr große Freude und ist ein zentraler Teil meiner Arbeit. Natürlich ist es ein schönes Gefühl, wenn es Spieler bis ganz nach oben schaffen und man daran einen Anteil hat. Bei manchen geht es schneller, bei anderen gab es schon viele Berührungspunkte durch Gespräche, Training und Spiele. Deswegen ist es immer wieder schön, wenn ein Spieler diesen Schritt schafft.   

Kategorien: U 21-Männer

Autor: mb