U 19-Frauen

Behringer: "Eine EM ist immer etwas Besonderes"

24.04.2026
Melanie Behringer: "Wir werden von Spiel zu Spiel denken" Foto: DFB/dpa Picture-Alliance

Mit drei Siegen aus drei Spielen hat sich die deutsche U 19-Frauen-Nationalmannschaft souverän für die Europameisterschaft in Bosnien-Herzegowina (27. Juni bis 10. Juli 2026) qualifiziert. Im DFB.de-Interview ordnet Cheftrainerin Melanie Behringer die EM-Qualifikation ein und blickt voraus auf Chancen und Herausforderungen des Turniers, bei dem neben den Gastgeberinnen noch Polen und Schweden in der Gruppenphase warten.

DFB.de: Drei Spiele, drei Siege - wie ordnen Sie diese perfekte Qualifikationsrunde ein?

Melanie Behringer: Wir sind sehr glücklich, dass wir uns für die EM-Endrunde in Bosnien-Herzegowina qualifiziert haben. Wir hatten mit den beiden Standorten Velbert und Essen sehr gute Bedingungen vor Ort und haben uns rundum wohlgefühlt.

DFB.de: Welche Entwicklungsschritte Ihres Teams haben Sie in diesen drei Partien am deutlichsten gesehen?

Behringer: Wir haben generell eine gute Entwicklung in den letzten Wochen und Monaten gemacht. Gerade die Niederlage gegen Spanien in der ersten Qualifikationsrunde hat uns in diesem Prozess sicherlich geholfen. Wir treten insgesamt sehr viel selbstbewusster auf und konnten beispielsweise mit Rückschlägen während des Turniers gut umgehen.

DFB.de: Ihr Team hat gegen sehr unterschiedliche Gegner bestanden - Irland, Slowakei und Frankreich. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Ihre Mannschaft in allen Spielen Lösungen gefunden hat?

Behringer: Wir haben uns - wie immer - versucht, bestmöglich auf unsere Gegnerinnen vorzubereiten. Wichtig war aber, uns auf unsere eigenen Stärken zu besinnen. Das ist uns in allen drei Spielen gut gelungen. Einen wichtigen Faktor hatten auch unsere Input-Spielerinnen, die nochmal Schwung ins Spiel gebracht und entscheidende Tore erzielt haben.

DFB.de: Gab es einen Moment in der Qualifikation, in dem Sie gespürt haben: "Jetzt packen wir das EM‑Ticket"?

Behringer: Es gab nicht diesen einen Moment, aber über die ganzen Tage herrschte eine gewisse Freude im ganzen Team, die man nicht richtig greifen konnte. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl, dass wir das EM-Ticket packen können.

DFB.de: Ihr Team wirkt sehr geschlossen. Wie schaffen Sie es, in so kurzer Zeit eine solche Einheit zu formen?

Behringer: Es ist wichtig, als geschlossene Einheit aufzutreten. Wir funktionieren nur gemeinsam. Jede einzelne Spielerin, aber auch jedes einzelne Staffmitglied, darf sich nicht zu wichtig nehmen. Alle haben ihre jeweilige Rolle im Voraus gekannt und diese auch gut umgesetzt. Zudem haben wir einen Rahmen mit gewissen Regeln aber auch viel Freiraum festgelegt.  

DFB.de: Welche Ziele formulieren Sie für die EM-Endrunde in Bosnien und Herzegowina?

Behringer: Wir möchten genau da weiter machen, wo wir gegen Frankreich aufgehört haben. Wir werden von Spiel zu Spiel denken und daher legen wir unseren Fokus auf das erste Spiel gegen Bosnien-Herzegowina.  

DFB.de: Was muss Ihr Team bis zur EM noch verbessern, um gegen die Top‑Nationen bestehen zu können?

Behringer: Wie bereits erwähnt, sind wir in unserer Entwicklung auf einem guten Weg. Wir wissen aber auch, dass noch Luft nach oben ist. Die Vorbereitung zur EM werden wir nutzen, um weiterhin an Stellschrauben zu drehen.

DFB.de: Welche Rolle spielt für Sie die Erfahrung aus früheren Turnieren - sowohl als Trainerin als auch aus Ihrer aktiven Karriere?

Behringer: Glücklicherweise habe ich in meiner eigenen Karriere viele Turniere spielen dürfen und habe viele verschiedene Situationen durchlebt. Ich war Stammspielerin mit vielen Spielminuten, es gab aber auch Zeiten mit wenig bis keinen Einsätzen. Gerade diese Zeit, in der es für mich nicht so gut lief, ist nun enorm wertvoll für mich als Trainerin. Ich kann mich in die Gefühlslage der Spielerinnen hineinversetzen. Schlussendlich muss aber jede Spielerin ihre eigene Erfahrung machen. Ich versuche, sie dabei bestmöglich zu unterstützen.

DFB.de: Welche Bedeutung hat die EM für die langfristige Entwicklung der Spielerinnen?

Behringer: Eine EM zu spielen, ist immer etwas Besonderes und für die Entwicklung einer Spielerin Gold wert. Die Spielerinnen haben die Möglichkeit, sich in ihrem Altersbereich auf höchstem Niveau zu zeigen und sich mit den Besten zu messen. Sie lernen andere Spielweisen und Mentalitäten kennen und müssen sich durchsetzen. Zudem lernen sie früh mit Druck umzugehen, der nicht weniger wird, je höher das Niveau wird.

DFB.de: Ihr Team hat in der Qualifikation gezeigt, dass es enge Spiele gewinnen kann - etwa gegen Frankreich. Wie wichtig ist diese Erfahrung für ein Turnier, in dem jedes Spiel entscheidend sein kann?

Behringer: Diese Erfahrung gegen Frankreich ist ein weiterer wichtiger Schritt in unserer Entwicklung. Gerade als es zum Ende hin nochmal hektisch und die Französinnen teilweise auch hart an der Grenze gespielt haben, sind wir ruhig geblieben und haben dem Druck bis zum Schlusspfiff standgehalten.

DFB.de: Mit Spanien, Schweden, der Schweiz, Österreich, Island, Polen und Gastgeber Bosnien und Herzegowina wartet ein starkes Teilnehmerfeld. Wie schätzen Sie die Qualität dieser Endrunde ein?

Behringer: Ich schätze die Qualität bei der EM sehr hoch ein. Der Modus in der zweiten EM-Qualirunde ist kein einfacher. Nur das erstplatzierte Team qualifiziert sich für die EM. Daher erwarte ich spannende Spiele.

DFB.de: Wie sehen Sie Ihre Gruppe mit Gastgeber Bosnien-Heregowina, Polen und Schweden?

Behringer: Wir haben eine starke Gruppe, aber freuen uns auf jede einzelne Partie. Besonders schön ist es, das Eröffnungsspiel gegen Bosnien-Herzegowina zu bestreiten. Wir hoffen auf viele Zuschauer und freuen uns, wenn uns viele Familien, Freunde und Fans aus Deutschland unterstützen.

DFB.de: Worauf wird es in dieser Gruppe ankommen?

Behringer: Wir werden keinen einzigen Gegner unterschätzen und uns bestmöglich auf die Spiele vorbereiten. Unser Fokus liegt auf dem ersten Spiel. Wir möchten direkt mit einem Sieg in das Turnier starten.

Kategorien: U 19-Frauen

Autor: ag