2. Frauen-Bundesliga

Andernachs Torjägerin Schraa: "Gegenseitige Wertschätzung ist groß"

15.10.2026
Carolin Schraa: "Gerne gebe ich meine Erfahrung weiter" Foto: imago

Bei der SG 99 Andernach gehört Torjägerin Carolin Schraa in der 2. Frauen-Bundesliga zu den Leistungsträgerinnen. Nach zuletzt zwei Siegen treffen die "Bäckermädchen" am Sonntag (ab 14 Uhr) auf den Aufstiegsaspiranten SGS Essen. Im DFB.de-Interview spricht die 35 Jahre alte Stürmerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über den Saisonstart, ihre starke Torquote und die Konkurrenz durch Profiklubs.

DFB.de: Erleben Sie gerade Ihren dritten Frühling, Frau Schraa?

Carolin Schraa: Das weiß ich jetzt nicht. (lacht) Fakt ist aber, dass ich mich aktuell körperlich sehr gut fühle, viel Spaß am Fußball habe und zuletzt auch recht erfolgreich war.

DFB.de: Sechs Tore nach acht Ligaspielen, dazu noch zwei Treffer im DFB-Pokal, können sich auf jeden Fall sehen lassen. Wie erklären Sie sich Ihren guten Lauf?

Schraa: Trotz eines Umbruchs im Sommer passt es schon sehr gut mit dem Team. In der einen oder anderen Szene hatte ich sicherlich auch das nötige Quäntchen Glück und habe so Schwung aufgenommen. Jede Stürmerin kennt das: Wenn es einmal gut läuft, dann klappen viele Dinge besser. In erster Linie kommt es aber darauf an, dass die gesamte Mannschaft die Angreiferinnen erst in gute Positionen bringt. Jedes Tor ist eine Gemeinschaftsleistung.

DFB.de: Ihre bisherige Bestmarke in der 2. Frauen-Bundesliga sind 14 Saisontore. Trauen Sie sich zu, den persönlichen Rekord zu verbessern?

Schraa: Schön wäre es. Ich hatte mir vor der Saison vorgenommen, zweistellig zu treffen. Da bin ich schon auf einem ganz guten Weg. Sollte mir das gelingen, dann werde ich natürlich versuchen, noch das eine oder andere Tor nachzulegen.

DFB.de: Wie halten Sie sich in Form?

Schraa: Ich mache auch neben den Trainingseinheiten viel für meine Fitness, beispielsweise zusätzliches Krafttraining. Mir hilft auch sehr, dass ich aktuell seit etwa zwei Jahren weitgehend verletzungsfrei bin und fast ständig trainieren konnte. Das war in der Vergangenheit nicht immer so und trägt zu meiner guten körperlichen Verfassung bei.

DFB.de: Sie sind die erfahrenste Spielerin im Kader. Wie würden Sie Ihre Rolle innerhalb der Mannschaft beschreiben?

Schraa: Es ist klar, dass ich gemeinsam mit einigen weiteren Spielerinnen eine Führungsrolle einnehmen und vorangehen soll. Gerne gebe ich meine Erfahrung an die jüngeren Spielerinnen weiter, kann aber im Gegenzug auch von ihnen noch einiges lernen.

DFB.de: Nach acht Spieltagen stehen jeweils vier Siege und Niederlagen in der Bilanz. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Schraa: Vor der Saison wussten wir wegen der zahlreichen Veränderungen in unserem Kader nicht so recht, wo wir stehen. Abgesehen von unserem Totalausfall beim 0:6 in Bochum waren dann aber alle Spiele sehr eng. Wir haben definitiv schon unter Beweis gestellt, dass wir in der Liga mithalten können und uns nicht verstecken müssen.

DFB.de: Der Abstand zu einem Abstiegsplatz beträgt acht Punkte. Wie beruhigend ist dieses Polster?

Schraa: Es ist noch zu früh, um schon abschließend zu beurteilen, in welche Richtung es für uns gehen wird. Gerade in den nächsten Wochen warten einige sehr starke Gegner auf uns. Deshalb tun wir gut daran, uns immer nur auf die nächste Aufgabe zu fokussieren.

DFB.de: Bei allen vier Siegen waren Sie als Torschützin erfolgreich, bei den Niederlagen gingen Sie jeweils leer aus. Ist das Zufall?

Schraa: Ganz ehrlich: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Es ist auf jeden Fall ein Grund mehr, um meine Torquote zu halten oder sogar noch zu verbessern.

DFB.de: Zu den beiden jüngsten Erfolgen bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln und gegen den FC Carl Zeiss Jena steuerten Sie jeweils Doppelpacks bei. Das Gastspiel in Köln war für Sie eine ganz besondere Partie?

Schraa: Ja, total. Zum Geißbockheim zurückzukehren, wo ich viele Jahre gespielt habe, war auf jeden Fall speziell. Ich war gegen meinen früheren Verein auch hochmotiviert und habe mich sehr gefreut, dass ich dem Team mit meinen beiden Toren helfen konnte.

DFB.de: Seit inzwischen mehr als sieben Jahren hält sich die SG 99 Andernach in der 2. Frauen-Bundesliga, spielte oft sogar oben mit. Wie bewerten Sie die Entwicklung?

Schraa: Wir sind ein kleiner Verein, der sich in der Liga schon seit langer Zeit sehr gut schlägt. Das ist alles andere als selbstverständlich. Jeder bei uns weiß, woher wir kommen und über welche Möglichkeiten der Verein im Vergleich zur Konkurrenz verfügt. Von daher können wir schon stolz darauf sein, dass wir auf diesem Niveau bestehen können.

DFB.de: Spüren Sie, dass es von Jahr zu Jahr schwieriger wird, sich zu behaupten?

Schraa: Auf jeden Fall. Mit jedem Profiklub, dessen Frauenmannschaft dazukommt, wird die Konkurrenz größer und stärker. Es kommt nicht von ungefähr, dass mit dem VfB Stuttgart und dem 1. FSV Mainz 05 direkt zwei Aufsteiger durchmarschiert sind. Jetzt mischt Hertha BSC auf Anhieb ganz oben mit. Es ist nicht einfach, da mitzuhalten.

DFB.de: Was zeichnet den Verein und die Mannschaft ganz besonders aus?

Schraa: Die familiäre Atmosphäre und der menschliche Umgang im Klub sind sehr besonders, alle Beteiligten sind mit Herzblut und Leidenschaft dabei. Jede Spielerin kommt gerne zum Training und zu den Spielen, die gegenseitige Wertschätzung ist groß. Dazu arbeitet der Verein im Rahmen seiner Möglichkeiten auch daran, die Infrastruktur und die Rahmenbedingungen nach und nach zu verbessern. Das wissen wir sehr zu schätzen. Dadurch ist es zuletzt auch immer wieder gelungen, den Kern des Teams zusammenzuhalten und vielversprechende Zugänge nach Andernach zu holen.

DFB.de: Was trauen Sie dem Team im weiteren Saisonverlauf noch zu?

Schraa: Es macht jetzt wenig Sinn, hohe Ziele ausrufen. Wir bleiben lieber bei unserer bewährten Herangehensweise. Persönlich halte ich es schon für realistisch, unseren sechsten Tabellenplatz aus der zurückliegenden Saison zu bestätigen.

DFB.de: Am Sonntag kommt die SGS Essen, die viele Jahre in der Google Pixel Frauen-Bundesliga am Ball war, nach Andernach. Was nehmen Sie sich vor?

Schraa: Die SGS steht in der Tabelle ein Stück vor uns, geht sicherlich als Favorit ins Spiel. Wenn wir aber unsere Qualität auf den Platz bringen, können wir die Essenerinnen zumindest ärgern.

Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga

Autor: mspw