Frauen-Nationalmannschaft
Wück: "Eine unheimlich tolle Reise"

Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat die Länderspielsaison 2025/2026 erfolgreich mit einem 2:0 im letzten WM-Qualifikationsspiel in Slowenien beendet. Als Gruppensieger wurde das WM-Ticket gelöst. Im DFB.de-Interview blickt Bundestrainer Christian Wück auf den letzten Lehrgang sowie die gesamte Qualifikationsrunde zurück und zieht Bilanz.
DFB.de: Christian Wück, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem 53. Geburtstag am Dienstag?
Christian Wück: Es ist natürlich immer am Schönsten, wenn man den Geburtstag zu Hause mit seinen Liebsten verbringen kann. Aber die Spielerinnen und das gesamte Team haben sich sehr bemüht und vor allem den versprochenen Sieg eingefahren. Wenn man jetzt auf die Qualifikationsrunde insgesamt schaut, war es eine unheimlich tolle und erfolgreiche Reise. Von daher bin ich sehr zufrieden und stolz auf das Team.
DFB.de: Wie fällt Ihr Gesamtfazit zu diesem Lehrgang aus, insbesondere zu den beiden Spielen gegen Norwegen und Slowenien?
Wück: Ich glaube, es waren zwei komplett unterschiedliche Spiele mit unterschiedlichen Herangehensweisen. In Köln gegen Norwegen hatten wir einen gewissen Druck, gewinnen zu müssen, um uns direkt für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Das Spiel in Slowenien war dann eines ohne Ergebnisdruck. Trotzdem haben wir in beiden Spielen kein Gegentor kassiert und beide gewonnen. Im zweiten Spiel konnten wir sehr viel ausprobieren und Spielerinnen, die bislang weniger internationale Einsatzzeit hatten, die Möglichkeit geben, sich zu zeigen. Aus beiden Spielen können wir unheimlich viel mitnehmen.
DFB.de: Und zwar?
Wück: Für uns geht es darum, auf den einzelnen Positionen ein immer klareres Bild von den Spielerinnen zu bekommen. Wir haben im Trainer*innenteam eine klare Spielvision und wissen, was auf den Positionen notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Wichtig ist, dass wir nicht nur eine Bestbesetzung haben, sondern auch wissen, wer einspringen kann und welche Alternativpositionen möglich sind. Dafür sind solche Spiele sehr wertvoll.
DFB.de: Welche Entwicklung im Spiel haben Sie in diesem Lehrgang besonders beobachtet, was hat Ihnen besonders gefallen?
Wück: Es sind Kleinigkeiten und Nuancen, die unser Spiel ausmachen. Wir merken, wie wichtig es ist, dass die Zahnräder ineinandergreifen, dass eine gewisse Harmonie auf dem Platz vorhanden ist und jede weiß, wie sich ihre Mitspielerin verhält. Wenn das nicht funktioniert, bekommen wir Probleme. Das ist eine Erkenntnis aus dem zweiten Spiel: Wir müssen genau diese Details in den Abläufen stabilisieren.
DFB.de: Wenn wir jetzt einen Blick auf die gesamte WM-Qualifikation richten: Wie bewerten Sie den Weg Ihrer Mannschaft?
Wück: Durchweg positiv. Wir haben eine fast perfekte Qualifikationsrunde gespielt und 16 von 18 möglichen Punkten geholt. Wenn man das Spiel in Österreich ausklammert (0:0; Anm. d. Red.), war das eine unheimlich starke Performance - sowohl offensiv als auch defensiv. Wir haben nur ein Gegentor kassiert. Rein vom Ergebnis her war das sehr gut.
DFB.de: Gab es einen Schlüsselmoment, der rückblickend besonders entscheidend war?
Wück: Im Grunde ist es wie bei einem Turnier: Das erste Spiel ist sehr entscheidend. Gegen Norwegen hatten wir direkt zu Beginn die schwerste Aufgabe, die wir mit 4:0 erfolgreich bewältigt haben. Nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Art und Weise hat den Spielerinnen viel Selbstvertrauen gegeben. Das hat man im weiteren Verlauf der Qualifikation gespürt.
DFB.de: In welchen Bereichen hat sich die Mannschaft am deutlichsten weiterentwickelt?
Wück: In der Defensivstabilität. Ich glaube, das ist der Bereich, in dem die Spielerinnen am meisten Sicherheit gewonnen haben. Trotz unserer dominanten Spielweise stehen wir defensiv sehr stabil. Gut zu wissen ist natürlich auch, dass wir, wenn wir den Gegner einmal nicht verteidigen können, starke Torhüterinnen haben, die für uns die Null halten können. Das war der größte Entwicklungsschritt.
DFB.de: Jetzt geht es in die Sommerpause. Was geben Sie den Spielerinnen mit?
Wück: Ich denke, alle haben sich eine Pause verdient. Für viele war es eine sehr anstrengende Zeit, weil der Spielplan national wie international sehr eng getaktet ist. Ich hoffe, sie können sich gut erholen. Es stehen einige Vereinswechsel an - ins Ausland oder innerhalb der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Damit verbunden sind Umzüge und neue Lebenssituationen. Es bleibt spannend. Ich hoffe, dass sich niemand verletzt, sich alle optimal auf die neue Saison vorbereiten und im Oktober im bestmöglichen Zustand zu uns kommen.
DFB.de: Wie werden Sie persönlich die kommenden Wochen nutzen?
Wück: Wir werden diesen Lehrgang und die Qualifikationsrunde im Trainer*innenteam analysieren. Danach steht auch Urlaub an - viele fahren mit ihren Familien weg. Ich werde mit dem Teammanagement und unserem Athletiktrainer Julius Balsmeier nach Brasilien fliegen, um erste Eindrücke für ein mögliches Basecamp zu sammeln. Und natürlich werde ich auch ein paar Tage Auszeit zu Hause nutzen.
DFB.de: Abschließend: Wie präsent ist die WM in Brasilien schon in Ihrem Kopf?
Wück: Ich glaube, sie ist noch ein gutes Stück entfernt. Natürlich freuen wir uns alle darauf. Für uns ist jetzt wichtig, den Spielerinnen die Möglichkeit zu geben, gegen außereuropäische Teams zu spielen, um ein Gefühl für deren Mentalität zu bekommen. Ich habe gerade gesehen, dass die USA in Brasilien zwei Testspiele absolviert hat - mit vielen Roten Karten, viel Mentalität und Emotion. Darauf wollen wir uns einstellen und auf unterschiedliche Spielweisen, Charaktere und Mentalitäten vorbereitet sein.
Kategorien: Frauen-Nationalmannschaft, Weltmeisterschaft
Autor: dfb
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