Männer-Nationalmannschaft
WM-Qualifikation 1961: Als Deutschland in Augsburg die Griechen besiegte

Gegen Griechenland hat Deutschland bisher zehnmal gespielt und noch nie verloren. Sieben Siege und drei Unentschieden stehen in den Annalen, nur zweimal traf man sich in Testspielen - wie beim bis dato letzten Duell im Juni 2024 in Mönchengladbach (2:1). Die Bilanz an sich ist also ein gutes Omen für den Heimauftakt in der Nations League am Sonntag (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) in Augsburg, aber nicht das einzige. Denn: Ein Pflichtspiel im Herbst gegen Griechenland in Augsburg? Das hatten wir schon mal. DFB.de unternimmt eine Zeitreise ins Jahr 1961.
Vor dem Krieg standen sich beide Auswahlteams nie gegenüber. Erst die Lose zur WM-Qualifikation für Chile 1962 sorgten für eine erste Begegnung. Der Premiere im November 1960 - mit einem 3:0 der Deutschen in Athen - folgte am 22. Oktober 1961 das Rückspiel im mit 49.103 Zuschauern ausverkauften Rosenaustadion. Erst zum dritten Mal sah Augsburg ein Länderspiel und, glaubt man dem Reporter des Sport Magazins, so hätte man auch 100.000 Tickets verkaufen können.
WM-Ticket vorm Radio gelöst
Denn bis vier Tage vor Anpfiff drohte ein Endspiel um das WM-Ticket. Die Mannschaft von Sepp Herberger hatte in der Dreiergruppe, zudem war Nordirland dabei, zwar alle drei Spiele gewonnen, aber die Griechen hätten sie noch einholen können - wenn sie nicht am 18. Oktober in Belfast mit 0:2 verloren hätten. So erfuhren die seit 16. Oktober in München-Grünwald einquartierten Deutschen aus dem Radio von ihrer WM-Teilnahme, und es gab Stimmen in der Mannschaft, die es schade fanden, "dass nicht mehr der volle Reiz drin ist." Herberger versicherte jedoch: "Das stört uns nicht. Wir werden mit voller Kraft spielen und uns bemühen, ein großes Spiel zu liefern."
Die Griechen leckten derweil im Quartier am Ammersee ihre Wunden von Belfast. Trainer Trifon Tsanetis fand freundliche Worte: "Wir sind begeistert von der Aufnahme und Betreuung hier in Deutschland. Das werden wir nie vergessen."
Seeler trifft doppelt
Zwei Jahre vor Gründung der Bundesliga, über die der DFB-Beirat wenige Tage zuvor wieder ohne Beschlussfassung debattiert hatte, musste Herberger seine Spieler aus den fünf Oberligen (inklusive West-Berlin) zusammensuchen. In der Elf standen allerdings nur je fünf Vertreter aus der West- und Süd-Staffel - und ein Hamburger. Uwe Seeler, dem bei der WM 1958 der Durchbruch gelungen war, verdiente sich seine Nominierung einmal mehr. In seinem 29. Länderspiel, damit war er nach Kapitän Herbert Erhardt schon der Erfahrenste, glückte ihm das frühe 1:0 (5.), als er laut Sport Magazin "wie ein Wirbelwind" in den griechischen Strafraum einbrach. Die Vorlage hatte Frankfurts Richard Kreß gegeben.
Eigentlich das, was sich jede Mannschaft wünscht, doch im Rückblick wurde es anders gewertet. Manche Spiele können auch zu gut beginnen, wie der Reporter des Kicker philosophierte: "Ich glaube, Deutschland hätte höher gewonnen und wäre besser ins Spiel gekommen, wenn das 1:0 nicht so früh gefallen wäre!" Die im grün-weißen Ausweichtrikot spielenden Deutschen machten zunächst aber weiter Druck, vor allem Seeler beschäftigte den Torhüter der Gäste. Als "Uns Uwe" eine Brülls-Vorlage eindrückte (27.), rechneten viele mit einem Schützenfest. Die Griechen kamen kaum hinten raus, man hätte vor der Pause auch ohne Torwart Hans Tilkowski spielen können.
Anschlusstreffer aus 35 Metern
Im Gefühl des sicheren Sieges in einem ohnehin nicht mehr bedeutsamen Pflichtspiel ließ die DFB-Auswahl prompt nach, auch kam sie mit der zunehmenden Härte der Gästeabwehr immer schwerer zurecht. Der Gladbacher Linksaußen Albert Brülls musste nach einem Foul fünf Minuten behandelt werden, dann kam er wieder - Auswechseln war noch verboten.
Mit 2:0 ging es in die Kabinen, aus denen eine verwandelte griechische Elf kam. Torjäger Andreas Papaemmanouil erzielte zur Freude der rund 3000 Landsleute auf den Rängen und zur völligen Verblüffung von Hans Tilkowski das 2:1. Er überwand den Keeper von Westfalia Herne in der 61. Minute aus rund 35 Metern. Im Sport Magazin stand: "Tilkowski schaltet zu spät und lässt diesen Ball passieren!"
Es war das letzte Tor dieses Sonntagnachmittags (Anpfiff war um 15 Uhr) im Oktober 1961, und hinterher waren sich im deutschen Lager alle einig, dass das Ergebnis das Beste am Spiel war. Für den Kicker war es "ein Warnschuß zur rechten Zeit.“ Herberger gab zu: "Es war wirklich kein gutes Länderspiel. Und woran lag es? Es lag an den Griechen und an uns." Die einfachen Wahrheiten des Sepp Herberger gingen somit auch in die Chronik der Spiele mit Griechenland ein. Sie genügten noch in einer Zeit, in der Länderspiele nicht live, sondern in einer Aufzeichnung gezeigt wurden. Unmittelbar nach Abpfiff kam das Spiel in voller Länge im ersten Programm.
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Autor: um

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