Männer-Nationalmannschaft

Michael Ballack: Der "Capitano" wird 50

26.09.2026
98 Länderspiele für Deutschland, 55-mal als Kapitän: Michael Ballack Foto: IMAGO

Das Lob kam von höchster Stelle und hatte es in sich: "Von allen Spielern, die mit mir verglichen wurden, kam er mir am nächsten", sagte Franz Beckenbauer einmal über Michael Ballack, der heute seinen 50. Geburtstag feiert. Ein Anführer, der mit aufrechter Körperhaltung über den Platz stolzierte, dunkle Haare hatte, als Kapitän sowohl für den FC Bayern München als auch die Nationalmannschaft spielte - dieser Ballack hatte schon etwas Kaiserliches.

Sogar Libero war er mal gewesen, aber das fiel in eine weniger ausgeleuchtete Zeit im Leben des Michael Ballack. Er wurde am 26. September 1976 in Görlitz, damals noch in der DDR, geboren. Der Sachse spielte ab dem siebten Lebensjahr im Verein, zunächst für BSG Motor Fritz Heckert Karl-Marx-Stadt, wo ihm als Neunjährigem 57 Tore in 16 Spielen gelangen. Mit zwölf wurde das große Talent zum Chemnitzer FC delegiert und trainierte bereits zweimal täglich. Im letzten A-Jugendjahr glückten ihm 37 Tore - das war die Saison, als er Libero spielte.

Bereits mit 18 debütierte Ballack 1995 in der zweiten Liga für den CFC. Sein Talent blieb nicht unentdeckt im Westen der Republik, und nach dem Mauerfall, den auch Ballack als persönlichen "Glücksfall" bezeichnete, konnte er 1997 dem Ruf von Otto Rehhagel in die Bundesliga folgen. Als Kind war er Fan von Werder Bremen gewesen, und so erfüllte sich ein Traum, dass ihn ausgerechnet die einstige Bremer Trainerlegende lockte - wenn auch nach Kaiserslautern.

Als Teenager erstmals Deutscher Meister

Als Teenager gehörte Michael Ballack sogleich jenem Wunderteam an, das 1998 als Aufsteiger Meister wurde. Sein Beitrag: 16 Einsätze, wenn auch die meisten als Einwechselspieler. Der ehrgeizige Mittelfeldspieler wollte mehr, obwohl er in der Folgesaison auf 30 Einsätze kam, war er nicht ganz zufrieden mit seiner Rolle beim FCK, die Hälfte der Spiele begannen für ihn auf der Bank. "Herr Ballack ist ein junger Spieler und muss noch viel lehren", sagte "König Otto".

Noch als FCK-Spieler gab Ballack am 28. April 1999 gegen Schottland sein Länderspieldebüt, im Sommer wechselte er dann zu Bayer 04 Leverkusen. Hier gelang ihm der Durchbruch. In seinen drei Jahren unter dem Bayer-Kreuz wurde Ballack nur noch ein einziges Mal eingewechselt, weder Christoph Daum noch Klaus Toppmöller wollten auf ihn verzichten. Am 20. Mai 2000 wurde er jedoch zur tragischen Figur, als ihm am letzten Spieltag in Unterhaching ein Eigentor unterlief, das die Niederlage einläutete und den Traum von der fast schon sicheren Meisterschaft platzen ließ.

Es waren die Jahre, in denen Bayer Leverkusen zu "Vizekusen" wurde und sich diesen Namen sogar selbstironisch patentieren ließ. Ballack wurde zu einem Gesicht dieser Ära, als das Team in der Saison 2001/2002 drei zweite Plätze sammelte. Ballack zog mit Bayer ins Finale der Champions League und des DFB-Pokals ein, beide gingen verloren. Und auch in der Bundesliga wurde Leverkusen wieder mal Vize.

Ballack schießt DFB-Team ins WM-Finale - und fehlt gesperrt

Im Sommer 2002 kam es dann zur Steigerung, Krönung wäre gewiss das denkbar falscheste Wort, als Ballack auch von der WM in Japan und Südkorea mit Deutschlands als Vizeweltmeister zurückgekehrt war. Diesen zweiten Platz bezeichnete er im Geburtstagsinterview mit der Sport Bild zwar zu Recht als "riesengroßen Erfolg".

Doch wer weiß, was gewesen wäre, hätte Ballack im Finale gegen Brasilien mitwirken dürfen. Seine Tore gegen die Ukraine in den Playoffs und im WM-Turnier in der K.o.-Runde gegen die USA und Südkorea hatten das Team überhaupt erst so weit gebracht, doch vor dem Siegtreffer gegen die Koreaner handelte er sich im Halbfinale eine Gelbsperre ein. Eine englische Zeitung schrieb: "Er müsste zusammen sinken und weinen. Und was macht der verdammte Kerl? Er steht auf und schießt das entscheidende Tor."

Heute ist diese Regelung abgeschafft, für Ballack kam das zu spät. Er sagte nach dem Spiel: "Die Koreaner kamen in Überzahl - ich musste sie stoppen. Im Fußball gibt es einfach Situationen, in denen du nichts anderes machen kannst. Es war mein allererstes Foul, und der Schiri zeigt mir sofort Gelb. Ich bin unendlich traurig!"

Kapitän bei der Heim-WM 2006

Das war er danach nicht mehr ganz so oft. Mit dem Wechsel zu Bayern München, wo er von 2002 bis 2006 spielte, kamen die Titel und Auszeichnungen auch zu ihm. In den Doublejahren 2003, 2005 und 2006 wurde Ballack zum Fußballer des Jahres gewählt, häufiger war das nur dem beschieden, mit dem er einst verglichen worden war: Franz Beckenbauer.

Wie der Kaiser 1974 führte auch Ballack die Nationalmannschaft bei einer Heim-WM auf den Platz (insgesamt 55-mal), Jürgen Klinsmann machte ihn 2004 zu seinem "Capitano". Nur mit dem Titel 2006 wurde es nichts, aber Platz drei war aller Ehren wert. Nach der WM fühlte sich Ballack, mit knapp 30, reif für die Insel und wechselte zum FC Chelsea nach London. Einmal in vier Jahren feierte Ballack auch dort eine Meisterschaft, zudem drei Pokalsiege.

Aber er verlor auch mit Chelsea wieder ein großes Finale, in der Champions League 2008 im Elfmeterschießen gegen Manchester United. Er selbst hatte verwandelt, was niemanden verwunderte. Bei einer anderen Gelegenheit schrieb eine englische Zeitung: "Ein Deutscher, ein Elfmeter - eine Formalität." Doch als ein Engländer, damals in Moskau war es John Terry, antrat, galten andere Formalien. Denn Terry verschoss. Das Bild vom zusammensinkenden Ballack in Reihen seiner Kameraden gehört zu seinem Leben, in dem er sportlich jedenfalls nicht zu viel Glück gehabt hatte. Wochen später verlor er mit Deutschland auch das EM-Finale 2008 - in Wien mit 0:1 gegen Spanien.

"Meine Karriere ist wie ein Geschenk"

Bei aller Anerkennung - Michael Ballack galt, wie Die Welt schrieb, als "die einzige Lichtgestalt in einer bleiernen Zeit". Ihm fehlten schlicht die ganz großen Titel. Ein Weltklassespieler war er trotzdem. "Natürlich wäre ich das gerne geworden, aber das beeinflusst mein Leben null Komma null - ich habe mich nie über Titel definiert", sagte er nun der Sport Bild bezogen auf sein Final-Pech und ergänzte dennoch: "Meine Karriere ist wie ein Geschenk gewesen."

Sie endete mit der Rückkehr nach Leverkusen nach der WM 2010, die er wegen eines Fouls von Kevin-Prince Boateng verpasst hatte. So blieb es bei 98 Länderspielen, auch da kam er dem Kaiser (103) ziemlich nahe. Nach Toren (42) übertraf er ihn weit. In der Bundesliga, die Ballack 2011/2012 verließ, brachte er es in 267 Einsätzen auf stolze 77 Tore - nicht wenige mit dem Kopf.

Heute sieht man Ballack des öfteren vor der Kamera als Experte für DAZN. Und wenn er das nicht ist, kümmert er sich um seinen Schützling Lennart Karl, dessen Berater er ist. Der Bayern-Jungprofi und Nationalspieler kann viel von ihm lernen. Sein Berater war zwar nicht der Kaiser, aber immerhin der "Capitano", der wie er schon in jungen Jahren seinen Traum lebte.

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Autor: um