Google Pixel Frauen-Bundesliga
Werder-Kapitänin Ulbrich vor Nordderby: "Weil wir die bessere Mannschaft sind"

Nach dem Wechsel von Lina Hausicke zum 1. FC Union Berlin wurde Michelle Ulbrich zur neuen Kapitänin des SV Werder Bremen in der Google Pixel Frauen-Bundesliga gewählt. Im DFB.de-Interview spricht die 29 Jahre alte Innenverteidigerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über ihre neue Rolle und das Derby gegen den Hamburger SV am Freitag (ab 18.30 Uhr, live bei MagentaSport und DAZN) im Weserstadion.
DFB.de: Wie lange hat es gedauert, um die späte 2:3-Niederlage beim VfL Wolfsburg zu verarbeiten, Frau Ulbrich?
Michelle Ulbrich: Das hat schon einen Tag in Anspruch genommen. Seit Dienstag gilt jedoch unser voller Fokus dem Derby gegen den HSV.
DFB.de: Wie fällt im Nachhinein Ihre Analyse aus, warum sich das Team nach einer sehr guten Leistung nicht belohnen konnte?
Ulbrich: Schwierige Frage. Fakt ist, dass wir aus diesem intensiven Spiel sehr viel Positives mitnehmen können und uns nicht so sehr mit den negativen Aspekten beschäftigen sollten. Sicherlich waren wir in der Schlussphase nicht mehr so aktiv wie zuvor und sind dadurch noch stärker unter Druck geraten. Bei der Wucht, die Wolfsburg entwickeln kann, war es dann kaum noch möglich, alles zu verteidigen.
DFB.de: Unterscheidet das den SV Werder noch von einer Spitzenmannschaft der Liga?
Ulbrich: Das kann man schon so sagen. Es reicht in solchen Spielen halt nicht, 85 Minuten voll da sein, sondern 90 plus Nachspielzeit. Daraus werden wir lernen.
DFB.de: Kommt nach diesem Negativerlebnis das Derby gegen den HSV im Weserstadion genau zum richtigen Zeitpunkt?
Ulbrich: Ich denke schon. Wir haben bis zum Spiel am Freitag auch nur eine kurze Woche. So fällt es niemandem schwer, Wolfsburg abzuhaken und sich auf den HSV zu fokussieren.
DFB.de: Wie groß ist die Vorfreude im Team?
Ulbrich: Riesig. Wir alle können es kaum erwarten, dass der Anpfiff erfolgt.
DFB.de: Es ist das erste Highlight-Spiel im Weserstadion unter Flutlicht. Macht es die Partie damit noch besonderer?
Ulbrich: Von der Atmosphäre her wird das ganz bestimmt noch einmal eine Steigerung. Persönlich bin ich ohnehin ein Fan von Flutlichtspielen. Dann auch noch im Weserstadion auflaufen zu dürfen, macht es besonders cool.
DFB.de: Die Bilanz gegen den Nordrivalen ist positiv. Warum bleibt das so?
Ulbrich: Weil wir die bessere Mannschaft sind und zeigen werden, was in uns steckt.
DFB.de: Vor Saisonbeginn gewann Werder ein Testspiel gegen den HSV 5:1. Was sagt das über die Kräfteverhältnisse zwischen beiden Teams aus?
Ulbrich: Grundsätzlich sind Ergebnisse von Testspielen nicht allzu aussagekräftig. Dennoch haben wir in dieser Partie gezeigt, dass wir stärker sind. Das wollen wir am Freitag möglichst wiederholen und die drei Punkte am Osterdeich behalten.
DFB.de: Hinter dem SV Werder liegt eine Rekordsaison mit Platz sechs und 43 Punkten. Lässt sich das wiederholen oder vielleicht sogar noch verbessern?
Ulbrich: Wir haben uns keine feste Zielmarke gesetzt, wollen aber die gezeigten Leistungen bestätigen und uns zumindest in einem ähnlichen Bereich bewegen. Auch wenn es sich wie eine typische Fußballerfloskel anhört: Wir denken jetzt nicht an das Saisonende und konzentrieren uns immer nur auf das nächste Spiel. Damit sind wir bisher gut gefahren.
DFB.de: Der Umbruch fiel nicht nur wegen des Weggangs von Torschützenkönigin Larissa Mühlhaus zu Eintracht Frankfurt recht groß aus. Wie gut ist die Zusammenstellung des neuen Kaders aus Ihrer Sicht gelungen?
Ulbrich: Ich bin sehr positiv gestimmt. Wir haben sehr gute Charaktere dazubekommen, die neuen Spielerinnen haben sich sehr schnell integriert und nehmen zum Teil schon tragende Rollen ein. Alle Beteiligten - von der sportlichen Führung über das Trainerteam bis zu den Spielerinnen, die schon zum Kader gehörten - haben da gute Arbeit geleistet.
DFB.de: Zuletzt verabschiedete sich auch noch die langjährige Kapitänin Lina Hausicke in Richtung des 1. FC Union Berlin. Wie sehr waren Sie überrascht?
Ulbrich: Ich hatte in der Tat nicht damit gerechnet, dass uns nach dem Beginn der Meisterschaftsspiele noch jemand verlässt. In Wolfsburg haben wir jedoch direkt gezeigt, dass wir auch ohne Lina bestehen können und nicht alles von einer Spielerin abhängt.
DFB.de: Ab sofort sind Sie als gebürtige Bremerin nicht nur Rekordspielerin des Klubs, sondern auch Spielführerin. Was bedeutet Ihnen das?
Ulbrich: Es erfüllt mich mit Stolz, bei meinem Herzensverein das Team auf den Platz führen zu dürfen. Dass ich vom Trainerteam, aber auch von der Mannschaft das Vertrauen bekommen habe, tut sehr gut.
DFB.de: Was verändert sich für Sie durch die neue Rolle?
Ulbrich: Relativ wenig, würde ich sagen. Schließlich war ich zuvor Vizekapitänin und hatte Lina auch schon während ihrer Verletzung für längere Zeit vertreten. Klar, es ist es ein wenig mehr Trubel, man steht als Spielführerin etwas mehr im Rampenlicht und geht auf dem Spielfeld mit den Schiedsrichterinnen in die Kommunikation.
DFB.de: Sind Sie grundsätzlich ein Typ, der gerne führt und vorangeht?
Ulbrich: Das würde ich schon sagen. Durch meine Position als Innenverteidigerin bin ich es ohnehin gewohnt, viel mit meinen Mitspielerinnen zu sprechen und Anweisungen zu geben. Daher ist es keine große Umstellung. Als Typ bin ich eher die Ruhe selbst und führe sicherlich etwas anders, als es bei Lina der Fall war.
DFB.de: Was werden Sie Ihren Teamkolleginnen vor dem HSV-Spiel mit auf den Weg geben?
Ulbrich: Das werde ich erst kurzfristig entscheiden und mich dabei auch ein wenig von der Stimmung leiten lassen. Klar ist, dass wir trotz der riesigen Unterstützung im Stadion nicht überpacen dürfen und in jeder Situation unseren Plan im Kopf behalten müssen. Dann haben wir gute Chancen, nach 90 Minuten den Derbysieg zu feiern.
Kategorien: Google Pixel Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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