DFB-Pokal
Von Beckum bis Vestenbergsgreuth: Zehn Sensationen der ersten Pokalrunde
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Die erste Runde im DFB-Pokal sorgt immer wieder für Überraschungen oder gar Sensationen. Ob Beckum, Geislingen oder Vestenbergsgreuth - viele Amateurvereine feierten in der Geschichte des DFB-Pokals historische Außenseitersiege. DFB.de erinnert an zehn besondere Duelle, in denen die unterklassigen Teams am Ende als Sieger vom Platz gingen.
SC Geislingen – Hamburger SV 2:0
Am 31. August 1984 blamierte sich der HSV unter Trainer Ernst Happel beim Drittligisten, zehn Jahre nach dem Trauma von Eppingen (1:2 in der 2. Hauptrunde 1974/1975) gingen die Hamburger erneut in der badischen Provinz unter. Dabei hatte Happel extra noch ein Trainingslager arrangiert, um den Ernst des Spiels zu verdeutlichen. Aber am Ende stand es nach Toren von Wolfgang Haug und Klaus Perfetto 2:0 für den SCG und Spielmacher Felix Magath klagte: "Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir überhaupt keine Siegchance hatten." SC-Präsident Heinrich Remmer hingegen sprach nachvollziehbar vom "größten Tag in der 84-jährigen Vereinsgeschichte".
FV Weinheim – Bayern München 1:0
Der große FC Bayern trat am 4. August 1990 mit sechs Weltmeistern einen Monat nach dem WM-Triumph von Rom beim badischen Oberligisten FV Weinheim an und wurde gedemütigt wie selten zuvor. Er fand kein Rezept gegen den FV Weinheim, der nach 27 Minuten schon zum Tor des Tages kam. Das Foul von Thomas Strunz hatte einen Elfmeter zur Folge, den ein gewisser Thomas Schwechheimer verwandelte. Fertig war der 1:0-Sensationssieg. Der Feinblechner Schwechheimer war hinterher heiß begehrt, sein Trainer musste ihn mit Engelszungen überreden, damit er ins ZDF-Sportstudio ginge. Das Einzige, was die von Jupp Heynckes trainierten Bayern mitnahmen, war ein Bildband von Weinheim und Umgebung. Vielleicht hätten sie vorher darauf achten sollen, wie das Stadion hieß, in dem sie vor 8000 Zuschauern untergingen: Sepp-Herberger-Stadion. Und sagte nicht schon der Weltmeister-Trainer von 1954: "Das nächste Spiel ist immer das Schwerste!"?
TSV Vestenbergsgreuth - Bayern München 1:0
Wieder erwischte es die Bayern, nun auch noch vor der Haustür. Mit seinem neuen Trainer Giovanni Trapattoni gastierte der damals amtierende Meister am 14. August 1994 im Nürnberger Frankenstadion beim fränkischen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth, der die Gunst der Stunde nutzte und sein 360-Einwohner-Dorf für das Spiel des Jahrhunderts verließ. So forderten elf Nobodies in für sie ungewohnter Atmosphäre vor 24.200 Zuschauern elf Superstars - von Kahn bis Matthäus. Am weitesten brachte es später noch Harry Koch (1998 Meister mit dem 1. FC Kaiserslautern). Das Spiel wurde live im ZDF übertragen, das einzige Tor köpfte ein gewisser Roland Stein nach 43 Minuten. An den großen Tag des nicht mehr existierenden Klubs erinnert noch immer der "1:0-Tee", den der spätere Präsident der Spielvereinigung Greuther Fürth, Helmut Hack, eigens erfand.
VfB Stuttgart II – Eintracht Frankfurt 6:1
Nur 1700 Zuschauer sahen am 26. August 2000 im Daimler-Stadion den höchsten Sieg eines Drittligisten gegen einen Bundesligisten. Die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart demontierte Eintracht Frankfurt unter Trainer Felix Magath mit sage und schreibe 6:1. Den VfB coachte der spätere U 21-Trainer des DFB, Rainer Adrion. Nach dem Platzverweis für Markus Lösch (50. Minute) brach die Eintracht völlig ein. So kam auch der spätere Eintracht-Profi Ioannis Amanatidis zu zwei Toren.
SSV Ulm 1846 – 1. FC Nürnberg 2:1
Erstmals schlug ein Fünftligist einen Bundesligisten. Der SSV Ulm 1846, im Jahr 1999/2000 noch erstklassig, war aus wirtschaftlichen Gründen bis in die Verbandsliga abgestürzt. Doch an diesem 26. August 2001 zeigten die "Spatzen" noch mal, wie hoch sie fliegen können. Der einzige aus der Bundesliga verbliebene Profi, Dragan Trkulja, erzielte per Elfmeter das 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg, der von Weltmeister Klaus Augenthaler trainiert wurde.
SV Sandhausen – VfB Stuttgart 15:14 n.E.
Wieder gab es eine Sensation im Badischen, die sogar einen bis heute gültigen Rekord zu Tage brachte. Nie in der DFB-Pokalgeschichte gab es mehr Tore im Elfmeterschießen als am 27. August 1995, einige Spieler traten sogar zweimal an. Es wurde nötig, weil es zwischen dem Regionalligisten und dem VfB Stuttgart auch nach 120 Minuten (2:2) noch keinen Sieger gab. Schon das war eine kleine Blamage für den VfB, der mit seinem "magischen Dreieck" (Balakov-Bobic-Elber) angetreten war. Es kam noch schlimmer: Am Ende hieß es 15:14 für den SV Sandhausen, denn Stuttgarts Hendrik Herzog hatte nach 25 Treffern (!) als Einziger verschossen.
SpVgg. Beckum – 1. FC Köln 4:3 n.E.
Am selben Tag wie Stuttgart in Sandhausen verabschiedete sich auch der 1. FC Köln nach torlosem Spiel beim Oberligisten Spvgg. Beckum (Westfalen) ebenfalls nach Elfmeterschießen (3:4) aus dem Pokal. Vor 7000 Zuschauern wurde Torwart Jürgen Welp zum Helden des Tages, er hielt den letzten Strafstoß von Bruno Labbadia. Köln entließ noch am Abend Trainer Morten Olsen.
FK Pirmasens – Werder Bremen 5:3 n.E.
Mit allen Stars war Vizemeister SV Werder Bremen am 9. September 2006 an den Sportpark Husterhöhe, der Heimat des Regionalliga-Aufsteigers FK Pirmasens, gekommen. Aber die Elf umden frisch gekürten WM-Torschützenkönig Miroslav Klose hatte große Mühe und rettete sich erst durch ein spätes Tor von Ivan Klasnic in die Verlängerung (1:1). Im Elfmeterschießen gab es keine Rettung mehr, gleich drei Bremer verschossen und die Westpfälzer feierten die ganze Nacht lang. Ihr Erfolgsgeheimnis: Trainer Robert Jung hatte den Ersatztorwart aufgestellt, der damit geworben hatte, noch kein Elfmeterschießen verloren zu haben. Rainer Schwarz hielt zwei Bälle - und Wort.
SV Elversberg – Bayer Leverkusen 4:3
Das Los schien es gut gemeint zu haben mit der Werkself, im Sommer 2022 wusste mancher kaum, wo Elversberg liegt. Der Klub aus der kleinen saarländischen Gemeinde Spiesen setzte in jenen Tagen gerade zum Höhenflug an, der ihn bis in die Bundesliga geführt hat. Er kam aus der Regionalliga und stand vor seiner ersten Saison in der 3. Liga, Bayer war damals wie heute ein ambitionierter Bundesligist. Zu sehen war davon wenig am 30. Juli 2022, der SVE ging schon nach zwei Minuten in Führung und zur Pause stand es 3:2. Bayer-Coach Gerardo Seoane hatte auf Abwehrchef Jonathan Tah verzichtet, das bereute er nun bitter. Als Conrad nach 74 Minuten auf 4:2 erhöhte, war die Partie entscheiden. Erst in letzter Minute verkürzte Patrick Schick, was ihn und seine Kollegen nicht vor der Kritik bewahrte. Sportchef Simon Rolfes grollte: "So wirst du gegen keinen Gegner gewinnen. Wir werden klare Worte finden." Siegertrainer Horst Steffen war besser drauf und gab zu: "Dass wir es geschafft haben, über 90 Minuten mitzuhalten, war phänomenal. Das war das Größte, was wir in letzter Zeit erreicht haben."
Berliner AK – TSG Hoffenheim 4:0
Die Blamage des Bundesligisten war eine von sechs in der 1. Hauptrunde 2012/2013 und stellte alles andere in den Schatten. "Wir haben Geschichte geschrieben", jubelte BAK-Trainer Jens Härtel nach der Hitzeschlacht des 2. August 2012. Es war in der Tat der höchste Sieg eines Viertligisten gegen einen Bundesligisten in 80 Jahren DFB-Pokal - und das vor nur 1468 zahlenden Besuchern. Schon zur Pause lag die Sensation in der Luft, da stand es 3:0! Den desolaten Hoffenheimern, die vor der Saison von der Europa League träumten, versetzte das Pokalerlebnis einen Schock. Es war der Anfang einer verkorksten Saison, Torwart Tim Wiese leistete sich ungewöhnliche Patzer, er verschuldete das 0:4 von Metin Cakmak, danach war alles aus. Cakmak durfte abends ins Sportstudio des ZDF und wunderte sich über die Schnelllebigkeit des Geschäfts: "Eben noch auf dem Platz, dann im Flugzeug und jetzt bin ich hier." Der Pokal hat eben seine eigenen Gesetze. Eines lautet: Kein Wettbewerb macht dich schneller berühmt.
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Autor: um

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