2. Frauen-Bundesliga

Viktoria-Kapitänin Ehegötz: "Große Schritte nach vorne"

12.02.2026
Nina Ehegötz nach Verletzung: "Ich bin froh, dass ich zurück auf dem Platz bin" Foto: Kai Heuser

Als Gewinnerin der Fritz-Walter-Medaille in Gold galt Nina Ehegötz als eines der größten Talente im deutschen Frauenfußball. Für den 1. FC Köln, Bayer 04 Leverkusen und Turbine Potsdam bestritt die gebürtige Dortmunderin bereits mehr als 100 Partien in der Google Pixel Frauen-Bundesliga. Jetzt führt sie als Kapitänin den ambitionierten Aufsteiger Viktoria Berlin in der 2. Frauen-Bundesliga an. Im DFB.de-Interview spricht die frühere Juniorinnen-Nationalspielerin mit Mitarbeiter Ralf Debat über die Entwicklung des aufstrebenden Klubs und das Topspiel am Sonntag (ab 14 Uhr) im Stadion Lichterfelde gegen Spitzenreiter VfB Stuttgart.

DFB.de: Als Aufsteiger spielt Viktoria Berlin in der 2. Frauen-Bundesliga eine gute Rolle, belegt nach dem 16. Spieltag Rang sechs. Wie zufrieden sind Sie mit dem Abschneiden, Frau Ehegötz?

Nina Ehegötz: Unserem Anspruch sind wir in dieser Saison bislang noch nicht ganz gerecht geworden, um ehrlich zu sein. Weil uns die nötige Konstanz gefehlt hat, haben wir einige Punkte liegengelassen. Es waren sehr gute Spiele dabei, aber auch weniger gute.

DFB.de: Ihr Verein hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2027 in der Google Pixel Frauen-Bundesliga anzukommen. Aktuell beträgt der Rückstand auf die Aufstiegsplätze elf Punkte. Geht vielleicht schon in dieser Saison etwas?

Ehegötz: Nach den jüngsten Ergebnissen wird es sehr schwierig, noch einmal ganz oben heranzukommen. Die Konkurrenz ist schon ein gutes Stück entfernt. Grundsätzlich verfügt unser Kader jedoch über die nötige Qualität und das Potenzial, um zumindest Anschluss an die Aufstiegsplätze zu halten.

DFB.de: Mit einem Heimsieg gegen Spitzenreiter VfB Stuttgart könnte die Viktoria den Abstand am Sonntag aus eigener Kraft verringern. Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Ehegötz: Wir haben schon während der Hinrunde in Stuttgart eine sehr gute Leistung gezeigt und am Sieg geschnuppert. Daran wollen wir anknüpfen. Entscheidend wird sein, ob wir unsere Intensität auf den Platz bringen können. Wenn uns das gelingt, ist alles drin.

DFB.de: Im Hinspiel trafen Sie in der Schlussphase zum 2:2-Endstand und sicherten Ihrem Team einen Punkt. Welche Erinnerungen haben Sie noch an das Duell?

Ehegötz: Wir sind zweimal in Rückstand geraten, unter anderem durch einen Strafstoß, aber jeweils wieder zurückgekommen. Das war gut. Auch wenn uns erst sehr spät der Treffer zum Endstand gelungen war, wäre aus meiner Sicht sogar ein Sieg verdient gewesen.

DFB.de: Auch der VfB absolviert seine erste Saison in der 2. Frauen-Bundesliga. Ist der Verein dennoch schon einen Schritt weiter als die Viktoria?

Ehegötz: Die Stuttgarterinnen haben wir durch die Verpflichtungen früherer Bundesliga- und sogar Nationalspielerinnen noch etwas mehr Erfahrung im Team als wir. Dazu profitieren die Frauen von der Unterstützung durch die Profiabteilung der Männer und auch von der sehr guten Infrastruktur des Klubs. Da ist bei uns noch einiges im Aufbau.

DFB.de: Sie werden auf einige Gegenspielerinnen treffen, gegen die Sie schon häufig in der Bundesliga am Ball waren. Worauf stellen Sie sich ein?

Ehegötz: Der VfB hat in der Tat viele Spielerinnen in seinen Reihen, die schon auf höchstem Niveau aktiv waren. Dazu gehören beispielsweise Maximiliane Rall, Nicole Billa oder die Dongus-Zwillinge. Ich freue mich sehr darauf, gegen sie auf dem Platz zu stehen.

DFB.de: Sie haben sich gerade von den Folgen einer Knie-Operation erholt. Sind Sie schon wieder bei 100 Prozent?

Ehegötz: Die OP liegt gerade acht Wochen zurück. Ich bin froh, dass ich zurück auf dem Platz bin. Um meine Bestform zu erreichen, fehlt mir aber noch die Spielpraxis.

DFB.de: Vor wenigen Tagen haben Sie Ihren Vertrag verlängert. Was waren die ausschlaggebenden Gründe dafür?

Ehegötz: In bin jetzt seit dreieinhalb Jahren bei der Viktoria, das von den Gründerinnen angestoßene Projekt gefällt mir sehr. Es macht mir großen Spaß, ein Teil davon zu sein. Ich bin überzeugt, dass der Verein in der Zukunft noch große Schritte nach vorne machen wird.

DFB.de: Noch vor einigen Jahren hatten Sie Ihre Profikarriere bereits für beendet erklärt. Was hat zum Umdenken geführt?

Ehegötz: Ich hatte damals den Spaß am Fußball verloren, unter anderem durch meine Verletzungen, aber auch durch andere Themen. Deshalb habe ich bei Turbine Potsdam aufgehört. Durch den Wechsel zur Viktoria in die Regionalliga habe ich den Sport erst einmal nur noch als Hobby betrieben, die Freude am Fußball stand im Vordergrund. Dadurch sind dann nach und nach auch die Motivation und der Ehrgeiz zurückgekehrt, so hoch wie möglich zu spielen. Mir hat diese Phase auf jeden Fall sehr gutgetan.

DFB.de: Würden Sie sich also auch die Bundesliga noch einmal zutrauen?

Ehegötz: Wenn es uns gelingt, mit der Viktoria aufzusteigen, dann wäre ich gerne dabei.

DFB.de: Seit dieser Saison tragen Sie die Kapitäninnenbinde. Was bedeutet Ihnen das?

Ehegötz: Es ist eine riesige Ehre, dieses Vertrauen zu bekommen, und macht mich stolz.

DFB.de: Wie würden Sie grundsätzlich Ihre Rolle im Team beschreiben?

Ehegötz: Ich will auf dem Platz vorangehen, meine Mitspielerinnen mit meiner Intensität anstecken. Dazu übernehme ich auch mehr Verantwortung außerhalb des Platzes.

DFB.de: Sie haben es bereits angesprochen: Der Verein wird von einem Team von Gründerinnen getragen und ist auch sonst stark weiblich geprägt. Werden Sie als Führungsspielerin auch in die Planungen des Klubs mit eingebunden?

Ehegötz: Auf jeden Fall. Wir Spielerinnen bringen uns aktiv ein, führen viele Gespräche. Wir profitieren schließlich auch davon, wenn die Entwicklung des Klubs vorangeht und sich die Rahmenbedingungen verbessern.

DFB.de: In welchen Bereichen sehen Sie vor allem noch Luft nach oben?

Ehegötz: Was die Trainingsmöglichkeiten angeht, gibt es sicherlich noch Verbesserungsbedarf. So etwas geht aber auch nicht von heute auf morgen. Gerade in den Wintermonaten wäre es beispielsweise sehr hilfreich, einen beheizbaren Kunstrasenplatz zu haben, auf dem wir auch bei Minustemperaturen gut trainieren können. Der Verein ist da aber dran und tut alles dafür, um bestmögliche Bedingungen zu schaffen. Das Trainerteam um Miren Catovic leistet hervorragende Arbeit und macht uns besser. Jetzt liegt es in erster Linie an uns, mehr Konstanz in unsere Leistungen zu bringen und im besten Fall noch ganz oben anzugreifen. Das Spiel gegen den VfB Stuttgart könnte ein guter Anfang sein.

Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga

Autor: mspw