2. Frauen-Bundesliga

VfL-Trainerin Kyra Malinowski: "Niveau steigt von Jahr zu Jahr"

30.07.2026
Kyra Malinowski: "Nach der Vorbereitung sind alle heiß darauf, dass es endlich losgeht" Foto: IMAGO

Der VfL Bochum und Aufsteiger Hertha BSC bestreiten am Sonntag (ab 15 Uhr) im großen Ruhrstadion das Eröffnungsspiel der Saison 2026/2027 in der 2. Frauen-Bundesliga. DFB.TV und LEAGUES übertragen live. Im DFB.de-Interview spricht VfL-Trainerin Kyra Malinowski (33) mit Mitarbeiter Ralf Debat über den Saisonstart, die Entwicklung des Teams, einen herben Verlust und ihr persönliches Ziel.

DFB.de: Mit dem Heimspiel gegen Hertha BSC eröffnet der VfL die neue Spielzeit. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen und Ihrem Team, Frau Malinowski?

Kyra Malinowski: Nach der Vorbereitung sind alle heiß darauf, dass es endlich losgeht und wir wieder um Punkte spielen.

DFB.de: Sorgt die Austragung im großen Bochumer Stadion noch für einen zusätzlichen Motivationsschub?

Malinowski: Definitiv. Wir trainieren schließlich auch immer auf dem Gelände des Stadions und fühlen uns dort sehr wohl. Dazu dürfen wir uns auf eine große Kulisse freuen. Das wird der Mannschaft ganz sicher noch einen Push geben.

DFB.de: Wie bewerten Sie nach Abschluss der Saisonvorbereitung die Form des Teams?

Malinowski: Ich bin mit dem aktuellen Stand zufrieden. Wir haben gut gearbeitet und auch in den Testspielen positive Ergebnisse erzielt. Wir sind für den Start gerüstet.

DFB.de: Hertha BSC ist einer von drei Aufsteigern. In der abgelaufenen Spielzeit schafften der VfB Stuttgart und der 1. FSV Mainz 05 jeweils den direkten Durchmarsch in die Google Pixel Frauen-Bundesliga. Trauen Sie den Berlinerinnen ein ähnliches Abschneiden zu?

Malinowski: Das ist schwierig zu beantworten. Vor allem der VfB Stuttgart war mit seinen erheblichen Investitionen und der Verpflichtung zahlreicher Spielerinnen mit Bundesliga-Erfahrung sicherlich eine Ausnahme. Hertha scheint eher auf den Kern der Aufstiegsmannschaft zu setzen, die nur punktuell verstärkt wurde. Von daher bin ich gespannt, wie sich das Team in der ersten Saison in der 2. Frauen-Bundesliga präsentiert.

DFB.de: Wie gut sind Sie über den Auftaktgegner bereits informiert?

Malinowski: Wir haben uns natürlich einige Testspiele angeschaut, um gut vorbereitet zu sein. Dennoch weiß vor dem Ligastart niemand so genau, wo er steht.

DFB.de: Mit welcher Zielsetzung wird der VfL Bochum in die neue Spielzeit starten?

Malinowski: Wir wollen den Fokus auf unsere Leistung legen, die wir möglichst konstant auf den Platz bringen wollen. Das wäre die beste Voraussetzung, um Woche für Woche das Maximum aus unseren Möglichkeiten herauszuholen. Darauf werden wir uns konzentrieren.

DFB.de: Gleich fünf Zugänge waren in der abgelaufenen Spielzeit noch in der Google Pixel Frauen-Bundesliga am Ball. Lassen sich daraus keine Aufstiegsansprüche ableiten?

Malinowski: Da muss man differenzieren. Torhüterin Anne Moll hatte beispielsweise bei Bayer 04 Leverkusen nur sehr wenig Spielzeit. Gleiches galt für Bente Fischer beim FC Carl Zeiss Jena. Wir sehen bei ihr aber extrem viel Potenzial. Klar ist, dass die neuen Spielerinnen bei uns für frischen Wind gesorgt haben und Verstärkungen sein werden.

DFB.de: Sie haben es angedeutet: Gleich drei Spielerinnen kamen aus Jena, zwei aus Leverkusen. Hat das einen bestimmten Hintergrund?

Malinowski: Nein, das war eher Zufall. Wir haben uns gezielt nach Spielerinnen umgeschaut, die schon mal in der Bundesliga gespielt haben. Ihre Profile haben gut zu uns gepasst.

DFB.de: Ist der Kader bereits komplett oder sehen Sie auf einzelnen Positionen noch Handlungsbedarf?

Malinowski: Fiona Gaißer, die zuletzt ebenfalls für Jena am Ball war, hat sich leider erneut einen Kreuzbandriss zugezogen. Dieser Ausfall tut uns weh, weil sie sich schon sehr gut in das Team integriert und ihr Potenzial gezeigt hatte. Daher sind wir bemüht, noch eine Spielerin für den Offensivbereich zu verpflichten.

DFB.de: In der abgelaufenen Saison hielt der VfL lange Zeit Anschluss an die Spitzengruppe. Im Endspurt sprang allerdings nur ein Punkt aus sieben Spielen heraus. Welche Erklärung haben Sie dafür?

Malinowski: Dafür gibt es nicht die eine Erklärung, da kamen verschiedene Faktoren zusammen. Fakt ist, dass wir es nicht geschafft haben, unsere Trainingsleistungen auch dauerhaft in die Ligaspiele zu übertragen. Das ist definitiv ein Ansatzpunkt für die neue Saison. Wir müssen konstanter werden. Der neunte Tabellenplatz, der am Ende für uns heraussprang, entsprach nicht unserem Leistungsvermögen.

DFB.de: In welchen Bereichen muss sich das Team vor allem verbessern?

Malinowski: Vor allem in den Bereichen Aggressivität und Zweikampfverhalten haben wir Luft nach oben. Daran haben wir während der Vorbereitung intensiv gearbeitet.

DFB.de: Es ist für Ihre Mannschaft die dritte Saison nach dem Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga. Wie bewerten Sie die Entwicklung der Spielklasse?

Malinowski: Man spürt, dass das Niveau von Jahr zu Jahr steigt. Schon in der zurückliegenden Saison hatte ich das Gefühl, dass nahezu jeder jeden besiegen kann. Das sorgt in der Liga für eine noch größere Spannung.

DFB.de: Mit den Partien gegen Absteiger SGS Essen und Aufsteiger MSV Duisburg kommt es zu attraktiven Revierderbys. Wie sehr erhöht das für den VfL noch den Reiz?

Malinowski: Ich freue mich sehr auf diese Spiele. Derbys sorgen noch einmal für andere Emotionen, zumal ich auch viele Jahre in Essen aktiv war. Es werden coole Duelle.

DFB.de: Sie hatten gerade ihr vierjähriges Dienstjubiläum. Leben Sie als gebürtige Bochumerin Ihren Traum?

Malinowski: Das würde ich so unterschreiben. In meiner Heimatstadt den Verein zu trainieren, dessen Fan ich seit Kindheitstagen bin, ist eine große Ehre. Ich fühle mich rundum wohl und bin sehr dankbar, dass ich diesen Job machen darf.

DFB.de: Wie sehr hilft Ihnen die Unterstützung der langjährigen Nationalspielerin Annike Krahn, die als Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball fungiert?

Malinowski: Dass Annikes Position geschaffen wurde, war auf jeden Fall ein wichtiger Schritt für den VfL, um nachhaltige Strukturen aufzubauen, den Frauen- und Mädchenfußball im Verein voranzubringen und die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

DFB.de: Haben Sie sich persönlich das Ziel gesetzt, eines Tages als Trainerin in der Bundesliga an der Seitenlinie zu stehen?

Malinowski: Klares Ja. Mein großer Wunsch ist es, als nächsten Schritt auf diesem Weg die Ausbildung zur Pro-Lizenz in Angriff nehmen zu können - je schneller, umso besser.

Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga

Autor: mspw