DFB-Nachwuchsliga
VfB-Trainer Tobias Rathgeb: "Verspüre große Verantwortung"

Die U 19 des VfB Stuttgart trifft heute (ab 12.30 Uhr, live bei YouTube) in der Hauptrunde der Liga A der DFB-Nachwuchsliga auf den aktuellen Deutschen Meister 1. FC Köln. Im DFB.de-Interview spricht VfB-Trainer Tobias Rathgeb (43), der viele Jahre selbst für die Schwaben am Ball war, mit Mitarbeiter Peter Haidinger über das Topspiel, den Saisonverlauf und die Ausbildung der Talente.
DFB.de: Heute stellt sich Tabellenführer und Titelverteidiger 1. FC Köln in Stuttgart vor. Wie sehr fiebert Ihr Team der Begegnung bereits entgegen, Herr Rathgeb?
Tobias Rathgeb: Die Jungs freuen sich extrem auf dieses Spiel. Wir sind in der zurückliegenden Saison im Achtelfinale gegen den 1. FC Köln nach einer 3:0-Führung ganz unglücklich ausgeschieden, mussten in der Verlängerung ein bitteres 3:4 hinnehmen. Es war ein herausragendes Jugendspiel von zwei Topmannschaften. Nach unserem jüngsten 2:4 beim SSV Ulm 1846 Fußball sind die Jungs heiß, wollen noch zusätzlich etwas gutmachen.
DFB.de: Worauf wird es ankommen, um gegen den Ligaprimus möglichst den zweiten Sieg in der Gruppe D einzufahren?
Rathgeb: Wir benötigen gegen eine so starke Mannschaft einen sehr guten Tag, müssen defensiv stabil stehen. Wir sind eine Mannschaft, die offensive Lösungen sucht, bevorzugen das Spiel mit dem Ball, wollen mutig nach vorne spielen.
DFB.de: Neben dem 1. FC Köln und dem SSV Ulm 1846 Fußball ist Ihr Team in der Liga A auch gegen den VfL Bochum, den FC Energie Cottbus und den Hamburger SV gefordert. Wie schätzen Sie grundsätzlich die Gruppe ein?
Rathgeb: Es ist eine sehr ausgeglichene Gruppe, in der einige Spitzenmannschaften vertreten sind. Wir freuen uns, dass wir die Möglichkeit haben, uns mit solchen Gegnern zu messen. Wir sind beim VfB große Befürworter der DFB-Nachwuchsliga, sind von diesem Modell überzeugt.
DFB.de: Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden in der Hauptrunde der Liga A und wie schätzen Sie die Chancen auf die Qualifikation für das Achtelfinale ein?
Rathgeb: Uns fehlen die drei Punkte aus dem Ulm-Spiel. Es gibt in den Rückspielen aber noch genügend Möglichkeiten, um die nötigen Zähler für die Qualifikation für das Achtelfinale zu holen.
DFB.de: Was zeichnet Ihre Mannschaft in dieser Spielzeit besonders aus?
Rathgeb: Das Team verfügt über eine große Mentalität, tritt geschlossen auf. Selbst bei Rückständen hört die Mannschaft nicht auf, Fußball zu spielen, sondern versucht, ihre Qualitäten auf dem Platz zu bringen. Wir sind ein eingeschworener Haufen, sind sehr zufrieden mit dem bisherigen Abschneiden, das zurückliegende Wochenende einmal ausgenommen.
DFB.de: In welchen Bereichen muss sich Ihr Team vor allem steigern?
Rathgeb: Wir haben in Ulm vier Standardtore kassiert, was auch nicht jeden Tag passiert. Außerdem haben wir zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht und mindestens zwölf Großchancen liegengelassen. Es gibt solche Tage, da will der Ball einfach nicht ins gegnerische Tor. Für mich als Trainer ist aber entscheidend, dass wir uns Chancen erarbeiten. Wir werden weiter offensiven Fußball spielen.
DFB.de: Sie selbst haben beim VfB sämtliche Nachwuchsabteilungen durchlaufen, wurden mit den B-Junioren Deutscher Meister und gewannen mit der U 19 den DFB-Pokal. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?
Rathgeb: Der VfB Stuttgart bedeutet mir extrem viel. Gerne erinnere ich mich an diese Erfolge, habe mit vielen Talenten zusammengespielt, die später den Weg in die Bundesliga geschafft haben. Die beiden Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi und auch unser aktueller Cheftrainer Sebastian Hoeneß gehörten damals ebenfalls zum U 17-Kader.
DFB.de: Ist es für Sie durch Ihre eigenen Erfahrungen einfacher, sich in die Spieler hineinzuversetzen und bei Ihnen Gehör zu finden?
Rathgeb: Ich war zehn Jahre Kapitän bei der zweiten Mannschaft des VfB, habe mehr als 300 Spiele für das Team absolviert. Als Spielführer hast du nicht nur die sportlichen Aufgaben zu erledigen, sondern kümmerst dich auch um das Ganze drumherum. Diese Erfahrung hat mir im Trainerbereich sehr geholfen. Ich möchte ein Trainer sein, der die Spieler versteht.
DFB.de: Wie sehr hat sich die Ausbildung der Talente gegenüber Ihrer eigenen Jugendzeit verändert?
Rathgeb: Die Häufigkeit der Trainingseinheiten ist gestiegen. Jetzt wird mehr an den inhaltlichen Dingen und an Details gearbeitet. Gegenüber meiner Jugend sind die Vereine wesentlich professioneller aufgestellt. Mich freut, dass wir in der Ausbildung nicht das nackte Ergebnis, sondern den Spieler in den Mittelpunkt stellen.
DFB.de: Insgesamt haben Sie schon mehr als 20 Jahre beim VfB Stuttgart verbracht. Was bedeutet Ihnen der Verein?
Rathgeb: Der VfB ist für mich Heimat. Ich verspüre große Verantwortung, die Spieler nach vorne zu bekommen. Das macht mir großen Spaß.
DFB.de: Unmittelbar nach Ihrer aktiven Laufbahn 2017 haben Sie Ihre Trainerkarriere gestartet. Wie hilfreich sind die Erfahrungen, die Sie als Profi gesammelt haben, bei Ihrer Arbeit mit den jungen Talenten?
Rathgeb: Man sollte bei jungen Spielern, die sich mitten in der Entwicklung befinden, Geduld mitbringen. Man muss ihnen zugestehen, auch einmal ein schlechtes Spiel machen zu dürfen. Es gibt Spieler, die hängen einen Monat komplett durch, starten dann aber voll durch, weil man ihnen weiterhin vertraut und nicht den Glauben an die eigene Stärke nimmt. Viele Jungs werden in jungen Jahren schnell gehypt, andere benötigen etwas mehr Zeit, um dann durch die Decke zu gehen.
DFB.de: Wie läuft der Austausch mit Cheftrainer Sebastian Hoeneß, der früher ebenfalls viele Jahre im Nachwuchsbereich tätig war?
Rathgeb: Sebastian Hoeneß kenne ich seit meiner Jugend, mit Sportdirektor Christian Gentner habe ich zusammen in der zweiten Mannschaft gespielt. Diese langjährigen Verbindungen sind beim regelmäßigen Austausch sehr hilfreich. Unser Auftrag ist es, die Spieler bestmöglich auf höhere Aufgaben vorzubereiten. So hat unser Kapitän Yanik Spalt schon 14 Einsätze für die U 21 in der 3. Liga absolviert. Mittelfeldspieler Mirza Catovic und Torhüter Florian Hellstern sind dort bereits Stammspieler.
DFB.de: Streben Sie mittelfristig eine ähnliche Karriere wie Ihr früherer Mitspieler Sebastian Hoeneß an oder haben Sie andere Pläne?
Rathgeb: Ich fühle mich in meiner derzeitigen Funktion pudelwohl, will Spieler entwickeln, formen und ihnen Vertrauen geben. Diese drei Dinge sind für mich das Wichtigste, dafür bin ich da.
DFB.de: Welcher Trainer hat Sie in Ihrer langen Laufbahn am meisten inspiriert?
Rathgeb: Während meiner Zeit beim F.C. Hansa Rostock habe ich unter Frank Pagelsdorf trainiert. Er hat unfassbar viele junge Spieler in die Bundesliga gebracht, einer davon war ich. Unter Jürgen Kramny war ich beim VfB II viele Jahre Kapitän. Ich fühlte mich wie ein spielender Co-Trainer. Aber auch das Training unter Felix Magath und Giovanni Trapattoni werde ich niemals vergessen.
Kategorien: DFB-Nachwuchsliga
Autor: mspw

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