DFB-Nachwuchsliga
TSG-Meistertrainer Paul Ehmann: "Positive Entwicklungskurve"

Die U 19 der TSG Hoffenheim startet nach dem Gewinn der Deutschen A-Junioren-Meisterschaft (2:0 im Finale gegen den 1. FC Köln) mit ihrem Trainer Paul Ehmann als Titelverteidiger in die dritte Saison der DFB-Nachwuchsliga. Im DFB.de-Interview spricht der 33 Jahre alte gebürtige Ludwigshafener mit Mitarbeiter Peter Haidinger über die neue Spielzeit und die Toptalente der Kraichgauer.
DFB.de: Am Samstag (ab 13 Uhr) startet Ihr Team mit einem Heimspiel gegen SSV Ulm 1846 Fußball die neue Saison 2026/2027 in der DFB-Nachwuchsliga. Wie fällt Ihr Fazit nach der Vorbereitung aus, Herr Ehmann?
Paul Ehmann: Mit dem 6:2 in der ersten Runde des DFB-Pokals der Junioren beim JFV Lübeck haben wir unser erstes Pflichtspiel bereits absolviert. Es war keine ganz einfache Aufgabe, die wir aber gut gemeistert haben. Die Jungs haben insgesamt Woche für Woche gute Schritte nach vorne gemacht. Das Fazit der Vorbereitung fällt erfreulich aus, weil wir bei den Spielern eine positive Entwicklungskurve ausmachen. Das ist uns sehr wichtig.
DFB.de: Auf welche Dinge haben Sie besonderen Wert gelegt?
Ehmann: Im ersten Schritt wollten wir zunächst im Umgang untereinander eine gute Kultur schaffen. Danach wurde geklärt, wie und auf welche Art und Weise wir trainieren wollen. Und als letzten Schritt steht die spielerische Umsetzung auf dem Platz auf dem Programm. Auf diesen drei Feldern sind wir bereits an einem guten Punkt angekommen, wollen uns aber in allen Bereichen stetig verbessern.
DFB.de: Wird die TSG auch in dieser Saison zu den Titelanwärtern gehören?
Ehmann: Es tut uns nicht gut, wenn wir so auf die neue Saison schauen. Jeder weiß, was das für eine lange Reise ist. Um am Ende ganz vorne dabei zu sein, ist eine gute Entwicklung zwingend erforderlich. Wir gehen mit einer neuen Mannschaft an den Start, müssen erst einmal ein gutes Team zusammenschweißen. Unser Anspruch ist es, in allen vier Wettbewerben mit DFB-Pokal, Meisterschaft, Youth League und Verbandspokal möglichst den maximalen Erfolg herauszuholen.
DFB.de: Welche Vereine zählen Sie zu den stärksten Konkurrenten?
Ehmann: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu beurteilen. Es gibt viele Akademien, die sehr gute Arbeit leisten. In der Vorsaison hatten wir beispielsweise während der Hinrunde gegen 1. FC Heidenheim und in der Hauptrunde gegen den SC Paderborn 07 gegen zwei unglaublich gute Gegner gespielt, die man auf dem ersten Blick sicherlich nicht zu den Favoriten gezählt hätte. Ich bin selbst gespannt, wie es sich diesmal entwickelt.
DFB.de: Sie haben selbst für die TSG in der U 19 gespielt. Wie sehr hilft Ihnen diese Erfahrung in Ihrem Trainerjob?
Ehmann: Mir persönlich hilft die damalige Zeit vor allem deshalb, weil ich viele Menschen schon sehr lange kenne und eine TSG-Identität in mir trage. Die eigenen Ideen und Erfahrungen, die man als Spieler gemacht hat, möchte ich in meine Trainerarbeit einfließen lassen, obwohl ich weiß, dass Spieler und Trainer zu sein, zwei grundlegend unterschiedliche Bereiche sind.
DFB.de: Nach Ihrer Jugendzeit haben Sie kurzzeitig für die U 23 von Borussia Dortmund in der 3. Liga gespielt. Wann haben Sie sich entschieden, andere Prioritäten zu setzen?
Ehmann: Wie die meisten anderen Kinder hatte auch ich den großen Traum, Fußballprofi zu werden. Im Herrenbereich musste ich aber feststellen, dass es aus verschiedenen Gründen nicht für ganz oben reicht. Deshalb habe ich einen anderen Weg eingeschlagen, bin in die USA gegangen, habe am College gespielt. So konnte ich Fußball und mein Studium optimal miteinander verbinden. Danach durfte ich im Juniorenbereich bei der TSG schnell meine ersten Schritte als Trainer machen. Dafür bin ich sehr dankbar.
DFB.de: Was macht für Sie grundsätzlich den Reiz aus, mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten?
Ehmann: Ich habe bereits mehrere Altersstufen von der U 15 aufwärts trainiert. Die Jungs jetzt bei ihrem letzten Schritt auf dem Weg in den Herrenbereich zu begleiten, ist sehr spannend und eine Aufgabe, die mich sehr erfüllt.
DFB.de: Mit David Wagner, Julian Nagelsmann oder Domenico Tedesco haben namhafte Persönlichkeiten ihre Karriere bei der TSG im Nachwuchsbereich gestartet. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ehmann: Mein Leben ist bislang so verlaufen, dass ich keinem Karriereplan gefolgt bin, sondern mich immer nur auf die aktuellen Aufgaben konzentriert habe. Das werde ich auch so fortsetzen. Ich will bestmögliche Arbeit abliefern, alles Weitere wird man sehen. Die TSG Hoffenheim ist für mich der richtige Ort und ich fühle mich pudelwohl.
DFB.de: Das Hauptziel ist die Nachwuchsförderung und das Heranführen der Toptalente an den Profikader. Was müssen die Spieler mitbringen, um den Sprung zu schaffen?
Ehmann: Im Profibereich kommen sehr viele verschiedene Bereiche dazu, mit denen die Jungs umgehen müssen. Den Anforderungen im Training standzuhalten und sich freizuschwimmen, ist vor allem mental nicht einfach. Sie müssen sich selbstbewusst präsentieren, aber gleichzeitig demütig bleiben. Darüber hinaus benötigen die Spieler herausragende physische Eigenschaften, um mit der gestiegenen Intensität Schritt halten zu können. Neben den technischen und taktischen Fähigkeiten ist eine gewisse Spielintelligenz unabdingbar, weil das Spiel ganz oben komplexer und viel schneller ist.
DFB.de: Was wollen Sie als Trainer den TSG-Talenten vor allem mitgeben?
Ehmann: Unsere Aufgabe ist, die Spieler möglichst mit einem komplett ausgerüsteten Werkzeugkasten auszustatten. Ein besseres Bild fällt mir gerade nicht ein. (lacht)
DFB.de: Wird das eine oder andere Talent aus dem aktuellen U 19-Kader auch schon bald bei den Profis auftauchen?
Ehmann: Prinzipiell sollten alle U 19-Spieler der TSG Hoffenheim diesen Anspruch haben. In den zurückliegenden Jahren haben wir die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer die Jungs sind, die man von Anfang an auf dem Schirm hatte, sondern dass der eine oder andere eine überraschende Entwicklung genommen hat. Aktuell sind Innenverteidiger Tristan Spranger, Torhüter Nico Biedermann und Natnael Abraha, der altersmäßig noch für uns spielen dürfte, mit den Profis ins Trainingslager gereist.
DFB.de: Die neue DFB-Nachwuchsliga startet nun in ihre dritte Saison. Es geht zunächst wieder mit einer regionalen Vorrunde mit acht Mannschaften los. Wie schätzen Sie die Gegner ein?
Ehmann: Mit dem FC Augsburg, SC Freiburg, SV Sandhausen, den Stuttgarter Kickers, dem 1. FC Heidenheim, Karlsruher SC und SSV Ulm 1846 Fußball haben wir eine ganz starke Gruppe erwischt. Wir gehen jedoch als aktueller Deutsche Meister in die Saison und haben den Anspruch, dass wir uns in dieser Gruppe durchsetzen und für die Hauptrunde der Liga qualifizieren.
Kategorien: DFB-Nachwuchsliga
Autor: mspw

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