DFB-Nachwuchsliga
Jens Härtel: "Bin emotional mit Union Berlin verwachsen"

Die Profis des 1. FC Magdeburg und des FC Hansa Rostock führte Jens Härtel als Cheftrainer zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Ab sofort bereitet der 57 Jahre alte gebürtige Rochlitzer die U 19-Talente des 1. FC Union Berlin auf den Sprung in den Profifußball vor. Im DFB.de-Interview spricht Härtel mit Mitarbeiter Peter Haidinger über seine Rückkehr zu den "Eisernen" und in den Nachwuchsbereich.
DFB.de: In wenigen Wochen startet die neue Saison 2026/2027 in der DFB-Nachwuchsliga. Wie gut ist Ihr Team bereits vorbereitet, Herr Härtel?
Jens Härtel: Im Großen und Ganzen konnten wir unsere Trainingsinhalte ganz gut durchbringen, die Jungs zeigen große Bereitschaft. Wir haben bereits vier Testspiele absolviert und sind nicht unzufrieden.
DFB.de: Seit drei Wochen trainieren Sie mit Ihrem neuen Team. Worauf haben Sie bislang besonderen Wert gelegt?
Härtel: In der ersten Woche war das Defensivverhalten ein Trainingsschwerpunkt. Danach haben wir das Spiel mit dem Ball, insbesondere beim Spielaufbau und Umschaltsituationen thematisiert. Die Basics wie Zweikampfverhalten und Intensität standen in dieser Woche auf dem Zettel.
DFB.de: Sie sind nach zuletzt zwölf Jahren im Profigeschäft erstmals wieder als Nachwuchstrainer aktiv. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschieden?
Härtel: 1. FC Union Berlin ist für mich kein ganz normaler Verein. Dort hatte ich als Spieler meine beste Zeit. Ich wohne in der Nähe von Potsdam, hatte immer die Entwicklung des Vereins im Blick. Für mich eine sehr reiz- und verantwortungsvolle Aufgabe, junge Talente möglichst für den Profifußball zu entwickeln.
DFB.de: Als aktiver Spieler waren Sie fünf Jahre lang für den Verein am Ball, wurden 1999 sogar zum "Unioner des Jahres" gewählt. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Härtel: Ich hatte mit Sergej Barbarez, dem ehemaligen Nationalspieler Marko Rehmer, André Hofschneider, Christian Beeck oder Martin Pieckenhagen Mitspieler, die später alle den Sprung in den Profibereich geschafft hatten. Fußballerisch war das für mich eine wunderbare Zeit.
DFB.de: Wie sehr hat sich der 1. FC Union und sein Umfeld seitdem verändert?
Härtel: Was Union Berlin in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat, ist sensationell. Als gegnerischer Trainer habe ich hautnah mitbekommen, wie der Verein gewachsen ist. Im nächsten Jahr steht der Stadionausbau an der Alten Försterei an. Infrastrukturell werden die Weichen für die nächste Generation gestellt.
DFB.de: Wie haben Sie diese eindrucksvolle Entwicklung aus der Ferne wahrgenommen?
Härtel: In der Champions League hatte ich mir Spiele von Hertha BSC im Olympiastadion angeschaut und später die europäischen Topteams in der Alten Försterei gesehen. Die Rollen wurden mittlerweile getauscht. Hertha BSC spielt in der 2. Bundesliga und Union ist jetzt in Berlin die Nummer eins.
DFB.de: Ist es ein besonderer Ansporn, jetzt wieder selbst daran mitwirken zu können?
Härtel: Auf jeden Fall. Ich bin emotional mit dem Verein verwachsen und die insgesamt positive Entwicklung lässt mich nicht kalt.
DFB.de: Was macht für Sie grundsätzlich den Reiz aus, mit jungen Spielern zusammenzuarbeiten?
Härtel: Ich kann den Talenten genau sagen, was notwendig ist, um im Profibereich anzukommen. Es macht mir großen Spaß, die Jungs weiterzuentwickeln.
DFB.de: Müssen Sie Ihre Arbeitsweise im Vergleich zum Profifußball umstellen?
Härtel: Bei meinen vorherigen Stationen richtete sich alles nach den Trainingszeiten der ersten Mannschaft aus. Auch in den Profimannschaften waren junge Spieler dabei, die ich integrieren musste. Fakt ist, dass sich junge Menschen heute mit den Möglichkeiten der sozialen Medien ganz anders entwickeln, sie sind vielleicht weniger aufmerksam. Für mich eine spannende Aufgabe, die Jungs an anderen Stellen abzuholen und zu fördern. Ein Prozess, den ich lernen muss, wie ich sie packen und für unsere Sache begeistern kann.
DFB.de: Das Hauptziel ist die Nachwuchsförderung und das Heranführen der Toptalente an den Profikader. Was müssen die Spieler mitbringen, um den Sprung zu schaffen?
Härtel: In erster Linie benötigt man neben dem Talent eine gute Mentalität und viel Fleiß. So lange es besser geht, ist gut nicht gut genug. Jeder Spieler muss weiter hart an sich arbeiten und nicht mit dem bereits Erreichten zufrieden sein.
DFB.de: Was wollen Sie als erfahrener Trainer den Union-Talenten vor allem mitgeben?
Härtel: Der Spagat zwischen individueller Förderung und mannschaftlichem Erfolg ist spannend. Die Jungs, die das Potenzial für eine mögliche Profikarriere haben, wollen wir auf ihrem Weg unterstützen. Grundsätzlich möchte ich, dass alle Spieler ihr Potenzial maximal ausschöpfen. Wohin die Reise im Herrenbereich dann geht, wird man sehen.
DFB.de: Gab es dazu bereits einen Austausch mit dem neuen Cheftrainer Mauro Lustrinelli?
Härtel: Das gesamte Trainerteam der ersten Mannschaft ist bereits ins NLZ gekommen und hat sich informiert. Sascha Stauch, der Co-Trainer bei den Profis ist, ist Ansprechpartner, bildet die Schnittstelle zwischen der Lizenzspieler- und Nachwuchsabteilung.
DFB.de: Mit welcher sportlichen Zielsetzung haben Sie bei der U 19 die Nachfolge von Marie-Louise Eta angetreten, die jetzt als Cheftrainerin das Bundesligateam der Frauen betreut?
Härtel: Die U 19 von Union hat in der letzten Saison eine sehr gute Vorrunde gespielt, ist ungeschlagen Erster geworden. Unser Ziel ist, in die Hauptrunde zu kommen und uns im besten Fall für das Achtelfinale zu qualifizieren.
DFB.de: Die neue DFB-Nachwuchsliga startet nun in ihre dritte Saison. Wie finden Sie den Modus?
Härtel: Der Modus hat Vor- und Nachteile. Für die Mannschaften, die bis ins Achtelfinale vorstoßen, ist es super. Scheidet man jedoch vorher aus, hat man zwischen Ende April bis Juli fast zehn Wochen keine Wettkampfpraxis.
DFB.de: Seit wenigen Tagen steht die Einteilung der regionalen Vorrunde der DFB-Nachwuchsliga fest. Wie schätzen Sie die Gegner ein?
Härtel: Noch hatte ich nicht die Zeit, mich mit den Gruppengegnern FC Carl Zeiss Jena, Eintracht Braunschweig, Hertha BSC, Hallescher FC, Chemnitzer FC, SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus zu befassen. Wir haben den Fokus auf den DFB-Pokal gerichtet, müssen eine Woche vor dem Ligastart in der ersten Runde beim Berliner AK antreten.
Kategorien: DFB-Nachwuchsliga
Autor: mspw

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