Stiftungen

Teams aus Wuppertal und Köln gewinnen Sepp-Herberger-Pokal

15.06.2026
Gewinner des Sepp-Herberger-Pokals 2026: die Auswahl der SG JVA Wuppertal-Ronsdorf Foto: Carsten Kobow/DFB-Stiftung Sepp Herberger

Ein sportliches Zeichen für die zweite Chance: In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern spielten im Rahmen der Resozialisierungsinitiative "Anstoß für ein neues Leben" 14 Fußballteams um den begehrten Sepp-Herberger-Pokal. Bei den Männern sicherte sich die Mannschaft der SG JVA Wuppertal-Ronsdorf/JVA Hövelhof den Turniersieg, während im Frauenturnier das Team der JVA Köln den Titel gewann. Insgesamt nahmen mehr als 150 jugendlichen Strafgefangenen an der Veranstaltung teil.

Das Turnier um den Sepp-Herberger-Pokal ist der alljährliche sportliche Höhepunkt der Resozialisierungsinitiative "Anstoß für ein neues Leben" der DFB-Stiftung Sepp Herberger. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, den Justizministerien der beteiligten Bundesländer sowie den jeweiligen DFB-Landesverbänden setzt sich Deutschlands älteste Fußballstiftung dafür ein, mit den Jugendlichen eine Perspektive für die Zeit nach der Haft zu erarbeiten. Die Initiative basiert dabei auf drei Säulen: "Fußball", "Arbeit/Beruf/Schule" und "Soziales". Derzeit beteiligen sich bundesweit 21 Justizeinrichtungen aus zehn Bundesländern an dem Programm. Bereits seit ihrer Gründung im März 1977 ist die Sepp-Herberger-Stiftung hinter Gefängnismauern engagiert.

"Jede und jeder hat eine zweite Chance verdient"

Am Rande der Siegerehrung in Neustrelitz wurde die Bedeutung der Initiative hervorgehoben. Babette Bohlen, Staatssekretärin im Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, sagte: "Die Initiative 'Anstoß für ein neues Leben' leistet einen unschätzbaren Beitrag für den Jugendstrafvollzug in Mecklenburg-Vorpommern. Jede und jeder hat eine zweite Chance verdient. Über den Sport vermitteln wir den Jugendlichen genau die Orientierung und Struktur, die sie für eine erfolgreiche Rückkehr in ein geordnetes Leben benötigen."

Andreas Wegner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Neubrandenburg, betonte die Chancen für die Zeit nach der Haft: "Der Arbeitsmarkt bietet aktuell gute Einstiegsperspektiven, wenn die Motivation stimmt. Die Jugendlichen bringen durch das strukturierte Training im Projekt wichtige soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Disziplin mit. Genau diese Eigenschaften sind der Schlüssel für eine nachhaltige Wiedereingliederung ins Berufsleben."

Besondere Angebote in der Kategorie "Fußball" sind die offiziellen Ausbildungen zu Schiedsrichtern oder Trainern. Ziel ist es, auch darüber nach der Entlassung eine unmittelbare Anbindung an die Fußballfamilie zu ermöglichen. Lars Bauer, Vizepräsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern, erklärte hierzu: "Es ist großartig zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Jugendlichen auf dem Platz stehen. Die Fußballvereine bieten eine hervorragende Plattform, um den Strafgefangenen nach der Entlassung eine neue Heimat, soziale Kontakte und eine feste Struktur zu geben. Der Fußball transportiert Werte, die weit über das Sportliche hinausgehen."

"Disziplin, Widerstandsfähigkeit und gegenseitiger Respekt"

Tobias Wrzesinski, Geschäftsführer der DFB-Stiftung Sepp Herberger, gratulierte den teilnehmenden Spielerinnen und Spielern und dankte den begleitenden Justizbediensteten sowie dem Team der gastgebenden JVA Neustrelitz um Anstaltsleiterin Andrea Hanke: "Wir haben begeisternde und faire Spiele gesehen. Noch wichtiger als der sportliche Erfolg ist jedoch, dass wir mit den unterschiedlichen Angeboten gemeinsam die Jugendlichen aktiv auf die Zeit nach der Entlassung vorbereiten. Der Fußball vermittelt dabei Werte wie Disziplin, Widerstandsfähigkeit und gegenseitigen Respekt, die für eine gelungene Wiedereingliederung essenziell sind."

Beim Turnier rollte aber nicht nur der Ball. So war der Musikauftritt von Jugendstrafgefangenen der JVA Neustrelitz, die im Rahmen der Anstoß-Initiative einen Rap-Song kreiert hatten, ein zusätzlicher Höhepunkt des Programms. Neben den Siegerteams wurden auch in diesem Jahr die fairsten Mannschaften ausgezeichnet: Der Fair-Play-Pokal der Männer ging an den Seehaus e.V., während sich bei den Frauen das Team der JVA Neustrelitz über die Auszeichnung freuen durfte.

Im kommenden Jahr findet das Turnier am 5. Juni 2027 in der Jugendanstalt Hameln in Niedersachsen statt.

Die teilnehmenden Mannschaften 2026

Männerturnier:

  • JSA Schifferstadt (Rheinland-Pfalz)
  • JSA Berlin (Berlin)
  • SG JVA Wuppertal-Ronsdorf/JVA Hövelhof (Nordrhein-Westfalen)
  • Seehaus e.V. (Sachsen / freier Strafvollzug)
  • JVA Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern)
  • JVA Adelsheim (Baden-Württemberg)
  • SG JVA Vechta / JA Hameln (Niedersachsen)
  • JVA Rockenberg (Hessen)
  • JA Schleswig (Schleswig-Holstein)

Frauenturnier:

  • JVA Wuppertal-Ronsdorf (Nordrhein-Westfalen)
  • JVA Köln (Nordrhein-Westfalen)
  • JVA Zweibrücken (Rheinland-Pfalz)
  • JVA Bützow (Mecklenburg-Vorpommern / Erwachsene)
  • JVA Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern / Bediensteten-Mannschaft)

Kategorien: Stiftungen

Autor: dfb