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"Respekt endet nicht an der Seitenlinie": Wie die Fußball-Ferien-Freizeiten persönliche Grenzen stärken

29.07.2026
"Es ist völlig normal und Ausdruck von Stärke, über eigene Grenzen zu sprechen": Prof. Silke Sinning Foto: Niko Florow/DFB

Auch in diesem Sommer kommen wieder rund 1.000 Kinder und Jugendliche aus 75 Fußballvereinen bei den Fußball-Ferien-Freizeiten der DFB-Stiftung Egidius Braun zusammen. Das Jahresmotto lautet "Fairplay und Respekt". Doch was bedeutet Respekt, wenn der Schlusspfiff längst ertönt ist? Mit dem neuen Flyer "Mein Spiel. Meine Grenzen." rückt ein wichtiges Thema in den Fokus: Der Schutz persönlicher Grenzen. DFB-Vizepräsidentin Prof. Silke Sinning beschreibt als Kinderschutzbeauftragte, wie der Spagat zwischen Sport und Prävention gelingen kann.

DFB.de: Frau Professorin Sinning, das Motto der diesjährigen Fußball-Ferien-Freizeiten lautet "Fairplay und Respekt". Passend dazu gibt es den neuen Flyer "Mein Spiel. Meine Grenzen.". Warum ist es so wichtig, dass wir beim Thema Respekt nicht nur über das Grätschen auf dem Platz sprechen, sondern auch über persönliche Grenzen im Vereinsleben?

Silke Sinning: Wenn wir im Fußball von Fairplay sprechen, denken wir oft zuerst an das Einhalten von Spielregeln. Aber echter Respekt geht viel weiter. Für mich gehört Kinderschutz genauso selbstverständlich zum Fußball wie Fairplay auf dem Platz. Kinder und Jugendliche müssen wissen: Ihre Grenzen werden respektiert – und wenn etwas passiert, gibt es Menschen, die ihnen zuhören und helfen. Gerade im Sport, wo Emotionen hochkochen und körperliche Nähe ganz natürlich ist – sei es beim Torjubel, beim Trösten nach einer Niederlage oder in der Kabine –, brauchen wir einen klaren Kompass. Respekt endet nicht an der Seitenlinie. Es geht um einen sicheren Raum, in dem sich alle wohlfühlen.

DFB.de: Als DFB-Vizepräsidentin für Bildung, Gesundheit und Safe Sport beschäftigen Sie sich regelmäßig mit dem Thema Schutzkonzepte. Warum funktioniert der Ansatz der Fußball-Ferien-Freizeiten bei so einem sensiblen Thema wie Grenzverletzungen, ohne dass es trocken wirkt oder sich die Jugendlichen unwohl fühlen?

Sinning: Für mich sind die Fußball-Ferien-Freizeiten ein echtes Vorzeigeprojekt, weil hier genau der richtige Ton getroffen wird: Der Schlüssel ist die Augenhöhe. Bei den 18 Freizeiten werden den Jugendlichen keine theoretischen Vorträge mit erhobenem Zeigefinger gehalten. Das Thema wird ganz natürlich in ihre Lebenswelt integriert. Durch interaktive Bildungsmodule und Wertedialoge merken die Kinder und Jugendlichen schnell: Es ist völlig normal und sogar Ausdruck von Stärke, über eigene Grenzen zu sprechen. Wenn man gemeinsam lacht, kickt und abends zusammensitzt, fallen Barrieren. Genau in diesen Momenten gelingt es, das eigene Bauchgefühl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu stärken.

DFB.de: Im Rahmen des Programms wird der Flyer "Mein Spiel. Meine Grenzen." an die Teilnehmenden verteilt. Was ist die Kernbotschaft, die jede Spielerin und jeder Spieler als "Take-away" verinnerlichen soll?

Sinning: Die wichtigste Botschaft ist: Nimm dein Bauchgefühl ernst. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, darfst du "Nein" sagen – egal, ob das gegenüber Mitspielenden, dem Trainer*innenteam oder Betreuungspersonen ist. Der Flyer hilft Kindern und Jugendlichen, Grenzverletzungen früh zu erkennen und macht ihnen Mut, ihre Gefühle ernst zu nehmen. Gleichzeitig zeigt er auf, an wen sie sich wenden können, wenn sie Unterstützung brauchen. Er ist wie ein kleiner Kompass für die Hosentasche: eine Orientierungshilfe, die stärkt und deutlich macht, dass niemand mit einem unguten Gefühl allein ist.

DFB.de: Nach einer intensiven Woche reisen die fast 1000 Teilnehmenden wieder zurück in ihre Heimatvereine. Was können die Fußballklubs an der Basis aus den Erfahrungen der Fußball-Ferien-Freizeiten mitnehmen, um Kinderschutz im Alltag aktiv zu leben?

Sinning: Der Ansatz der Fußball-Ferien-Freizeiten zeigt eindrucksvoll: Eine Kultur des Hinsehens ist kein Hexenwerk, sondern eine Frage der Haltung. Ich wünsche mir, dass die Fußballvereine an der Basis drei Dinge mitnehmen:

  • Erstens: Sprecht offen über das Thema! Nutzt Materialien wie unsere Flyer oder unsere Plakate und legt sie gut sichtbar im Vereinsheim aus bzw. hängt sie in den Kabinen auf.

  • Zweitens: Benennt klare Ansprechpersonen für den Kinderschutz, die als Vertrauenspersonen fungieren.

  • Drittens: Hört den Kindern und Jugendlichen zu. Die Kids, die jetzt von den Fußball-Ferien-Freizeiten zurückkehren, haben hoffentlich ein klares Bewusstsein für Fairplay und Respekt entwickelt. Jedes Kind muss sich im Fußball sicher fühlen können. Das ist kein Zusatzthema, sondern eine Grundvoraussetzung für unseren Sport. Daran arbeiten wir gemeinsam, in den Vereinen, den Landesverbänden und im DFB.

Kategorien: Stiftungen, DER DFB, Kinderfußball

Autor: dfb