Männer-Nationalmannschaft

Klopp: "Erfolgreicher Fußball kann ein Land verändern"

24.07.2026
Klopp (2.v.r.): "Mehr Aufwand betreiben, mehr Intensität auf dem Platz - das ist mein Plan" Foto: imago

Jetzt ist es offiziell! Jürgen Klopp wird ab dem 15. August Bundestrainer der Männer-Nationalmannschaft. Bei seiner Vorstellung am DFB-Campus in Frankfurt am Main sprach der 59-Jährige über die außergewöhnliche Strahlkraft des Amtes, seine Vorstellungen von Erfolg und die Bedeutung der Fans. Und DFB-Präsident Bernd Neuendorf und der 1. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke erklärten, warum Klopp von Beginn an ihr Wunschkandidat war.

Jürgen Klopp über...

... das Amt des Bundestrainers: Es ist eine große Ehre für mich, hier heute zu sitzen. Ich hatte keine Ahnung, wie groß das Amt des Bundestrainers tatsächlich ist. Wenn man damit in Verbindung gebracht wird, fühlt man die Verantwortung noch mehr. Ich weiß, wo ich herkomme, und es war immer unvorstellbar, dass es irgendwann mal dazu kommen würde. Der Tag der Vertragsunterschrift ist ein besonderer Tag, aber ich bin froh, dass das nun erledigt ist und wir uns nun um Dinge kümmern können, die wichtig sind. Mein erstes Ziel ist, dass wir besser Fußball spielen. Ich werde dafür alles geben, was mir zur Verfügung steht. Ich habe für mich das bestmögliche Trainerteam zusammengestellt. Wir wollen jeden Stein umdrehen. Wenn unter dem Stein etwas ist, was angepasst werden muss, dann werden wir das ohne Aktionismus machen. Unsere Hauptaufgabe wird es sein, der Nationalmannschaft zu helfen, aber auch den Verband in eine gute Zukunft zu führen.

... sein Trainerteam: Pep Lijnders ist ein außergewöhnlicher Trainer, der einen Riesenbock auf diese Aufgabe hat. Mit Piet Krawietz arbeite ich schon seit fast 30 Jahren zusammen. Er genießt mein Vertrauen und bringt eine außergewöhnliche Qualität mit. Sven Bender ist ein junger Trainer, der zu seiner aktiven Zeit Nationalspieler war und schon in den U-Mannschaften beim DFB gearbeitet hat. Er kennt im Gegensatz zu mir die Abläufe rund um die Nationalmannschaft. Marc Kosicke wird für Strategie, Entwicklung und Innovation zuständig sein.

... seinen Blick auf den Status quo beim DFB-Team: Verbesserung hat meist damit zu tun, mehr zu investieren, aber auch den Blick darauf zu richten, was den Fußball in Zukunft beeinflusst. Ich habe eine Liste von Namen mit Spielern angefertigt, die mich interessieren. Darunter sind derzeit 57 Feldspieler. Wir hatten viele gute Spieler bei der WM dabei, die aber nicht gut gespielt haben. Es ist gerade alles andere als alles schlecht, aber es ist verbesserungswürdig. Jeder, der berechtigt ist, für Deutschland zu spielen, sollte sich Mühe geben, weil ich genau hingucken werde. Die Tür zur Mannschaft ist offen. Heute ist für alle, die Bock darauf haben, ein Neustart.

... den möglichen Alltag als Bundestrainer: Ich kenne meinen Alltag natürlich noch nicht. Ich bin ganz froh, dass noch ein paar Wochen Zeit bleiben bis zur ersten Maßnahme. Ich habe eben die Räumlichkeiten hier im DFB-Campus kennengelernt. Es sind Büros vorhanden, demnach werde ich hier oft sein. Ich werde mir Spiele angucken, in jedem Land, in dem unsere Spieler unterwegs sind. Wichtiger ist noch der Kontakt, den man zu den Spielern hat. Ich werde zügig mit ihnen in Kontakt treten. Egal, welche Ideen ich entwickele, ohne Spieler werde ich keine Möglichkeiten haben, diese umzusetzen. Ich habe schon immer eher mehr gemacht als zu wenig. Ich werde versuchen, es im Sinne der Spieler richtig zu machen. Ich habe mich als Vereinstrainer immer verantwortlich gefühlt, den Fans meine ganze Kraft zur Verfügung zu stellen. Alle, die Fußballfans sind, denen fühle ich mich verpflichtet, den Job so gut wie möglich zu erledigen und mich dabei selbst nicht so wichtig zu nehmen. Jeder, der Lust darauf hat, das mit uns gemeinsam anzugehen, ist herzlich willkommen! 

... seinen Plan von Fußball: Wenn wir über die vergangene WM nachdenken, hatten wir alle das Gefühl, dass es intensiver hätte sein können. Mehr Aufwand betreiben, mehr Intensität auf dem Platz – das ist schon mein Plan. Gegenpressing und eine stabile Ordnung werden auch wichtige Themen sein. Wir wollen eine klare Idee erkennbar machen. Bei der WM war es eine schöne Erkenntnis, dass ein Team mit Viererkette gewonnen hat, die Mannschaft, die das Spiel aktiv bestimmen wollte. Jede Mannschaft kann das Spiel eng machen, die Spielmacher der heutigen Zeit spielen auf dem Flügel. Es werden Spieler Möglichkeiten bekommen, die derzeit noch nicht damit rechnen. Ich war schon immer mutig und will es auch bleiben. Ich habe Lust, mit Spielern zusammenzuarbeiten, die einen Fußball spielen wollen, der allen gefällt. Ich möchte mit dem DFB-Team etwas schaffen, dass die Leute hinterher sagen: "Wow, das war wirklich cool."

…über eine realistische Erwartungshaltung: Wir sind derzeit nicht so gut wie Frankreich beispielsweise, aber schlagen können wir sie trotzdem. Dafür müssen wir eine bestimmte Art von Fußball spielen. Ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und erfolgreicher Fußball kann auch ein Land verändern. Wir brauchen dafür aber eine gewisse Geduld. Ich möchte sehen, dass es wieder etwas ganz Besonderes ist, für die Nationalmannschaft zu spielen. Ich werde es nicht allen recht machen können. Aber ich werde versuchen, alles richtig zu machen und alles dafür tun, dass wir so spielen, dass wir Weltmeister werden könnten. Ich lade euch dazu alle ein. Ich habe Bock, wenn ihr es auch habt!

... das Verhältnis von Fans zur Nationalmannschaft: Das ist superwichtig. Die Kraft des Fußballs kann Leute zusammenbringen. In meiner neuen Realität war die WM in den USA, Kanada und Mexiko die beste Fortbildungsmaßnahme, die ich hätte haben können. Die Atmosphäre war unglaublich. Diese Chance, die Fans in schwierigen Zeiten mitzunehmen, müssen wir versuchen zu nutzen.

... die bevorstehende Maßnahme mit vier Länderspielen in der Nations League: Wir müssen dort den Spagat zwischen Entwicklung und Performance schaffen. Es wird kein wildes Casting werden. Aber ich habe kein Problem damit, wenn sich dort alle Spieler zeigen wollen. Wir werden die Spiele nicht mit elf Mann durchpeitschen, die dann alle Spiele machen werden.

... Sportdirektor Rudi Völler: Rudi wird ein wahnsinnig wichtiger Ansprechpartner sein, weil ich alles von ihm wissen möchte: wie die Abläufe sind und wie es früher gemacht wurde. Seine ganze Erfahrung, seine Art, sein Blick aufs Leben, das alles wollte ich gern in unserem Team haben. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. Das wird gut, da bin ich mir ganz sicher. Ich habe ihn als Spieler sehr bewundert. Über die Jahre habe ich ihn dann kennen und respektieren gelernt.

Bernd Neuendorf über...

... die Gespräche mit Jürgen Klopp: Wir haben bis zum gestrigen Tag sehr intensiv miteinander gesprochen. Von Anfang an war Jürgen unsere Wunschlösung. Wir waren uns damit im Verband schnell einig und haben uns sehr um ihn bemüht. Wir haben Jürgen wahrgenommen als jemanden, der volle Energie und große Lust auf diese Aufgabe hat. Er ist ein großartiger Motivator, der Mannschaften und Spieler besser macht. Wir streben eine langfristige Zusammenarbeit an.

... die Besetzung von Per Mertesacker als DFB-Geschäftsführer Sport: Andreas Rettig, Rudi Völler und ich waren seit eineinhalb Jahren mit Per im Gespräch. Die Gespräche sind nie abgerissen. Als die Position neu zu vergeben war, sind wir noch mal auf ihn zugegangen. Es geht nicht nur um das A-Team der Männer, auch die Frauen-Nationalmannschaft, die U-Teams und das Thema Talentförderung werden ab dem 1. Januar 2027 unter der Federführung von Per laufen.

... die Vertragssituation von Red Bull und Klopp: "Aki" Watzke und ich haben sehr intensive Gespräche mit Oliver Mintzlaff geführt. Wir waren schnell gemeinsam der Auffassung, dass sich eine gleichzeitige Ausübung beider Ämter nur schwer vereinbaren lassen würde. Die volle Konzentration liegt nun auf der Aufgabe beim DFB. Wir sind Red Bull sehr dankbar.

Hans-Joachim Watzke über...

... die Verpflichtung von Jürgen Klopp: Es ist ein besonderer Tag heute. Wenn man das Gefühl hat, er ist gerade für den Posten der Beste, dann soll man ihn auch verpflichten. Ich bin sehr froh, dass Jürgen da ist. Ich durfte sieben Jahre lang engstens mit ihm bei Borussia Dortmund zusammenarbeiten. Demnach weiß ich, dass er für diese Situationen wie geschaffen ist. Er wird die Aufgabe bewältigen, weil Jürgen die Fähigkeiten hat, alles zu bündeln, um Ergebnisse zu erzielen. Das hat er immer geschafft, und das wird er auch hier schaffen.

Kategorien: Männer-Nationalmannschaft, DER DFB

Autor: dfb