DER DFB
Stellungnahme im Namen der UEFA und ihrer 55 Mitgliedsverbände

Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände stehen geeint zusammen. Wir lehnen den Vorschlag der FIFA, Anteile an der Fußball-WM und an anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu veräußern, einhellig und unmissverständlich ab.
Die WM darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eine der größten und traditionsreichsten Sportveranstaltungen im Fußball. Spieler, Nationalmannschaften und Fans auf allen Kontinenten haben sie über Generationen hinweg aufgebaut. Kein Teil davon sollte jemals an private Investoren abgetreten werden. Die WM steht nicht zum Verkauf.
Es ist unverantwortlich und unvertretbar, dass ein Vorschlag von solcher Tragweite für den Fußball im Geheimen erarbeitet und zur quasi unmittelbaren Genehmigung vorgelegt wurde, ohne diejenigen zu konsultieren, die mit der Leitung des Fußballs betraut sind. Es handelt sich nicht nur um ein umfassendes Führungsversagen, sondern um eine bewusste Verletzung der Pflichten der FIFA als Hüterin des Weltfußballs.
Allen Nationalverbänden weltweit wurde nun ein Ultimatum gestellt: Entweder sie akzeptieren die unwiderrufliche Übernahme der größten Fußballwettbewerbe oder sie tragen die entsprechenden Konsequenzen. Wir sprechen hier nicht von einer „demokratischen Entscheidungsfindung“, sondern von Führung durch Einschüchterung – ein aufgezwungener Akt, der einer Institution, die mit der Leitung des Weltfußballs betraut wurde, unwürdig ist.
Aber wir wehren uns nicht nur gegen die Vorgehensweise.
In dem Moment, in dem externe Investoren Anteile an FIFA-Wettbewerben erwerben, wird sich der Fußball für immer verändern. Wirtschaftliche Renditen werden zu einer dauerhaften Verpflichtung. Erwartungen der Anleger schaffen täglich Druck. Ab diesem Moment wird jede Entscheidung – sei es über den internationalen Spielkalender, über Wettbewerbsformate oder über die Gestaltung der Zukunft des Fußballs – nicht mehr davon bestimmt, was das Beste für unseren Sport ist, sondern davon, was das Beste für die Anteilseigner ist.
Dieses Modell hat im Weltfußball keinen Platz. Die Zukunft des Fußballs darf nicht von den Erwartungen jener bestimmt werden, deren primäres Ziel es ist, finanzielle Renditen zu maximieren. Genauso wenig dürfen die Interessen der Nationalverbände, Ligen, Klubs, Spieler und Fans den Renditen von Investoren untergeordnet werden. Der Fußball darf seine Zukunft nicht für finanzielle Gewinne verpfänden.
Die Position Europas ist eindeutig. Wir werden dieses Modell niemals legitimieren. Niemand hat die moralische Autorität, etwas zu verkaufen, das er ausschließlich treuhänderisch für künftige Generationen verwaltet.
Nach den heutigen Gesprächen werden keine UEFA-Nationalteams an FIFA-Wettbewerben teilnehmen, solange diese Vorschläge im Raum stehen, es sei denn, dieser Vorschlag wird in seiner Gesamtheit aufgegeben und es erfolgen verbindliche Zusicherungen, dass die FIFA ihre Governance und ihre Wettbewerbe nie wieder für private Investoren öffnet.
Um alle Zweifel auszuräumen: Die UEFA und ihre Mitgliedsverbände widersetzen sich diesen Plänen mit aller Entschlossenheit.
Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie bereit sind, zu akzeptieren, sondern danach, wo sie keine Kompromisse eingehen. Jetzt ist einer dieser Momente.
Manche Dinge sind einfach zu wichtig, als dass man sie verkaufen dürfte. Die FIFA-WM gehört dem Fußball. Das wird sie immer bleiben. Und solange Europa eine Stimme hat, wird die WM nie zum Verkauf stehen.
Kategorien: DER DFB
Autor: uefa

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