2. Frauen-Bundesliga
Neuer SGS-Sportchef Kraus: "Basis für nachhaltigen Erfolg legen"

Nach dem erstmaligen Abstieg aus der Google Pixel Frauen-Bundesliga trägt Daniel Kraus als Sportlicher Leiter bei der SGS Essen Verantwortung für den Neuaufbau. In der bevorstehenden Saison 2026/2027 (ab dem 1./2. August) geht der Ruhrgebietsklub in der 2. Frauen-Bundesliga an den Start. Im DFB.de-Interview spricht der 42 Jahre alte Kraus mit Mitarbeiter Ralf Debat über den Neustart und die Perspektiven.
DFB.de: In gut drei Wochen startet die neue Saison in der 2. Frauen-Bundesliga. Sind die Arbeiten am künftigen Kader bereits abgeschlossen, Herr Kraus?
Daniel Kraus: Nach aktuellem Stand sind wir komplett. Wir haben uns bereits im Vorfeld viele Gedanken gemacht und konnten unsere Planungen gut voranbringen. Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, sehe ich uns gut aufgestellt.
DFB.de: Aus dem Bundesligakader sind nach dem Abstieg nur acht Spielerinnen bei der SGS geblieben, darunter nur drei bisherige Stammspielerinnen. Was waren die größten Herausforderungen beim Umbau des Teams?
Kraus: Unsere Ligazugehörigkeit war lange Zeit ungewiss, hat sich endgültig erst zum Abschluss der Saison entschieden. Allerdings hätte es auch beim Klassenverbleib einen größeren Umbruch gegeben. Uns war wichtig, dass sich die Spielerinnen bewusst für den Essener Weg entscheiden und mit uns wachsen wollen. Es war ein spannender Prozess, den neuen Kader zusammenzustellen.
DFB.de: Dass sich mit Jana Feldkamp eine frühere Nationalspielerin frühzeitig zum Verein bekannt hat, war ein wichtiges Signal, oder?
Kraus: Definitiv. Das ist für eine Spielerin ihrer Qualität alles andere als selbstverständlich und hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Gemeinsam mit Anja Heuschkel, die wir als erfahrene und gestandene Spielerin vom FC Carl Zeiss Jena geholt haben, soll Jana vorangehen und unser sehr junges Team führen.
DFB.de: Trotz des Abstiegs blieb Cheftrainerin Heleen Jaques im Amt. Was spricht für Sie?
Kraus: Heleen kam in einer sehr schwierigen Gemengelage zu uns. Ihre Expertise, ihre realistische Einschätzung sowie die Art und Weise, wie sie mit der Mannschaft arbeitet, hat uns überzeugt. Sie passt einfach gut zu uns. Hinzu kommt, dass wir als Ausbildungsverein nicht nur Spielerinnen, sondern auch Trainerinnen und Trainer weiterentwickeln wollen.
DFB.de: Erstmals nach 21 Jahren in der Google Pixel Frauen-Bundesliga ist die SGS Essen wieder zweitklassig. Mit welchen Erwartungen wird der Verein in die neue Saison starten?
Kraus: Das erste Ziel wird sein, dass sich unser neuformiertes Team findet und zu einer echten Einheit wird. Selbstverständlich wollen wir eine gute Rolle in der Liga spielen.
DFB.de: Ist der direkte Wiederaufstieg ein realistisches Szenario?
Kraus: Diese Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös beantworten. Klar ist, dass dafür sehr viel zusammenpassen muss.
DFB.de: Welche Vereine zählen Sie zu den stärksten Konkurrenten?
Kraus: Viktoria Berlin investiert einiges und wird zum Favoritenkreis gehören. Der SV Meppen und der SC Sand, die den Aufstieg zuletzt knapp verpasst hatten, wollen mit Sicherheit wieder oben angreifen. Auch der FC Carl Zeiss Jena hat sicherlich Ambitionen. Spannend ist auch die Entwicklung beim Aufsteiger Hertha BSC. In der abgelaufenen Saison hatten der VfB Stuttgart und der 1. FSV Mainz 05 den direkten Durchmarsch geschafft.
DFB.de: Über viele Jahre hat sich die SGS Essen als Talentschmiede einen Namen gemacht und zahlreiche Nationalspielerinnen hervorgebracht. Bleibt es bei diesem Ansatz?
Kraus: Ja, definitiv. Wir würden einen großen Fehler machen, davon abzuweichen. Eine Lehre aus den zurückliegenden Spielzeiten ist, dass wir vielleicht sogar zu wenige Veränderungen im Kader hatten, um eine bestmögliche Entwicklung zu gewährleisten. Jetzt werden wir mit einer der jüngsten Mannschaften in die Saison starten.
DFB.de: Ist eine optimale Talentförderung auch als Zweitligist möglich?
Kraus: Davon bin ich überzeugt. Dank der Unterstützung der Stadt und unserer Partner können wir den Spielerinnen nach wie vor gute Bedingungen bieten, müssen nur wenig Abstriche machen. Bald steht uns auch das neue Funktionsgebäude zur Verfügung, durch das die Infrastruktur des Klubs noch weiter verbessert wird.
DFB.de: Wie würden Sie die Philosophie des Klubs in wenigen Worten beschreiben?
Kraus: Die Überschrift heißt Entwicklung - für die Spielerinnen, für die Trainerteams, aber auch für den gesamten Verein. Mit einer Art Startup-Kultur wollen wir Energie und Power ausstrahlen, um die Basis für nachhaltigen Erfolg zu legen.
DFB.de: Sehen Sie Spielerinnen im Kader, die es nach ganz oben schaffen können?
Kraus: Auf jeden Fall. Mit Lany Bäcker, Leonie Köpp und der aus Jena verpflichteten Helen Börner sind aktuell drei Spielerinnen bei der U 19-Europameisterschaft in Bosnien und Herzegowina dabei. Das sind aber nur drei Beispiele.
DFB.de: Mit Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 wachsen in unmittelbarer Nachbarschaft ambitionierte Konkurrenten heran. Welche Auswirkungen hat das?
Kraus: Mit dem BVB, der mit großen Investitionen den schnellstmöglichen Aufstieg in die Bundesliga anstrebt und dort in einigen Jahren um die Deutsche Meisterschaft mitspielen will, können und wollen wir uns nicht vergleichen. Bei Schalke 04 müssen wir die weitere Entwicklung abwarten. Einige unserer Talente sind auch dorthin gewechselt. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft unsere Nische finden werden, in der wir uns behaupten können.
DFB.de: Kann die SGS Essen als reiner Frauenfußballverein auf Dauer mithalten?
Kraus: Der Fußball der Frauen entwickelt sich rasant, es werden immer mehr Gelder generiert. Dieser Herausforderungen müssen wir uns stellen und möglichst noch mehr Sponsoren gewinnen, die unseren besonderen Weg unterstützen. Dann kann es auch gelingen, uns mittel- und langfristig zu behaupten.
DFB.de: Wie wichtig ist es, dass der Verein seine Heimspiele auch in der 2. Frauen-Bundesliga im großen Stadion an der Hafenstraße bestreitet?
Kraus: Schon seit der Eröffnung des neuen Stadions trägt neben Rot-Weiss Essen auch die SGS dort ihre Spiele aus. Daher ist es auch unsere Heimat geworden. Es ist eine große Wertschätzung der Stadt, dass wir weiterhin dort spielen.
DFB.de: Sie waren viele Jahre als Trainer tätig. Haben Sie jetzt als Sportlicher Leiter Ihre Rolle gefunden?
Kraus: Es ist richtig, dass ich in Jena, Freiburg, Wolfsburg und auch während meiner ersten Zeit in Essen in erster Linie Trainer war. Dabei habe ich viele Erfahrungen gesammelt, die ich in meiner neuen Funktion nutzen kann. Ich habe allerdings auch schon auf meinen früheren Stationen fast immer Aufgaben übernommen, die in den Bereich der sportlichen Leitung fallen. Von daher war ich gut vorbereitet. Die Arbeit in Essen bereitet mir auf jeden Fall viel Freude. Ich habe das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.
Kategorien: 2. Frauen-Bundesliga
Autor: mspw

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